Für PAPERBOATS.me mache ich kaum klassische Werbung wie Banner oder Produkt-Testing. Die meisten meiner Aufträge sind kurze Advertorials oder Markenkooperationen im größeren Rahmen. Wir haben sie alle schon mal gesehen, aber nicht jedem von uns ist aufgefallen, dass es sich um Werbung handelt: Advertorials, ein Kofferwort aus advertisement und editorial. Gekonnte und stille Produktplatzierung, die nicht mit der Tür ins Leser-Haus fällt. Längere Zusammenarbeit mit den Kunden ist für mich aber immer erstrebenswerter, da diese Kooperationen einfach authentischer sind und so auch beim Leser besser ankommen. Leider bedeuten sie auch viel mehr Arbeit als ein schnell bezahlter Outfit-Post.

Eine meiner Lieblingsmarken ist adidas. Nicht nur, weil mir die Kollektionen gefallen, sondern auch weil die Zusammenarbeit seit langer Zeit super funktioniert. adidas lässt mir, besonders für eine Marke ihrer Größenordnung, erstaunlich viel kreativen Freiraum und bezahlt meine Leistung angemessen – was leider noch immer eine Seltenheit ist.

Aber wie funktionieren gelungene Kooperationen zwischen Marken und Blogs?

Meine letzte Produktion mit adidas war relativ prototypisch. Folgende Schritte haben adidas und PAPERBOATS.me für die Kooperation gemeinsam durchlaufen.

  1. Die Anfrage

In der ersten Mail erfahre ich, dass es einen neuen Sneaker für Mädels gibt, und werde gefragt, ob ich nicht Lust hätte, Bilder für das große Launch-Event in Berlin zu produzieren. Die Bilder sollen auch auf PAPERBOATS.me erscheinen. Mir wird ein Budget vorgeschlagen und eine Deadline genannt.

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  1. Das Konzept

Ich mache mir Gedanken zum Sneaker. Es muss nicht prinzipiell sportlich sein, wird mir gesagt. adidas wünscht sich etwas buntes, das zum Stil meines Blogs passt. Ich habe eine Reihe von Ideen, die ich schon immer mal umsetzten wollte.

Ich konkretisiere meine Ideen zu einem Konzept. Darin erkläre ich meine Gedanken hinter der Idee und die Kernaussage der Kampagne, zeige erste

Moods, schlage Models vor und äußere manchmal sogar schon meine Vorstellungen über Team und Location.

3. Kommunikation

Mein Konzept geht meistens nicht nur an adidas Deutschland, sondern auch an adidas global. Es muss also von x Stellen abgesegnet werden. Es kommt vor, dass hier und da Sachen verändert und markenkonform gemacht werden müssen, das geschieht aber nur in Absprache mit dem Kunden. Bis wir uns auf ein finales Konzept einigen können, geht manchmal einige Zeit ins Land.

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  1. Die Produktion

Bevor ein Shooting losgehen kann, muss noch einiges organisiert werden: Wir brauchen ein Team, Models, eine Location, die Samples der Kollektion und natürlich den besagten Sneaker, den Star der Kooperation. All das nimmt locker drei Tage in Anspruch bis wir endlich losknipsen können.

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  1. Letzte Änderungen

Nach dem Shooting landen die gelungensten Bilder in der Postproduktion, Nachbearbeitung und Retusche, und anschließend beim Kunden, also adidas. Manchmal muss ein Bild ausgetauscht, manchmal eins nachgeliefert werden. Sobald alles abgenommen wurde, der Kunde also sein Go gibt, werden das Veröffentlichungsdatum, die richtigen Verlinkungen und Hashtags vereinbart. Die Kooperation ist mit der vereinbarten Veröffentlichung dann meist beendet und man stellt nur noch die Rechnung.

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  1. Das Event

Bei der adidas-Kooperation wurden einige meiner Bilder gedruckt und auf dem Launch-Event ausgestellt. Die Ausstellung war bereits im recht großen Gesamtbudget enthalten. Denn auch wenn es nichts Schöneres gibt, als seine Bilder riesengroß an einer Wand bestaunen, sollte diese Leistung entlohnt werden. Nach der Veranstaltung durfte ich jene Rechnung stellen, die unsere erfolgreiche Kooperation beendete.

Meistens sind es diese Schritte, an denen man sich bei einer professionellen Kooperation mit einer Marke entlang hangelt. Möchte der Kunde zum Beispiel Text statt Bildern oder einen Eventbesuch, variieren die Punkte natürlich. Es kommt aber eh nicht darauf an wie lang die Kooperations-Reise ist, sondern wie sie besonders erfolgreich verläuft und das findet am besten jeder für sich selbst heraus.

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Bilder: Marlene Stahlhuth