photo: phazed
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Jahrelang teilte Phazed seine erotischen Werke auf diversen Social-Media-Plattformen. Instagram, Tumblr und Facebook waren wichtige Medien für die Verbreitung seiner Kunst. Die Illustrationen und GIFs zeigen größtenteils sexuelle Erlebnisse im Drogenrausch. Den meisten Betrachtern war schnell klar, dass es sich nicht um pornografische Bildchen, sondern um Kunst handelt. Einige Nutzer fühlten sich aber offenbar von seinen Werken gestört und meldeten diese. Facebook kannte kein Erbarmen und scheinbar auch keine Kunst. Löschung und Zensur waren unumgänglich.

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Laut Facebook-AGB beginnt die verbotene explizite Sexualität bereits bei weiblichen Brustwarzen. Sogar stillende Mütter sind tabu. Instagram, seit 2012 in den Fittichen von Facebook, setzt dieselben Richtlinien durch. Auch Kunst-Rettungsaktionen wie #FreeTheNipples, unterstützt von Miley Cyrus, Rihanna & Co, konnten bisher keine Änderung der Unternehmenspolitik erzielen. Facebook bezieht sich in Begründungen der strikten Regel immer wieder auf die Wünsche seiner User, die mit der Meldefunktion auf – in ihrem Empfinden – anstößige Inhalte hinweisen können.

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Phazed hat sich mittlerweile mit der Facebook-Zensur arrangiert und bastelt fleißig Emoticons auf jeden Nippel und jede Poritze. Mit den zensierten Bildern postet er dann einen Link zu seiner Tumblr-Seite, wo die GIFs und Bilder in ihrer ganzen Fülle präsentiert werden. Tumblr erlaubt die sexuellen Inhalte und hat für Nutzer, die sich davon gestört fühlen, die NotSafeForWork-Kennzeichnung – ungeeignet für den Arbeitsplatz – von Blogs eingeführt. Das bietet Nutzern die Möglichkeit, explizite Seiten komplett auszublenden.

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Schlecht war der ganze Wirbel und die kurze Aufregung für den kanadischen Künstler jedoch nicht – ganz im Gegenteil: Insgesamt resultierte der Sperrungsskandal in einem enormen Follower-Anstieg und weltweitem Medieninteresse. Rätselhaft bleibt, warum das Teilen von Inhalten mit Krieg und Gewalt gestattet ist, während der menschliche Körper und Liebesakt streng zensiert werden. Facebook versteckt sich in seiner Erklärungsnot leider weiterhin hinter den Beanstandungen seiner Nutzer und sitzt natürlich auch am längeren Hebel. Das Posten von Oberkörperfreien Fotos von Frauen wird also auch weiterhin Unsitte bleiben – zumindest solang meldefreudige Menschen die Plattform nutzen. In Zukunft sollten wir also nicht nur über Facebook als Unternehmen, sondern auch über unsere Freunde nachdenken. Denn wenn etwas von einer privaten Seite gesperrt wird, so kann nur eine der vielen Online-Bekanntschaften gepetzt haben. Das ist Eher auf- als erregend.

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Text: Kate Kubel von iHeartBerlin

Alle Bilder von Phazed