Wenn ein Artikel von iHeartBerlin viral abgeht, ist natürlich große Freude angesagt. Man bekommt eine tolle Bestätigung für die Arbeit,  die man in seinen Artikel hineingesteckt hat und weiß, es hat sich gelohnt, man hat viele Menschen erreicht und den ein oder anderen vielleicht auch glücklich gemacht.

Als ich vor ein paar Wochen den Facebook-Event für die, zusammen mit Post Collective organisierte Instagram Ausstellung #berlin, anlegte, die hier in der Blogfabrik stattfinden sollte, hatte ich mir keinerlei Gedanken dazu gemacht, ob das jetzt ein durchschlagender Erfolg sein wird oder nicht. Noch bevor ich dazu kam, den Veranstaltungstext hinzuzufügen, erfuhr ich von meinem Kollege Ferdinand, dass bereits ein paar hundert Leute zugesagt hätten. Er wollte wissen, wie das käme. „Keine Ahnung“, konnte ich nur entgegnen.

Binnen weniger Tage hatte der Event über 10 000 Zusagen und „Interessiert“-Angaben (am Ende waren es fast 14 000). Wir waren von diesem Erfolg so ziemlich überrascht. Dass wir uns ein gutes Thema mit Berlin als Motiv und den populärsten und talentiertesten Instagramern als Künstler gesucht hatten, war uns durchaus bewusst. Aber dass das jeglichen Erfolg und Zuspruch von allen meinen bisherigen Veranstaltungen, die ich in den letzten fünf Jahren organisiert habe, übersteigen würde, damit hatte ich keineswegs gerechnet.

#berlin Opening

Doch was macht man in so einem Fall? Sagt man das Ganze ab, weil man Angst hat, dass der Event überlaufen wird? So geschehen beim Spargelfestival in Beelitz, das weitaus mehr Zusagen (ca. 11 000 Zusagen/Vielleicht) als Kapazitäten hatte. Oder mietet man einen größeren Veranstaltungsort, um mehr Gäste unterzukriegen? Wie viele kommen denn am Ende überhaupt wirklich zum Event? So ganz zuverlässig ist diese Zahlenangabe bei Facebook ja nicht. Und warum hat ausgerechnet unser Event so viel Interesse geweckt und damit etablierte große Veranstaltungen wie Holy Shit Shopping (aktuell ca. 13 000 Interessierte/Zusagen) oder die letzte große Ausstellungseröffnung im C/O (zuletzt ca. 6 000 Interessierte/Zusagen) erreicht, ja sogar übertroffen?

Absagen war für uns keine Option und auch der Umzug in eine andere Location kam nicht infrage. Wir haben unsere Ausstellung also wie geplant durchgeführt und ein paar Sachen berücksichtigt: Zum Beispiel haben wir das offizielle Opening im kleinen Kreise gemacht und dieses nicht auf Facebook kommuniziert. In der Facebook-Veranstaltung haben wir uns auf die gesamte öffentliche Ausstellungszeit, die eine Woche andauerte, konzentriert. Aber auch hier war natürlich nicht garantiert, dass sich diese möglichen 10 000 und mehr Gäste auf natürliche Weise auf alle Tage verteilen würden. Besonders der erste öffentliche Tag machte uns etwas Sorgen. Und es war auch tatsächlich den kompletten ersten Tag sehr voll, aber nicht zu voll, es verteilte sich doch ziemlich gleichmäßig. Und auch die folgenden Ausstellungstage wurden nie zum Problem. Die Ausstellung war sehr gut besucht, aber der vermeintliche Einfall von Tausenden von Gästen auf einen Schlag trat zu unserer Erleichterung nie ein. Wäre es beim Spargelfest in Beelitz am Ende vielleicht doch ganz ok und ohne große Katastrophen gelaufen?

#berlin Opening

Nach einer Woche ging die Ausstellung ohne irgendwelche Zwischenfälle, aber dafür mit umso mehr positiven Reaktionen zu Ende. Das Interesse der Medien war außerordentlich groß, nicht zuletzt auch wegen dem Viral-Effekt des Facebook-Events. Wir Veranstalter, aber auch die einzelnen Instagramer hatten diverse Interviews und Fototermine, und es gab Berichte im Radio, Fernsehen, Zeitung und natürlich auf diversen digitalen Medien. Mit dabei Radio Fritz, der RBB, RTL2, die B.Z., Kaltblut Magazine, Dandy Diary und bento, das neue Jugendportal des Spiegels, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Doch warum hatten jetzt ausgerechnet wir das große Glück, bei Facebook so viral abzugehen? Viele andere Veranstalter in Berlin, sogar solche mit großer Reputation, quälen sich eher mit mageren Zusagen bei ihren Events. Man bekommt den Eindruck, dass Facebook-Events einen immer geringeren Stellenwert in der Promotion bekommen, weil immer weniger Menschen sie beachten.

