Liebes Facebook,

für mich bist Du nicht sozial, obwohl ich viel Zeit mit Dir verbringe, durch Dich mit meinen Freunden kommuniziere und Aufträge generiere. Aus diesem Grund schreibe ich den Sammelbegriff für Anwendungen wie Dich mit großem S: Soziale Medien.

Linguist: Man schreibt das nicht groß „grin“-Emoticon
. Groß schreibt man im Deutschen Satzanfänge, Eigennamen oder Substantive. Da es sich bei dem Begriff „soziale Medien“ nicht um einen Eigennamen handelt, schreibt man es auch nicht groß. Rechtschreibregeln haben den Zweck, uns das Lesen zu erleichtern. Man kann diese Regeln natürlich einfach nach Gutdünken seinen Bedürfnissen anpassen und sagen: „Soziale Medien“ sind meiner Meinung nach nicht sozial, deswegen markiere ich das mit einer Großschreibung.

Genau das möchte ich damit sagen. „tongue“-Emoticon

Linguist: Wenn das aber alle machen, dann wird es ziemlich schwierig werden, Texte ohne große Anstrengung zu lesen. Daher würde ich sagen: Wenn jemand findet, dass ein Wort nicht passt, dann soll er die Mittel ausschöpfen, die ohnehin schon zur Verfügung stehen, und zum Beispiel Anführungszeichen verwenden.

Mir geben diese Sozialen Medien das Gefühl, ich muss eben nicht sozial sein und Menschen treffen, sondern das Internet auf meinem Smartphone, im Büro oder Zuhause reicht völlig aus, solange ich mindestens 3G habe. Distanzieren möchte ich mich davon nicht, nur meine These stützen, dass Soziale Medien nicht sozial sind.

Linguist: Das würde ich nicht sagen. Sie sind vielleicht auf eine andere Art und Weise sozial, wie es eine persönliche Begegnung ist, vielleicht herrscht in ihnen sogar mehr Distanz, aber deswegen sind sie nicht nicht sozial, sondern sozial auf eine andere Art und Weise. Man muss sich dann natürlich die Frage gefallen lassen, welche Bedeutung das Wort „sozial“ dann noch hat.

Laut Lexikon bedeutet es: auf die Gesellschaft bezogen, die Beziehungen zwischen den Menschen betreffend; menschenfreundlich. Ob das wirklich auf Facebook zutrifft – da bin ich mir nicht sicher.

Linguist: Natürlich stellen sich Leute in sozialen Netzwerken häufig in den Mittelpunkt, stellen also ihre eigenen Interessen in den Vordergrund. Dennoch interagieren sie mit anderen, verhalten sich also sozial – wenn auch anders als in der echten Welt.

Oh, warte, mein Essen ist fertig, ich muss es mal schnell auf Instagram posten. Ich meld mich dann später auf WhatsApp! „wink“-Emoticon

Der Linguist ist Fabian Bross, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Stuttgart und Blogger. Er schreibt am liebten in LaTeX und hat ein Faible für Frisörnamen from hell.