Nach dem Studium warf ich mich mit voller Wucht ins Agenturleben. Überstunden? „Ja, hier, ich!“ Arbeiten am Wochenende? „Aber gerne doch!“ Ich war mittendrin statt nur dabei und gab alles für den Job. Nach nicht einmal einem Jahr im Berufsleben suchte ich Sinn und Substanz in meinem Tun und wollte mich nicht länger nur in meiner sehr rar gewordenen Freizeit mit den Dingen beschäftigen, die mir am Herzen lagen.

Ich erinnerte mich an meine Kindheit: Aufgewachsen am Bodensee, ständig draußen am Wasser und mitten in der Natur. Genau die lag meinem Vater auch besonders am Herzen. Er engagierte sich auch ehrenamtlich für ihren Schutz. Noch bevor ich einen Dreisatz lösen konnte, wusste ich, dass große Teile des Regenwalds für die Rinderhaltung abgeholzt werden. Das hatte mir als Kind unzählige schlaflose Nächte bereitet und hatte zur Folge, dass ich schon früh aufgehörte, Fleisch zu essen.

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So lebte ich ziemlich lang und zufrieden als Vegetarierin. Bis mich meine Berufslebenskrise einholte. Zu dieser Zeit kam gerade der sog. LOHAS, Lifestyle of Health and Sustainability, bei uns an. Das Buch Green is the new black von Tamsin Blanchard war für mich eine Offenbarung: Nachhaltigkeit ging jetzt auch in cool. Öko war gestern, nun wollten alle LOHAS-Anhänger sein. Auf den Punkt brachte es der Trendforscher Peter Wippermann: „Man will Gutes tun und dabei sexy aussehen.“

Kurz danach las ich zufällig ein Buch von Rory Freedman und Kim Barnouin über Veganismus. Hinter dem reißerischen Titel Skinny bitch verbarg sich ein klug geschriebenes Manifest für vegane Ernährungsweise. Ausführlich wurden dort die katastrophalen Auswirkungen des Konsums von tierischen Produkten auf die Umwelt beschrieben. Viel Überzeugungsarbeit musste bei mir aber gar nicht geleistet werden, denn ich hatte schon beim Lesen verstanden: Eine vegane Lebensweise macht aus vielen Gründen Sinn: für die Umwelt und das Klima, für die eigene Gesundheit und nicht zuletzt aus der Sicht der Ethik und der Tierrechte.

Gleich der nächste Lebensmitteleinkauf im Bioladen war vegan – und ist es seitdem geblieben. Zuvor hatte ich mich vorsichtshalber versichert, dass es auch vegane Schokolade gibt (damals wusste ich noch nicht, dass dunkle Schokolade sowieso meist vegan ist). Wie bei so vielen fing auch bei mir die Umstellung zunächst in der eigenen Küche an. Schnell fragte ich mich aber, wo ich auch außerhalb meiner Wohnung gutes und veganes Essen herbekomme. In meinem Freundeskreis war ich für die Restauranttipps zuständig und so fing ich auch diesmal an zu recherchieren. Das war 2008 in München und zu einer Zeit, in der ich täglich einige Male erklären musste, was „vegan“ bedeutet.

Nach der Küche fand der Veganismus bei mir auch schnell den Weg ins Badezimmer und in den Kleiderschrank. Mit dem Ausschluss von tierischen Fasern und Inhaltsstoffen schuf ich mir eine neue Herausforderung. Denn vegane Mode und Kosmetik waren nur vereinzelt in den Läden angekommen. Die Auswahl an veganen Produkten und Klamotten war klein, weshalb mein erklärtes Ziel wurde, die schönsten und besten Dinge zu finden.

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Und wieder recherchierte ich. Ich wollte wegen meines neuen Lebensstils nicht verzichten, sondern weiterhin schöne Restaurants und Cafés besuchen, gutes Essen genießen, roten Lippenstift benutzen und coole Schuhe tragen. Vegan, eco, fair und nachhaltig sollten sie sein. Zahlreiche vegane Food-Blogs gab es damals schon, doch ein Medium rund um veganen Lifestyle fehlte. Deshalb gründete ich 2010 Veggie Love und schrieb über die Themen, die ich selbst lesen wollte: Mode, Kosmetik und Gastronomie.

Sehr vieles hat sich seit meinen Anfängen mit Veggie Love geändert. Content Creator ist ein ernstzunehmender Beruf geworden und auch am Veganismus kommt man kaum noch vorbei. „Vegan“ liest man im Supermarkt, auf Kosmetikverpackungen oder auf Bekleidungsetiketten, und fast jedes Medium hat sich schon ausführlich damit beschäftigt.

Was mich motiviert? Mein Anliegen zu inspirieren und zu zeigen, dass eine Lebensweise, die andere sicherlich mit Verzicht verbinden, cool ist und keine Entbehrung bedeutet. Veganismus, Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen sind schwere und ernste Themen, ihnen verpasse ich gerne mehr Leichtigkeit. Schöne Dinge zu zeigen ist meine Form von Aktivismus und mein Beitrag, nicht nur das Internet, sondern auch die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Fotos: Grit Siwonia für Veggie Love