photo: Laura Droße
photo: Laura Droße

Ein weißer Geist bewegt sich auf und nieder vor einem gelben Hintergrund und lädt die neusten Snaps. Ein weißer Geist auf gelben Hintergrund wurde zum Symbol für eine der wohl interessantesten Apps in diesem Jahr – Snapchat.

Wenn der Begriff Snapchat fällt, dann gibt es bei den meisten Menschen genau drei Assoziationen:

 

  1. Ist das nicht diese App für Perverse?
  2. Ist das nicht schon längst wieder out?
  3. Was ist das?

 

Kurz zur Erläuterung, was Snapchat ist, falls ihr zur Kategorie Nummer drei gehört: Snapchat ist eine App, in der man zehnsekündige Videos drehen oder Fotos aufnehmen kann. Diese teilt der User dann mit seinen Freunden oder als Geschichte. Und genau diese neue Funktion „Meine Geschichte“, dass man Inhalte mit all seinen Followern teilen kann, hat dafür gesorgt, dass sich Snapchat in einer Art Renaissance befindet. Vor zwei Jahren kam die App schon einmal auf, wurde damals aber eher dadurch bekannt, dass man sich gegenseitig Nacktfotos oder -videos geschickt hat.

 

Über den Teich darf man allerdings nicht schauen, da ist Snapchat so geläufig wie bei uns WhatsApp. Vor zwei, drei Jahren, als ich zum ersten Mal von Snapchat gehört habe, dachte ich mir nur: Oh nein, nicht noch ein Social Tool. Vor zwei Monaten habe ich mich dann doch angemeldet und jetzt denke ich mir nur: Oh Gott, wie geil! Ich kann alle meine Leser mit auf meine Reisen nehmen. Ich muss nicht mehr mit einer Kamera rumlaufen, ein Follow-me-around-Video drehen und es dann stundenlang schneiden. Ich ziehe mit Handy bewaffnet in die Welt und filme meine Erlebnisse mit Snapchat. Das coole Café, das ich in Lissabon gefunden habe, den Strand von Juist, meinen Flug nach Australien. Für alle Content Creators, sei es Instagrammer, YouTuber oder Blogger ist es die perfekte App, um mit ihren Followern zu kommunizieren. Vor allem gehen Snapchat und Instagram Hand in Hand!

photo: Laura Droße
photo: Laura Droße

Snapchatter fordern ihre Zuschauer dazu auf, ihnen unter das letzte Instagrambild eine Frage zu stellen, die sie dann wiederum bei Snapchat beantworten werden. Die Zielgruppe ist die gleiche, und wer viele Instagram oder YouTube-Follower hat, wird auch schnell zum Snapchat-Überflieger. Ansonsten ist es schwierig, Freunde zu finden und zu bekommen. Snapchat ist mit keinem anderen Social-Media-Tool verbunden. Neue Follower findet man nur, indem man sein Adressbuch durchsucht oder den genauen Benutzernamen im „Freunde finden“-Feld eingibt. Große Influencer ziehen die Fans von einer zur anderen Plattform und nehmen sie mit in ihren Alltag. Ich habe mein Snapchat-Icon in der Sidebar meines Blogs eingebunden und schreibe auf Instagram unter „Lilies_Diary“.

Snapchatt - Christine Neder

Snapchat Christine Neder

Bonnie Strange zeigt das Studio von „taff“, wo sie im Moment als Moderatorin tätig ist. YouTuberin Melina von „LIVE with Melina“ gibt Eindrücke von ihrer YouTube-WG und dreht gerade am Set von „Kartoffelsalat“ und Modebloggerinnen nehmen ihre Fans mit durch ihr „daily life“. Sei es die Umsatzsteuererklärung, die Detox-Woche oder das Coachella Festival. Snapchat ist wie eine Seifenoper, jedoch völlig ungescripted und brutal ehrlich. Und auch dort gibt es diese „Unfälle“ von Usern, die absolut dämlich sind, die man aber trotzdem Tag für Tag anschauen muss, weil man einfach nicht wegschauen kann.

Wie viele „Follower“ jemand hat, sieht man nicht. Lediglich wie viele Follower die einzelnen Videos und Snaps angeschaut haben. YouTube-Star Dagi Bee hat sich neulich für 200.000 Views bedankt und Sami Slimani für 40.000 Zuschauer. Diese Werte macht die Plattform Snapchat auch für Werbekunden interessant. Wer sich ein bisschen auskennt, der merkt, dass plötzlich viele erfolgreiche Instagrammer und YouTuber zu einer ganz bestimmten Lebensmittelkette einkaufen gehen und einen ganz bestimmten Fruchtsaft in die Kamera halten. Zufall? Nein. Es ist die Traumwerbung für Werbekunden. Völlig authentisch wird der Wrap in der bestimmten Lebensmittelkette für den Abend gekauft, ohne Kennzeichnung. Oder es wird gesnapchattet, dass man den Online-Service von der Lebensmittelkette testet. Schleichwerbung? Ja, irgendwie schon. Aber auch irgendwie nicht. Das Ganze fällt wohl unter das Konzept von Markenbotschaftern und Testimonials. Da ist es zum Beispiel total legitim, dass Leute Marken erwähnen, ohne immer dazu zu sagen, dass sie ja Markenbotschafter sind. Man könnte aber auch die Textfunktion benutzen und Product Placement eintippen. Aber mal ganz ehrlich, welche 13-Jährige versteht schon, was Product Placement heißt? Werberichtlinien gibt es keine für Snapchat. Nachweisen kann man auch nichts, da das Video ja in 10 Sekunden wieder verschwunden ist. Lediglich Screenshots kann man machen. Es sieht ja auch eigentlich keiner, dass es Werbung ist, außer geschulte Medienaugen.

snapchat3

Am Ende meines Artikels kommt in mir der Wunsch auf, ein Fazit zu schreiben. Vielleicht haben jetzt einige erwartet, dass ich über diese werblichen Snapchatter herziehe. Nein, sicher nicht. Ich finde nämlich, Werbung ist nichts Schlimmes und ich produziere sie als Blogger selbst. Ich wollte lediglich mal beleuchten, wo sich Werbung wie im Fall Snapchat versteckt. Es bleibt für mich nur zu hoffen, dass die fleißigen Snapchatter all die Dinge, die sie zeigen und machen, wirklich gut finden und dies nicht nur für das Geld tun. Aber, wie überall, gibt es auch bei Snapchat bestimmt beide Varianten. Bei mir könnt ihr jedenfalls sicher sein, dass ich, egal auf welchem Kanal, nur bewerbe, was ich voll und ganz vertrete und selber mag. Das ist mein Konzept – knallharte Authentizität in allen Bereichen des Lebens.

Wer mir folgen möchte: Mein Snapchat-Username lautet Lilies_Diary. Außerdem habe ich auf meinem Blog bereits ein Video und einen Blogbeitrag zu Snapchat veröffentlicht.