Kennst du diesen Moment, in dem deine Hand Richtung Handy zucken will, um zum zehnten Mal am Tag den Instagram-Feed zu checken oder Mails abzurufen?

Im Café, wenn die Begleitung gerade auf der Toilette ist zum Beispiel. Oder wenn eine Aufgabe auf der To-do-Liste steht, um die man sich gerne noch etwas herumdrückt.

Wie automatisiert mein eigenes News-Check-Verhalten ist, fiel mir letztens beim Ausflug aufs Land mit meinen Freunden auf.

Viel Grün, wenig Lärm, tolles Haus, strahlender Sonnenschein und… kein WLAN. Um das „E“ auf das Display meines Handys zu bekommen, musste ich auf das Feld hinter dem Haus gehen und mit dem Telefon in der Luft herumwedeln. „Gut“, dachte ich mir. „Dann halt ohne“, und nahm die erzwungene Offtime dankbar an.

Doch leichter gesagt als getan. Immer wieder griff meine Hand zum Telefon und sah nichts als einen freundlichen Reminder:

KEIN NETZ

Ich begann nachzudenken.

Mir fiel ein Zitat ein, das auf der Facebook-Wall von Fuck Lucky Go Happy für massenhaft Shares und Likes sorgte.

Offtime_Pic_privat

Hmm …

Will ich wirklich gedanklich in Berlin am Kanal sitzen, wenn ich gerade nichts als sattes Grün, Heuballen und quakende Frösche um mich herum habe? Nein, auf keinen Fall. Will ich auf Bali Yoga machen und dem guten Leben frönen? An sich gerne, aber im Moment stehen andere Dinge an. Insofern: Nein.

Einerseits beschweren wir uns kollektiv, dass wir zu wenig Ruhe, zu viel um die Ohren oder gar Schlafstörungen haben. Andererseits tun wir alles, um unsere Gedanken ständig auf Trab, überall gleichzeitig und eher selten im Hier und Jetzt zu behalten.

Also: Warum feiern wir lieber „Inspirational Quotes“ auf Facebook, als selbst die Gedanken schweifen zu lassen?

Vielleicht aus Gewohnheit?

Mit Sicherheit. Der Daumen tippt ja von ganz alleine auf die bunten Buttons. Und nicht nur die Raucher unter uns wissen, wie schwer es ist, so manches Laster loszuwerden.

Doch viel wichtiger scheint mir:

Was passiert, wenn wir die Ruhe wirklich zulassen?

Tauchen dann Gedanken auf, die uns nicht so gut gefallen? Wird mir sogar langweilig? Fällt mir möglicherweise auf, dass mir mein Hier und Jetzt gar nicht so gut gefällt, wie ich dachte?

Ja. Vielleicht. Doch genau deshalb ist es so wichtig.

Nur aus der Ruhe können wir entscheiden, welche Gedanken wichtig und welche nicht sind. Wenn es um uns still ist, kommen wir in Kontakt mit unseren inneren Stimmen und der Blick auf das Wesentliche klärt sich.

Dass die Kraft tatsächlich in der Ruhe liegt, bestätigt übrigens auch die Wissenschaft:

Forscher des Max-Plank-Instituts fanden Hinweise darauf, dass das Gehirn sich automatisch in einen sinnvollen Zustand fährt, wenn es keinen Reizen von außen ausgesetzt ist. Wir beginnen zu reflektieren, über Vergangenes nachzudenken und uns die Zukunft vorzustellen. Selbst beim Meditieren ist dieses so genannte Ruhenetzwerk äußert aktiv. (Quelle: Psychologie Heute, Mai 2015, S.18)

Der Drang, zum Telefon zu greifen, ließ während meiner Offline-Zeit auf dem Land übrigens schnell nach. Wieder zuhause, war ich inspirierter denn je und beschloss, für weniger Ablenkung in meinem Alltag zu suchen. Diese Dinge kann ich dir besonders empfehlen.

5 Sofort-Maßnahmen für mehr Offtime

  1. Kauf dir einen Wecker und schalte dein Handy nachts ganz aus. Die ganze Maschine anzuwerfen, um morgens noch vor dem ersten Kaffee WhatsApp zu checken, lohnt sich nicht.
  2. Fahr die Entweder-Oder-Strategie: Entweder einkaufen oder telefonieren. Entweder die Straße lang laufen oder SMS tippen. Entweder Film gucken oder twittern. Du weißt schon.
  3. Mach dir bewusst, wie respektlos es anderen gegenüber ist, immer heimlich aufs Handy zu schielen. Du bist da, wo deine Gedanken sind!
  4. Deaktiviere deine Business-Mail-Accounts auf dem Handy und Rechner, wenn du frei hast. Mails lesen, ohne sie zu bearbeiten, bringt nichts außer Ruhestörung.
  5. Mach wie ich Urlaub im „Tal der Ahnungslosen“. Dieser Teil Brandenburgs war schon zu DDR-Zeiten dafür bekannt, dass westliche Radio- und Fernsehübertragungen nicht terrestrisch empfangen werden konnten. Ähnlich verhält es sich heutzutage mit dem Internet.

Zum Schluss noch eine Anmerkung:

Das hier soll kein Die-digitale-Welt-ist-böse-Beitrag sein. Nein, ich liebe nahezu alles, was das Web an nützlichen und unnützen Dingen zu bieten hat. Doch ab und zu sollten wir abschalten. Und zwar auf allen Ebenen.