Erfolgreiche Produkte und Services überlassen es nicht dem Zufall, wie Nutzer sie erleben und empfinden. Stattdessen wird das Nutzererleben gezielt modelliert: Das Produkt oder der Service soll leicht verständlich sein, Spaß machen oder den Nutzer zu einem bestimmten Verhalten motivieren. Diese Aufgabe wird als User Experience Design (UX Design) bezeichnet. In der Blogfabrik haben wir uns in einem Workshop damit beschäftigt, wie man UX-Methoden für erfolgreiche Blogs einsetzen kann.

Kunst oder Kunde: Was geht vor?

Beim User Experience Design werden meistens Anforderungen und Bedürfnisse von Nutzern untersucht, um sie in das Design einfließen zu lassen. Produkte kommen nämlich besonders gut an, wenn sie zu den Anforderungen der Nutzer wie der Schlüssel zum Schloss passen. Bei der Entwicklung von Gebrauchsgütern oder Software ist das deshalb ein zentrales Element. Ein Blog ist aber nicht dasselbe wie ein Staubsauger oder ein Kalkulationsprogramm. Die Artikel auf einem Blog sollen eigene Akzente setzen, beim Leser neue Interessen wecken, die Persönlichkeit des Autors widerspiegeln oder unterhalten.

Damit bewegen sich Blogger auf einem schmalen Grat, den sie sich mit anderen Berufen teilen, die der Kunst nahe stehen. Wie stark sollten die Erwartungen der Nutzer berücksichtigt werden? Und an welcher Stelle darf ein Blog auch unerwartet und kantig sein?

 

Das User Experience Design eines Blogs darf auch überraschen

 

Während die Inhalte eines Blogs gerne überraschen dürfen, sollte die Gestaltung klar und verständlich sein. Denn damit die eigene Botschaft ankommt, müssen die Informationen gut aufbereitet sein. Forschungen zum Fluency-Effect haben gezeigt, dass Leser die Informationen in Texten besser behalten und überzeugender beurteilen, wenn sie leicht verarbeitet werden können.

Zudem sind Blogs im Vergleich zu Printmedien einem besonderen Umstand ausgesetzt: Im Internet hat fast niemand Geduld, alles muss schnell gehen. Wenn der Funke nicht in den ersten Minuten überspringt, ist der Ofen aus. Ist die User Experience eines Blogs gut gestaltet, kann das die Zufriedenheit der Leser mit dem Blog erhöhen und so zu einer längeren Verweildauer führen. Wie kann also eine gute UX für einen Blog erreicht werden?

UX-Methoden für Blogger

Aus psychologischer Sicht gibt es einige Erkenntnisse, wie Blogs und Webseiten optimal gestaltet werden können. Im Workshop haben wir etwa über Seiten-Ladezeiten, den Einsatz von Whitespace, gutes Layout und die Platzierung von Calls-to-Action (CTA) gesprochen. Wichtig ist bei einem Blog ebenso, dass relevante Informationen einfach aufzufinden sind.

Mit einer Card-Sorting-Übung haben wir deshalb die Menüstruktur der Blogs analysiert. Die Blogger haben dazu die einzelnen Seiten ihrer Blogs auf Post-its gesammelt. Dann hat jeweils ein anderer Blogger versucht, die Zettel zu gruppieren und entsprechende Überkategorien zu finden. Im Plenum haben wir anschließend besprochen, ob die Sortierung mit der tatsächlichen Menüstruktur der Blogs übereinstimmt.

Auf diese Weise konnten wir einige Unklarheiten ausfindig machen, etwa wenn die Bedeutung einer Rubrik auf einem Blog nicht sofort verständlich war. Mit Blick auf die Ecken und Kanten eines Blogs muss ein solcher Befund jedoch nicht bedeuten, dass die Rubrik umbenannt werden sollte. Der Blogger sollte sich lediglich bewusst darüber sein, dass er hier ein kleines Rätsel aufwirft, das der Leser erst einmal lösen muss.

 

Card Sorting ist eine verbreitete Methode im User Experience Design

 

In einer anderen Übung haben wir uns damit beschäftigt, wie ein Blog auf die Bedürfnisse der verschiedenen Besucher ausgerichtet werden kann. Dazu hat jeder Blogger drei Personas von Besuchern erstellt. Besucher von Blogs sind nicht nur deren Leser, sondern auch Auftraggeber, potentielle Mitarbeiter oder Werbepartner. Zu jeder Persona wurde dabei festgehalten, über welchen Channel sie auf den Blog gelangt (z.B. Facebook, Suchmaschine, Newsletter, Mund-Propaganda) und welches Ziel die Persona als erstes auf dem Blog erreichen will (z.B. Themen des Blogs herausfinden, Blogger kontaktieren, Kooperationsmöglichkeiten anschauen).

Anschließend sollte ein anderer Blogger versuchen, genau diese Ziele auf dem entsprechenden Blog zu erreichen. Dabei haben wir die Think-Aloud-Methode angewendet: Beim Testen des Blogs werden die Gedanken und Eindrücke laut ausgesprochen. Dadurch werden Stellen deutlich, an denen Informationen versteckt sind, eine Überschrift fehlt oder ein Kontaktformular zu unübersichtlich ist. Solche Stolpersteine zu entfernen ist ein wichtiger Bestandteil von erfolgreichem User Experience Design.

Abgucken erlaubt

Wichtig war bei den praktischen Übungen der Austausch der Blogger untereinander. Die Blogfabrik ist ein Content-Creator-Kollektiv, in dem jeder bereits einen ganzen Rucksack mit nützlichen Erfahrungen in Bereichen wie Blogging oder Online-Marketing mitbringt. Im Workshop haben wir deshalb auch immer die Webseiten und Artikel der Blogfabrik angeschaut, die verschiedene Punkte bereits erfolgreich umsetzen.

Der Workshop war eine tolle Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen und darüber nachzudenken, wie die Blogfabrikanten ihre Arbeit den Lesern noch besser zugänglich machen können. Daher ein großes Danke an die Teilnehmer!

 

Austausch über das User Experience Design verschiedener Blogs

 

Du möchtest mehr zum Thema User Experience Design für Webseiten erfahren? Dieser Artikel des Smashing Magazine zählt viele wichtige Punkte auf und bietet einen guten Einstieg. Wenn dich die vielen englischen Bezeichnungen für Methoden im User Experience Design verwirren, kannst du dir mit diesem Artikel der Nielsen Norman Group einen Überblick verschaffen.

Fotos: Schall & Schnabel