#berlin Opening

Auch wenn wir die ultimative Antwort natürlich nicht erfahren werden, haben wir dennoch versucht, uns das irgendwie zu erklären:

Originalität vs. Trend

Das Thema Instagram ist nicht neu, man kann hier kaum von Originalität sprechen, aber es ist auf jeden Fall ein großes Trend-Thema, was in letzter Zeit viel in den Medien besprochen wurde. Am Ende des Tages war #berlin die größte unabhängige Instagram-Ausstellung, die es bisher in Deutschland gegeben hat, mit mehr als 25 der populärsten und talentiertesten lokalen Instagramer. Die Idee ist so einfach, liegt so nahe, dass andere sie vielleicht genau deswegen bisher nicht umgesetzt haben. Glück für uns!

Social Power

Natürlich hilft es, dass wir von iHeartBerlin bereits ein großes Following von annähernd 50 000 Facebook-Fans haben. Das ist ein guter Startpunkt, aber wie wir alle wissen, reicht so was alleine nicht aus. Ein Faktor, der für mich im Vorfeld nicht kalkulierbar war, am Ende aber einen unheimlich Effekt hatte, war die Social-Power der Instagramer selber. Diese haben zum Teil wahnsinnig hohe Follower-Zahlen von bis zu 600 000 auf Instagram. Das ist weitaus mehr als die meisten halbwegs bekannten Fotografen und Künstler in Berlin. Man kann zwar leider nach wie vor noch nicht von Instagram zu Facebook oder ins Web verlinken, weshalb sich eine Konversion von der Foto-App zum Facebook-Event nicht berechnen lässt. Aber dennoch haben die Ankündigungen der Instagramer hunderttausende Menschen erreicht, von denen sicher auch viele gekommen sind.

#berlin Opening

Innovativer Ausstellungsort

Die Wahl des Veranstaltungsortes war für mich schon immer Dreh und Angelpunkt meiner Events. In den meisten Fällen fing es damit sogar auch an. Bei #berlin war es auch so. Seit ein paar Monaten bin ich mit iHeartBerlin Teil der Blogfabrik, die neben den Büros auch einen großen Event- und Projektraum bietet. Ziel dieses Ortes ist es, ein Experimentierraum und auch ein Ort der Zusammenarbeit von Content Creators aus der digitalen Welt zu sein. Und genau das sollte auch #berlin werden: Ein Community-Event für Instagramer. Der Space war in den letzten Monaten viel in den Medien, sodass er bereits vielen ein Begriff. Und auch wenn es schon einige öffentliche Events hier gab, haben natürlich viele Leute den Space noch nicht live gesehen. Die #berlin Ausstellung bot sich da als perfekte Gelegenheit an, die Blogfabrik zu entdecken. Die vielen Gespräche, die ich auf der Ausstellung über den Space hatte, bestätigen das.

Facebooks neues Interessiert-Feature

Facebook hat vor einigen Wochen eine kleine Änderung für öffentliche Event-Ankündigungen eingeführt. Anstelle von Vielleicht kann man jetzt als alternativ einfach nur sein Interesse bekunden. Die Vielleicht-Angabe war bei Veranstaltern ziemlich unbeliebt, weil sie eine große Grauzone darstellte, von der man nie wusste, was man damit anfangen sollte. Die Interessiert-Angabe hat da einen positiveren Klang und wurde zudem auch noch in der Timeline geteilt, so dass sich allein darüber der Event rasend schnell verbreitet hatte. Das passiert nicht unbedingt bei jedem Facebook-Event und stellt somit natürlich keine zuverlässige Quelle von Zusagen dar, aber uns hat es dennoch ermöglicht, viele Menschen zu erreichen, die zum Beispiel iHeartBerlin und Post Collective vorher noch nicht kannten.

Am Ende hatte unser Facebook-Event einen ziemlich phänomenalen Reach von 1,3 Millionen. Das übersteigt jeden vorherigen Event, jeden Facebook-Post und Blog-Artikel, den wir jemals veröffentlicht haben.

Wir freuen uns riesig über diesen Erfolg, besonders für unsere Instagramer, deren tolle Arbeit somit auf wunderbare Weise honoriert wurde.