Klar, gerade gingen alle Vorträge, die man gegen gepfefferten Eintritt diesen Juli auf der hippen Technologiekonferenz sehen konnte, auf Youtube online. Weil wir uns von Team INDIE dort aber zur Recherche für unsere kommende Future Issue bereits ausführlichst herumgetrieben haben, hier eine kurze Orientierung durch das illustre Festival der Trendforscher und Junior Executives:

Daily Bread Berlin Tech Open Air 1

1. Alles gar nicht so geeky.
Irgendwie haben wir uns das alles schrulliger vorgestellt. Auch wenn sich diese Technologiekonferenz als Freiluft-Festival aufstellte, in Sachen Nerdtum entsprach hier nichts unseren naiven (von der tollen Serie Silicon Valley geprägten) Fantasien. Klar auch, in den zwei Tagen Programm rund um die charmant heruntergekommene, alte Teppichfabrik und seinem hippiesk gestalteten Gartenareal, ging es natürlich nur zweitrangig um das Teilen des eigenen genialen Hirn-In- und -Outputs. Irgendwie gehts ja doch immer um eines: Business.

2. Technologie-Startup-Business zieht sich lustig an.
Wenn man genau hingesehen hat, waren sie da: die Businessplan-Hemden sahen lässig aus an den Mymüsli-Menschen. Die Investoren-Jeans. Wer nicht der Typ für lässige Sportschuhe war, kam in seinen schicken Pitch-Schuhen (aus Italien, handgefertigt, ein bisschen zu „individuell“).

3. Überhaupt: Pitchen! Eine schrecklich schöne Sportart.
Man übte sie am TOA2015 in der „Pitch-nick“ Area (*brrr*) an der langen Tafel unter den Bäumen, gleich neben der Spielwiese auf der jeder mal Drohnen fliegen lassen konnte.
Letzter Programmpunkt des Festivals auch das öffentliche Wettpräsentieren von fünf innovativen Hardware-Erfindungen um ein Preisgeld von 10.000 Euro. Es gewannen der synpathische ältere Herr aus Israel und sein Techkugelschreiber.

Daily Bread Berlin Tech Open Air 2

4. Trendvorträge, die von 68-jährigen gehalten werden, fühlen sich irgendwie falsch an.
Ralph Simon ist ein großer Fisch im Innovationsgeschäft, ja. Er führte Unternehmen wie Capitol Records und gründete EMIs New Media Division. Er war einer der Ersten, die sich in den Neunzigerjahren ins Mobile-Entertainment-Geschäft warfen, entwickelte ein panafrikanisches mobiles Gesundheits-Netzwerk  … und sprach in seinem 30-minütigen Vortrag über nichts anderes als nette Marketingidee-chen – wie Plakate, aus denen man Bier zapfen kann, oder Bücher, die man nach dem Lesen einpflanzen und einen Baum daraus ziehen kann – gehalten hat. Irgendwie wurden wir den Eindruck nicht los, dass wir das alles auch auf einem durchschnittlich gut kuratiertem Blog hätten nachlesen können. An seinem peppigen Auftreten (oranges Hemd und Stecktuch) und den entertainenden Witzchen zwischendrin, hätten sich die teilweise recht narkoleptisch anmutenden jüngeren Vortragenden allerdings ein Beispiel nehmen sollen.

5. Der Talk-Titel macht die Musik.
Für Vorträge, wie „Don’t Work for Assholes“, „What We Get Wrong About Millenials in the Digital Age“ oder „How to Have Sex With an Elephant: Mixing Startup and Corporate Culture“ kamen alle aus ihren Pitch-Winkeln gekrochen. Sogar das viralste Kleid auf Erden, das nebst blau und schwarz ja hauptsächlich hässlich ist, bekam einen eigenen Talk von der Universitätsdozentin: „How #TheDress Improved Our Understanding of Color Vision“.
Die meisten Zuseher schoben sich wohl rund um den Vortrag zum Thema „Future of Sex“ eines internationalen Sexspielzeug-Herstellers. Da ging es dann darum, wie der Dildo der Zukunft anhand unserer Reaktionen lernen kann, was uns gefällt und das Gesamterlebnis mit Temperatur, Licht und Musik im Raum abstimmen kann.
Wer weiss, ob die böse böse Technologie uns Menschen wirklich immer weiter auseinander bringt. Es ist nun allerdings nachweislich zulässig zu behaupten, dass die innovativen Gadgets von morgen immer näher an uns , äh, „heranrücken“.

Seht hier einige der meiner Vortrags- Highlights:

Mehr über das TECH OPEN AIR 2015: toa.berlin