„Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern“, schrieb Aristoteles schon bevor unsere Zeitrechnung begann. Heute, im Zeitalter von Social Media, wird Freundschaft jedoch nochmal neu definiert.

cool

Als Teil der Generation Y habe ich zwar auch schon als Teenager Kontakt mit Social Media gehabt, jedoch habe ich meine Kindheit noch komplett frei von digitalen Medien verbracht. Freundschaften definiere ich ziemlich klassisch und lege deswegen auch großen Wert darauf, nur mit Personen bei Facebook befreundet zu sein, die ich bereits offline kennengelernt habe.

schule

Schau ich mir jedoch den Umgang der Generation Z mit Social Media an, dann fühle ich mich nicht nur super alt, sondern auch mit einer Welt konfrontiert, die ich weder verstehen kann noch verstehen will. Wir sprechen hier von den wahren Digital Natives, die die Allgegenwärtigkeit von digitalen Medien und Technologien seit frühester Kindheit gewöhnt sind. Schon auf den ersten Blick merkt man, wie enorm wichtig soziale Netzwerke und die Darstellung nach außen sind, #selfie.

model

Was in meiner Generation die Suche nach dem Sinn und Selbstverwirklichung war, ist heute die Suche nach Anerkennung und Bestätigung. Dabei spielt es meist keine Rolle, wer sein mehr oder weniger qualifiziertes Urteil abgibt. Wichtig ist nur: Jemand hat etwas Gutes über dich gesagt. Neulinge auf dem Feld sollten sich jedoch nicht wundern, dass Komplimente nicht dankend angenommen, sondern in langen Konversationen immer wieder abgestritten werden.

Screenshot_Julia

Auch offline spielt das Netzwerken eine große Rolle in der Generation Z. Echte Freunde sind dabei nicht nur wichtig, um Fotos mit ihnen auf Facebook zu veröffentlichen, sondern auch für bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wer etwas auf sich hält, will auch im Job eine gehobene Position erreichen. Dass dabei etwas Vitamin B nie schadet, wissen wir alle.

Es liegt auf der Hand, dass in Zeiten, in denen so viel Wert auf fremde Meinungen gelegt wird, natürlich auch Mobbing ein viel brisanteres Thema ist. Anders als zu meiner Jugendzeit, in der es im Zweifel eins auf die Fresse gab und dann war es wieder gut.

Trotzdem scheint vielen Jugendlichen der Gedanke zu gefallen, auch in einer Freundschaft anonym zu bleiben. Ideen auszutauschen, ohne dafür verantwortlich gemacht zu werden. Mit vielen Menschen in Kontakt zu sein, ohne jemals Verpflichtungen ihnen gegenüber zu haben. Und das zum Teil ganz öffentlich.

Mit dieser kurzen Kommentaranalyse will ich nicht behaupten, dass diese neuen Kommunikationswege Freundschaften immer schaden müssen. Ich finde digitale Kommunikation auf Social-Media-Kanälen super, um Freundschaften auch über lange Distanzen aufrechtzuerhalten und zu pflegen. Vor allem auf Reisen kann ich so unkomplizierten, regelmäßigen Kontakt zu meinen Freunden daheim haben. Über die lustigen Unterhaltungen in fremden Profilen mache ich mir dennoch meine Gedanken und bin gespannt, wie sich dort die Kommunikation weiterentwickeln wird.

Text: Julia Brauer

Headerfoto: Kira Stachowitsch