Wie sieht Arbeit in hundert Jahren aus? Visionen einer gläsernen, durch Roboter gesteuerten Welt sind längst keine blanke Utopie mehr. Auch wenn Mercedes letzte Woche verkündet hat, Maschinen wieder durch Menschen zu ersetzten, so erledigen technische Maschinen bereits viele Arbeitsprozesse – schneller und präziser, als wir es je könnten.

Der traurig-schöne Kurzfilm The last job on earth, der für die britische Tageszeitung The Guardian vom Design-Studio Moth Collective produziert wurde, zeichnet das Bild eines veränderten Arbeitslebens. Die Protagonistin Alice wird mit einer realen Welt konfrontiert, die von Automechanismen und Algorithmen gesteuert wird. Die Machart der Films erinnert an das Computerspiel Another World, das 1991 veröffentlicht wurde und seitdem Kultstatus erlangt hat. Durch die Verbindung von Cineastik und Abenteuer-Action kreierten die Macher einen völlig neuen Stil, um bewegte Geschichten zu erzählen.

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Wie realistisch ist das Szenario einer Welt, die (fast) ohne ein Zutun des Menschen funktioniert? Im Abspann wird der Wissenschaftler und Herausgeber der Fachzeitschrift der Association for Computing Machinery, Moshe Vardi zitiert: “Maschinen könnten 50 Prozent der Jobs in den nächsten 30 Jahren übernehmen.“ Doch können Maschinen mit einer künstlichen Intelligenz einen kreativen Menschengeist voller Ideenreichtum je ersetzen?

Seit Beginn der Industrialisierung werden nach und nach manuelle und mühsame Arbeitsschritte automatisiert. Heinrich Heine schrieb nach dem Aufstand der schlesischen Weber von 1845 das Gedicht Die Weber, das von einem der ersten vorindustriellen Arbeiteraufstände handelt. Heute, fast zweihundert Jahre später, ist das Weber-Handwerk eine Rarität. Lediglich vereinzelte Manufakturen stellen Gewebe aus Garn noch per Hand her.

Auch Karl Marx und Friedrich Engels haben sich seinerzeit Gedanken über Zweck und Ideal von Arbeit gemacht. Unabhängig davon, wie unser Standpunkt zu den Gegenspielern Kommunismus und Kapitalismus ist: Wir brauchen die Arbeit als Aufgabe, die uns nicht nur Einkommen und Lebensstandard, sondern gleichzeitig auch psychische Stabilität und Kompetenzerleben sichert. Wenn wir uns dabei auch noch selbst verwirklichen könnten und einen positiven Einfluss auf das Leben anderer Menschen hätten: fantastisch!

Last job on earth ist ein Must-see, das mir als Zuschauer neuen Input liefert. Ich hatte danach den Gedanken von Cyborgs im Kopf und werde mich jetzt weiter in die Thematik dieser Maschine-Mensch-Wesen einlesen. Passend dazu höre ich mir nochmal den Audiopodcast Past creatures yet to come – a cyborg revue an. Ein Mitschnitt eines Vortrags von Rafael Dernbach und Stefan Greiner auf der vergangenen re:publica. Dernbach ist Journalist, Greiner Künstler, Aktivist und Mitbegründer des Vereins Cyborgs e.V.

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Lesenswert zum Film ist der zugehörige Guardian-Artikel „Automation may mean a post-work society but we shouldn’t be afraid“ von Paul Mason.


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