Au Contraire, liebe Jule. Manche Filme deiner Liste haben mir auch die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Wie peinlich war das Melodrama „Pearl Harbor“? Lassen wir die historischen Ungenauigkeiten beiseite, so war das theatralische Hin- und Herspiel der Liebesgeschichte verwirrender als der patriotische Subtext. Und ja, zugegeben, auch ich war mal begeisterter Zuschauer von „zeitgeistigen“ Dokus und die ein oder andere Freundin musste auch unter diesem Verschwörungsquatsch leiden. Asche auf mein Haupt und eine späte Entschuldigung. Doch bei all der Zustimmung im Büro über deine Schreckensliste und was Freund_innen erdulden müssen, halte ich es nicht mehr aus und muss die ungeschönte Wahrheit über Dirty Dancing und Co aussprechen.

TWILIGHT SAGA oder warum ich im #teamjacob bin.

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Ich weiß zwar nicht, warum andere Menschen sich dämliche Filme angucken, aber ich habe es das eine oder andere Mal zuliebe einer Frau getan. Klassisches Szenario: WG-Herbst-DVD-Single-Abend: „Lass mal Twilight gucken.“ – „Okay?!“ Es war die glückliche Fügung des Schicksals, dass zu diesem Zeitpunkt erst zwei Teile im Internet in der Videothek verfügbar waren. Sonst hätte ich noch länger diese aussagelosen (keine) Gesichtsregungen von ihr, der Heldin, ertragen müssen. Als sie teilnahmslos vor ihrem Fenster saß, lief die Zeit, ich schwöre es, rückwärts. Und ihr Dilemma hab ich bis heute nicht verstanden. Edward oder Jacob? Ein Vampir, der Angst davor hat, wie ein Diamant zu glitzern, und ein Werwolf, der ständig sein T-Shirt zerreißt, aber nicht seine Hose im Schritt? Das geht besser. Und das dachten wir uns wohl auch beide. Sie bleibt sie im Team Edward und ich bin Fan vom Team Jakob. Denn mein Neffe heißt so und der ist super. Nicht nur, weil er seine Hosen zerreißt.

 

GREY´S ANATOMY oder die angespannten Mittwochabend-Rituale.

Und wenn wir schon bei aussageloser Mimik sind: Diese Serie war spannend. Punkt. Doch seitdem die Bombe geplatzt, diese rothaarige hübsche Ärztin weggegangen ist und Dr. Meredith Grey nicht mehr ersichtlich darstellen kann, ob sie Freude verspürt, Angst oder einen unangenehmen Geruch in der Nase hat, ging es mit der Spannung bergab. Das sah meine damalige Freundin natürlich anders. Ihr gutes Recht. Nur beharrte sie darauf. Und ich guckte mit müden Augen die gespannte Gesichtsmuskulatur der Ärzte an und hätte da schon abschalten sollen. Es kam anders. Es wurde später Schluss gemacht. Eine andere unheldenhafte Geschichte.

 

SEX AND THE CITY 2 oder warum ich von den Frauen enttäuscht war.

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Kurzum: „Sex and the City“ ist eine tolle Serie. Die Schuhe, die Kleider, die Handtaschen sind mir egal. Aber diese Geschichten von vier New Yorker Frauen sind zugleich unterhaltsam, spannend und guter Gesprächsstoff für die Küche, das Bett oder die Podiumsdiskussion: der mediale Wandel der Rolle der Frau in der Moderne. Nichtsdestotrotz war Nummer 2 ein Trauerspiel. Nicht, weil ich gezwungen wurde. Ich entschied mich dafür aus freien Stücken. Es war traurig zu sehen, wie plump Luxushotels, Schuhe, Globalisierung, Kulturkritik zu einem glitzernden Klumpen zusammengeschnitten wurde. Die Liebe war dahin. Manchmal treffen wir uns noch.

 

PRETTY WOMAN oder das kann nicht euer Ernst sein.

