„Wow, das muss ja toll sein, für einen Reiseblog zu arbeiten und ständig unterwegs zu sein!“ Das ist ein Satz, den ich ziemlich oft höre. Ja, es ist wahnsinnig toll für Lilies Diary zu arbeiten und so die Welt zu bereisen, neue Kulturen kennenzulernen und mit (manchmal mehr, manchmal weniger) gebräunter Haut zurück nach Hause zu kommen. Man wird von Freunden und weniger bekannten Bekannten nach Urlaubstipps gefragt, beneidet, auf Partys von seinen Freunden stolz präsentiert und muss Geschichten der spannendsten Reisen zum Besten geben.

Heute möchte ich euch vier Gründe nennen, warum Pressereisen verdammt anstrengend sein können! Es kommt nicht selten vor, dass ich mich von ein paar Tagen „Urlaub“ Zuhause erstmal erholen muss.

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Grund 1: Der Zeitplan

Ich verzerre euer Bild vom Job eines Reisebloggers nur ungern, aber Pressereisen haben zu neunzig Prozent einen sehr straffen Zeitplan. Es kommt tatsächlich sehr selten vor, dass ich eingeladen werde und die nächsten Tage nicht von morgens bis nachts durchgeplant sind. Das bedeutet Schlafmangel und ständige Anspannung, denn in der Regel bin ich als Reiseblogger mindestens zehn Stunden am Stück mit meiner Reisegruppe unterwegs und muss währenddessen die ganze Zeit super aufnahmefähig sein.

Ein typischer Zeitplan sieht ein Frühstück um spätestens acht Uhr vor. Bereits um halb zehn folgt der erste Programmpunkt – ein ganz normales Prozedere. Wie sonst soll ich innerhalb von ein paar Tagen die tollsten Ecken und interessantesten Geschichten eines Ortes kennenlernen? So gehen die paar Tage ins Land, in denen es alle drei Stunden etwas Neues und Spannendes zu entdecken.

Grund 2: 3 in 1

Der Blog des Reisebloggers bringt es mit sich, dass er drei, wenn nicht gar mehr Jobs miteinander vereint. Denn: Was bringen euch die schönen Geschichten, wenn die traumhaften Bilder fehlen und ihr euch den Sandstrand nicht richtig vorstellen könnt? Und was ist ein Reiseblogger, der euch nicht auf Instagram, Twitter, Snapchat und Facebook auf dem Laufenden hält? In meinem Rucksack, den ich auf Pressereisen gewöhnlich mit mir herumschleppe, befinden sich stets auch meine Kamera, meine Ersatzkameras, Ersatzakkus für die Kameras, meine Kamera-Ladekabel, Handy, Tablet, Notizbuch und, und, und – von persönlichen Gegenständen, Geld, Reisepass etc. mal ganz abgesehen. Es reicht also nicht, sich für die schönen Landschaften und spannenden Geschichten zu interessieren. Alles muss dokumentiert werden; fotografisch, textlich und natürlich auf allen Social-Media-Kanälen.

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Grund 3: Die anderen Reisenden

Ich liebe es, neue Bekanntschaften zu machen. Es gehört für mich zum Reisen dazu. Auf Pressereisen habe ich schon die tollsten und interessantesten Leute kennengelernt. Allerdings kommt es ab und zu auch zu Auseinandersetzungen. Wie ich schon in meinem Artikel Warum heißt es auf Pressereisen: Blogger vs. Journalisten? erwähnt habe, gibt es manchmal ein sehr komisches Konkurrenzverhalten zwischen Bloggern und Journalisten. Ich musste mir schon Sätze wie „Ich finde einfach, dass der Journalismus mit dem Internet vor die Hunde geht. Es wird überhaupt nicht mehr recherchiert und inhaltlich kommt kaum noch was rum.“ anhören. Das ist altbacken, nervig und muss einfach nicht sein. Zum Glück sind mir diese solche Menschen größtenteils erspart geblieben.

Grund 4: Liegengebliebenes und Nachbereitung

Zu jedem guten Reisebericht gehört, na klar, die detaillierte Nachbereitung. Es müssen Fotos um Fotos durchgeschaut, ausgesucht und bearbeitet werden, die „soziale Welt“ möchte mit den tollsten Schnappschüssen versorgt und natürlich muss auch der Reisebericht geschrieben werden. Dafür mache ich oft eine nachträgliche Recherche, gehe meine Notizen durch, schreibe eventuell besuchte Einrichtungen oder interessante Menschen an. Das sind nochmal Stunden, in denen ich vor Photoshop abhänge, Die drei ??? höre und dabei tippe, was das Zeug hält. Sobald alles online ist, gilt es, die PR-Agenturen zu kontaktieren, ihnen den Link zum Artikel zu schicken, eventuelle Änderungen vorzunehmen und den Beitrag schließlich zu veröffentlichen. Und das sind nur die Dinge, die zur Nachbereitung gehören. Alles andere, was ich während der Reise nicht erledigen konnte, muss natürlich auch zeitnah abgearbeitet werden.

Ja, ja, ich weiß, es sind Luxussorgen, die ich hier beklage. Auch wenn das Leben als Reiseblogger manchmal anstrengen ist, möchte ich es auf keinen Fall missen. Es sind nur diese vier Gründe, die eine Pressereise anstrengend machen, aber die Liste mit den tollen Dingen, die Pressereisen mit sich bringen, die ist tausend Mal länger. Ich bitte nur um ein wenig Verständnis, wenn ich das nächste Mal müde aus dem Flugzeug steige und nicht in die nächste Bar, sondern aufs Sofa zu meinem Kerl stolpere, weil ich zwar bereichert mit tollen neuen Erlebnissen und Geschichten, aber leider auch am Ende meiner Kräfte bin.

Text: Pia Winter
Bilder: Lilies Diary