Dodo_magazine_DailyBreadMag_Multi
Dodo_magazine_DailyBreadMag_Multi

Du wachst auf in einem Bett, das gleichzeitig auch die Funktion eines Sofas erfüllt. Springst in die Dusche und lässt dich während des Duschens von den Wasserstrahlen, die aus der Wand schießen, massieren. Trocknest und frisierst dein Haar mit nur einem Gerät. Schnappst dir deine Wendejacke und den Schal, der gleichzeitig auch Mütze und Rock ist, und setzt dir deine Brille auf, die bei Sonnenlicht automatisch zur Sonnenbrille wird. Mixt dir deinen Frucht-Smoothie mit der gleichen Küchenmaschine, mit der du später auch deinen Kuchenteig zubereitest. Und der sieht so grandios aus, dass du ihn gleich mit deinem Smartphone fotografierst, das nebenbei auch Taschenlampe, Rechner, Fotoapparat und MP3-Player bietet – im besten Fall machst du dir mit diesem Ding sogar noch ein Date für heute Abend klar. Ja, wir leben in einer Zeit, die für nichts und gleichzeitig für alles steht – von doppeldeutig bis bedeutungslos, 2-in-1-Funktionen genauso wie 3-für-2-Angebote. Viel ist mehr und auf jeden Fall besser als nichts! Multi muss es sein.

 

Multihand llustration von GeorgeHeaven
Multihand llustration von GeorgeHeaven

 

Das Verschmelzen von Funktionen und Dingen bestimmt unsere Welt seit wir denken können: Indem wir Mehl mit Wasser gemischt haben sind wir auf den Geschmack von Brot gekommen, später haben wir Schinken und Käse hinzugefügt und gemerkt, dass es keinen besseren Snack als ein Sandwich gibt. Eine der wundervollsten aller Kombinationen ist die aus Noten: Musik, Melodien. Wir mixen mittlerweile sogar Lieder. Momentan bin ich verrückt nach Tutti Frutti von New Order verbunden mit einer achtundfünfzig Jahre älteren Version von Little Richard, was wiederum ein komplett neues Lied ergibt. Vermischt man zwei Farben miteinander, entsteht eine dritte! Zweimal H und einmal O ergibt Wasser – pure Magie, mit der simplen Formel: je mehr Zutaten desto besser!

Womit wir beim nächsten Thema wären: Globalisierung. Das Phänomen von japanischem Essen in London und schwedischen Möbelhäusern in Madrid ist lange nichts Neues mehr; heutzutage geht man zum Spanier, um japanisch zu essen und dabei auf schwedischen Möbeln zu sitzen. Es ist verrückt, aber bringt Spaß. Wir verurteilen und lieben es zugleich.

The Man Orchestra
The Man Orchestra

 

Längst haben wir nicht mehr nur einen Job. Der Mann vom Orchester, der singt und mehrere Instrumente gleichzeitig spielt, der Gadget-Inspektor, der die verrücktesten Sachen erfindet, und viele, viele mehr. Sich selbst zu finden und zu verwirklichen heißt, viele Dinge auszuprobieren, gleichzeitig, und viele Dinge zu können – gleichzeitig natürlich! Wir können uns ausprobieren, mit allem und nichts, haben unsere eigenen YouTube-Channels, Mode-Labels und produzieren unsere eigenen Print-Magazine, um sie anschließend online zu verkaufen.

DodoMagazine Issue 3 Photo by Gonzalo Baro
DodoMagazine Issue 3 Photo by Gonzalo Baro

 

Auch wenn ein einzelnes Objekt nicht dafür gedacht ist, mehrere Funktionen zu erfüllen, hat es mit Sicherheit verschiedene Verwendungszwecke. Mein liebstes Berlin-Beispiel dafür ist, eine Flasche mit einem Feuerzeug zu öffnen – Plopp!

Über alle diese Ideen – und noch viel mehr – geht es in der neusten Ausgabe des Dodo Magazine, das den Namen “Multi” trägt. Die dritte Ausgabe, die sich Objekten und Erfindungen – mit natürlich mehr als einer Funktion – widmet, den Dingen, die wir alle lieben, nicht weil sie wie versprochen unser Leben einfacher machen, sondern weil sie es ein gutes Stücken schriller und lustiger gestalten: von Essstäbchen mit Ventilator bis Schuhen auf Rädern. Das Magazine selbst ist multi-funktional: Bei schlechtem Wetter kann es ganz einfach zum Regenponcho zusammengefaltet werden, auf jeder einzelnen Seite lässt sich die Zukunft lesen, es gibt zwei Seiten zum Dekorieren und Seiten zum Aktiv werden. Ich selbst bin der Multi-Editor dieser ganzen Sache, nämlich Kreativ-Direktor, Designer, Community-Manager und Verleger in einem.

Das Launch-Event zum Magazin fand an Halloween statt und trug den Namen „The Secret Poisoned Popcorn Screening“. Vielversprechend nicht nur der Titel, sondern auch die Location – die mehr als nur multifunktionale Blogfabrik. Ein Ort, an dem Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern, mit dem unterschiedlichstem Hintergrund, unterschiedlichster Begabung, Expertise und Perspektive zusammenfinden und –arbeiten und so immer wieder aufs neue etwas komplett Einzigartiges schaffen. Für mich der Inbegriff von multifunktionaler Kreativität!

Noch etwas zur Multifunktionalität der Location an sich: Es gibt einen Vorhang, mit dem der Raum nach Belieben aufgeteilt werden kann, Bänke, die gleichzeitig Tisch und Regal sind und noch viel mehr – perfekt einsetzbar für Workshops, Ausstellungen oder Film-Screenings. Ein komplett neuer Raum, jedes Event aufs Neue!

Das Ende vom Lied: Warum sich auf eine Sache festlegen, wenn man alles haben bzw. machen kann?

Dodo Poncho Photo by Gonzalo Baro | Model Sergio Urko
Dodo Poncho Photo by Gonzalo Baro | Model Sergio Urko

 

Anmerkung Nr.1: Als ich diesen Artikel geschrieben habe, habe ich gleichzeitig Kaffee getrunken, meine Nachbarn beobachtet, Facebook gecheckt und United States of Tara geguckt. Ich liebe multi!

Anmerkung Nr.2: Bist du auch ein bisschen multi, dann auf in die Blogfabrik und Multi lesen, die dritte Ausgabe des Dodo Magazine.

Die Top-10 der Multi-Objekte:

  1. Schweizer Taschenmesser
  2. Gummiband
  3. Smartphone
  4. Cargo Bike
  5. Kitchen robot
  6. Box
  7. Mehrfarbige Kugelschreiber
  8. Rucksack
  9. Sandwich
  10. Trink-Helm

Übersetzung: Katharina Klett