Es gibt sie, diese Accessoires, die für Instagram rauf und runter fotografiert werden: niedliche Kätzchen, flauschige Lammfelldecken über Designerstühlen, knallgelbe Regenjacken in vernebelten Wäldern oder an Seeufern und: den Hut. Ob im Cowboystil oder als Melone – der Hut ist aus Instagram-Feeds nicht mehr wegzudenken. Und auch ich bin diesem Accessoire, aus guten Gründen verfallen.

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Adieu, Bad Hair Day auf Instagram

Es gibt sie. Diese Tage, an denen die Haare einfach nur scheiße aussehen: Vorne sitzt der Pony nicht richtig, hinten macht der Wirbel, was er will, und sowieso ist an diesen Tagen Hopfen und Malz verloren. Nicht so, wenn man einen Hut hat: Der Pony kann in den Hut geschoben werden, der Wirbel ist gut versteckt und der Tag hat doch noch einen Sinn, man kann nämlich Fotos für Instagram von sich machen.

Der emotionale Wert

Ein Hut sagt manchmal mehr als tausend Worte. Vor allem wenn neben dem Strohhut noch eine Flasche Sonnencreme, eine Sonnenbrille und ein gutes Buch liegen. Sofort bekommt der Betrachter Urlaubsfeeling, selbst wenn das Foto schon vor der Reise in einem grauen und dunklen Berliner Innenhof aufgenommen worden wäre. Egal. So ein Sonnenhut hat einfach einen unglaublich emotionalen Wert. Deswegen lieben ihn auch so viele.

Ein schöner Hinterkopf kann auch entzücken

Es gibt kaum etwas Hässlicheres als einen deformierten Hinterkopf. Frauen mit langen Haaren können sich wenigstens noch einen Dutt machen, was einigermaßen gut aussieht. Aber wer likt schon ein Instagram-Foto mit einem zerzausten und wirbeligen Hinterkopf? Und manchmal kann man sich selbst nur von hinten fotografieren, denn …

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Bad Hair & Bad Face Day

… es gibt nicht nur Bad Hair Days, sondern alternativ oder oben drauf noch Bad Face Days, an denen man wie ein zerknautschte Bulldogge aussieht. Ja, #Frenchies sind auf auch Instagram in (Nadine berichtete darüber), aber nur als Hund und nicht als menschliches Geschöpf. Wenn ich versuche, ein schönes Portrait von mir zu machen, brauche ich mindestens zwanzig Fotos, um wenigstens eines zu finden, auf dem ich nicht total bescheuert aussehe. Doch wenn ich mich mit einem Hut von hinten fotografiere, tun es meist schon zwei Bilder. Ihr seht, so ein Hut macht das Leben einfacher – und das Fotografieren schneller.

Weil schon Caspar David Friedrich wusste, was mal trendy wird

Ich liebe Caspar David Friedrich und man kann nicht leugnen, dass ich versuche, ihn auf meinen Fotos nachzumachen. Eine Figur, die in einer mystisch-wunderschönen Landschaft steht und in die Ferne blickt. Friedrichs Personen haben auch oft Hüte auf, wie beispielsweise auf meinem Lieblingsbild Kreidefelsen auf Rügen. Und was man 1818 auf Gemälden gut fand, kann heute auf Instagram auch nicht verkehrt sein.

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Der Hut als Lebensretter

Man sollte auf Reisen nicht immer nur an Fotos denken, sondern auch an die eigene Gesundheit. Ich war in Australien, Namibia und Sri Lanka, an Orten, an denen ich ohne Sonnenhut binnen zehn Minuten am Hitzeschlag gestorben wäre. Ein Hut sieht also nicht nur auf Instagram gut aus, er tut auch seinem Träger Gutes.

Die Geschichten hinter dem Hut

Es gibt Fotos auf meinem Instagram-Account … ich muss mich jedes Mal totlachen, wenn ich sie sehe. Nicht weil sie besonders lustig sind, sondern weil es eine urkomische Geschichte zu manchen von ihnen gibt. Beispielsweise dieses Bild von den Malediven.

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Dieser Hut ist mir zwei Stunden vorher auf dem Weg zum Wasserbungalow vom Kopf geflogen. Mein Freund riss sich daraufhin die Kleider vom Leib und sprang ins Wasser, um den Hut zu retten. Ich habe mich totgelacht, habe ihn aber anschließend zum Helden des Tages erklärt. Denn wie wir bereits wissen: Der Hut hat einen emotionalen Wert! Auch für den Besitzer.

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Mein Reisemärchen würde also enden mit: Und wenn sie nicht gestorben ist, dann trägt sie ihren Hut noch heute; in den Bergen, am Meer, im Hotelzimmer, am Pool … auf dem Kopf bei Instagram.

Alle Bilder: Christine Neder