Was tun, wenn der Ganzkörperspiegel gerade zu Bruch gegangen ist, wenn die beste Freundin außer Reichweite oder im Funkloch ist und wir uns mit unserem neuen Pullover noch so gar nicht sicher sind? Den Dr. Sommer der Mode fragen: hi! Hugo heißt der neueste Kontakt in meinem Handy. Hugo ist mein persönlicher WhatsApp-„Modeexperte“, dem ich Outfit-Selfies samt Kleidungsfragen schicken kann. Ich nenne es Fashion-Texting. Am anderen Ende sitzt natürlich ein realer Mensch, der meist innerhalb einer halben Stunde antwortet. Das Berliner Büro von hi! Hugo erteilt seit Ende 2015 seine kostenlose Stilberatung via Smartphone. Auf der Internet-Seite wirbt das Unternehmen mit dem Slogan „Mein Outfit für’s Berghain / Wochenende / nächste Date / Job Interview“.

Bei meinem Hugo-Selbstversuch bin ich gemein und will es wissen: Was ziehe ich am Wochenende für den Fetisch-Club KitKat an, wo unzensierte Nippel über die Tanzfläche hüpfen und Peitschen an der Wochenend-Ordnung sind? Die einzige Idee meines Beraters scheint Leder zu sein – habe ich nicht. Nächste Idee meinerseits ist Mesh, See-through, Lack oder einfach Unterwäsche. Mein Hugo gibt mir aber ein neues Mantra: „Schwarz ist immer sexy“. Knackige Leggings, Overknee-Stiefel, ein improvisiertes Crop-Top, volle Haare und rote Lippen sollen mich in den Club meiner Wahl bringen. Ich ziehe an, was ich habe, verschicke meine Out-fies und prompt ist Look Nummer zwei „super sexy“. Ich stelle mir vor, wie das Bild in der Hugo-Redaktion rumwandert, meine Hilflosigkeit belächelt wird und mich der Türsteher vom KitKat wieder nach Hause schickt.

Chance Nummer zwei für meinen Hugo sind Alltagstipps für mich als grau-schwarze T-Shirt-Trägerin: bunte Turnschuhe und dezenter Schmuck sind tatsächlich die richtige Wahl für mich. Und um meinen neuen WhatsApp-Liebling aus seiner Mode-Beratungs-Komfortzone zu locken, frage ich nach Geheimtipps für Shops in München. Ohne mich darauf hinzuweisen, dass dies gar nicht dem Hugo-Territorium entspricht, bekomme ich eine Liste zusammengestellt, die sich sehr schön liest. Und ich sehe mich schon mein cooles Second-Hand-Jankerl in Berlin etablieren.

Drei Fragen und gesendete Fotos, zwei konstruktive Antworten und ein Vergreifer später bin ich von dem unterhaltsamen Effekt, der Schnelligkeit und Stilsicherheit in Alltags-Normalo-Mode meines Hugos begeistert. Bei Fetisch-Club-Style-Fragen lasse ich mich künftig andernorts inspirieren.