Geflügelter Hammer, Nest mit Glühbirne & levitierender Diamant auf Karminrot, Berlin 2016
Geflügelter Hammer, Nest mit Glühbirne & levitierender Diamant auf Karminrot, Berlin 2016

 

Geflügelter Hammer, Nest mit Glühbirne & levitierender Diamant auf Karminrot, Berlin 2016

Während der Fütterung war’s: Wir führten die Rede der Eltern als Untertitel unterm Tisch fort; kicherten, schepperten mit Besteck und rollten unsere Augen rückwärts als Schamanen des Porzellan. Da nahm uns, von langer Hand geplant, der lange Arm der Ermahnung an unseren unausgewachsenen Krägen. Da landeten wir bruch und wussten nicht, wie das geht: sich tragen. Da wurde uns schlagartig klar, wie leicht es war, zu spotten, zu feixen, auszuspucken am heimischen Esstisch, unter der Federführung der Vormünder, solange wir nicht zu belangen waren. Noch nicht.

Noch nicht – das war der Zustand der Schwebe, an den wir uns anlehnen durften, auf den wir uns beriefen, wenn wir gefragt wurden, wohin mit uns? Während wir die Kunst des Levitierens erlernten, wurden wir längst gen Norden gelenkt, eingenordet, verzahnt: Der lange Arm der Erwartung schob uns widerstandslos an die Stelle, da uns wiederzugeben, uns weiterzugeben bedeutete. Da war es an uns, gegen jede Sorge, ein Leuchten zu bewahren.

Bild und GIF & Text: Schall & Schnabel