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Ich halte mich zurück. Irgendwann hab ich den Film als 16-Jähriger geguckt. Wahrscheinlich mit einem Mädchen. Sie fand ihn … weiß ich nicht mehr. Ich habe ¾ davon verdrängt. Geblieben ist die Erinnerung an Julia Roberts’ fratzenhaftes Grinsen, dass der Film die Cinderella-Story verkörpern soll und dass Richard Gere ein böser Kapitalist ist. Vermutlich ist das falsch. Ich war 16 und habe Ton-Steine-Scherben gehört. Das passt eben nicht zusammen.

 

SHOPPING QUEEN oder abseits ist auch doof.

Ich verneige mich natürlich vor Herrn Kretschmer, dem Team und den Kandidat_innen. Das Format ist nicht von ungefähr so erfolgreich. Doch mein modisches Know-How passt selbst in die kleinste Klatsche. Daran liegt es wohl, dass ich mehrmals neben meiner Freundin saß und mit unprofessionellen Äußerungen die Spannung zerstörte: „Warum regen sich denn alle auf, dass sie ihren Armreif von zu Hause mitgebracht hat?“, „500 Euro reichen doch dicke aus.“ Ich hab dafür keinen Applaus geerntet, nur eine Diskussion darüber, warum das Spiel – 23 Männer verfolgen einen Ball – genauso seltsam ist. Ansichtssache. Sie guckt weiter und ich sitz im Abseits.

DIRTY DANCING oder warum ein Teil in mir stirbt, wenn ich „Time of my Life“ höre.

Oh, du schrecklicher Film. Nicht, weil es ums Tanzen geht. Schaut euch Pina an, das ist ein Tanzfilm. Dirty Dancing ist eine Illusion. Aber doch fühlbar, wie ein wiederkehrender Schmerz. Sicherlich Blockbuster in der Hölle. Doch ist die Hölle auf Erden. In Form von Wiederholungen im Fernsehen, im Zeltplatzkino auf Usedom oder als ganze Diskoveranstaltung in Großstädten oder bei Scheunenfesten. Dort sind alle vergnügt, weil „Baby“ mal eine Melone getragen hat und generell diese Passion fürs Tanzen und Kürbisgewächse das Maß aller Dinge zu sein scheint. Doch sind wir mal ehrlich. Ich kann nicht dirty dancen, ich mach nicht „gogong-gogong-gogong“, denn dann wäre ich der Spinner. Und selbst, wenn ich mich so bewegen könnte, mir das Tanzen nicht verbieten lassen würde, dann wäre Catskill Mountains nicht the place to be. Aber davon versteh’ ich wieder nichts, genauso wie diese Faszination. Dieses Seufzen aller Personen um mich rum, wenn die ersten Takte von „Time of my Life“ erklingen und Herzen höher schlagen. Dann räume ich die Tanzfläche, denn das ist nicht meine Bühne. Ich kann aber einen Notarzt rufen, falls die Hebefiguren mal wieder schief gegangen sind. So etwas soll auf Oktoberfesten vorkommen. Ich sag ja, ein wiederkehrender Schmerz.

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Aus irgendeinem Grund stören mich diese Filme aber nicht mehr. Vielleicht liegt es daran, dass mich meine Freundin zu Victoria geschleift hat. Ein toller Film. Eine tolle Frau. Somit gibt es auch Positives zu berichten von der Wir-gucken-einen-Film-zusammen-Front. Und vielleicht beißen wir alle von im gegenteil die Zähne zusammen und lassen weiter cineastische Folterstreifen über uns ergehen. Denn jeder schlechte Film hat seine Geschichte und die ist erträglich. (außer Dirty Dancing.) Und für den Liebsten oder die Liebste hält man sowas auch mal aus. Sonst macht einfach aus und knutscht lieber. Das ist immer noch der Klassiker.

 

Text: Karl Komet #teamimgegenteil
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