Wie heißt es so schön: „Wer suchet, der_die findet.“ Was einem aber niemand sagt: „Wenn du was gefunden hast, kannste eigentlich gleich weitersuchen.“ Aber alles der Reihe nach.

Ich hab mal was mit Medien studiert. In Wien. Nicht, weil ich Wien so toll fand, sondern weil ich in der Schule nicht unbedingt die hellste Birne im Kabinett war und man in Österreich selbst dann ein Hochschulstudium starten darf. Der freie Zugang zur Universität und die Sachertorte sind wohl die coolsten Dinge, die Österreich zu bieten hat. Und Sissy natürlich. Und Kommissar Rex. Und den sexy Boss von Kommissar Rex. Das war´s dann aber auch.

Neben meinem medienwissenschaftlichen Studium entschied ich mich Gender Studies zu studieren und mir war schnell klar: Ich will irgendwas mit Medien und Gender machen. Rückblickend hat das ziemlich gut gekappt. Immerhin…

Seit 2015 produziere ich die Videokolumne Tariks Genderkrise, die in kurzen Clips Gender-Themen beleuchtet und sich dabei nicht nur an Menschen richtet, die sich „Genderlove“ auf den Oberarm tätowiert haben, sondern besonders auch an jene, die Gender und Feminismus super ätzend finden. Gefördert wurde der ganze Spaß ein halbes Jahr lang von der „Film- und Medienstiftung NRW“ sowie der „European Web Video Academy“. Damals dachte ich: „Wow, die Welt hat nur auf mich und mein Projekt gewartet.“, „Der Grimme-Online-Preis ist mein“ und „Bald sitze ich neben Barbara Schöneberger und schnacke mit ihr über meine Kindheit im Ruhrgebiet.“ Natürlich kam alles ganz anders.

Auf meinem YouTube-Kanal versuchte ich mich mit Boys die Computerspielen und Girls, die sich schminken, zu messen. Sehr vereinfacht und extrem oberflächlich zusammengefasst. Das Ganze hat natürlich, wenn man sich meine Klickzahlen anschaut so semigut funktioniert. Und Klickzahlen sind der heiße Scheiß auf YouTube. Die Formel für einen erfolgreichen Channel lautet nämlich: Klickzahlen + Klickzahlen – Inhalt + Klickzahlen * totaaaaaal authentisch vor der Kamera posieren = Dollarzeichen auf dem Konto aka „alle wollen mit dir zusammen arbeiten“. Und was mach ich? Ich pisse der BILD-Zeitung ans Bein und setze mich gegen Sexismus ein. Schön blöd!

Der_die ein oder andere mag jetzt denken: Wie kommt man denn überhaupt auf die Schnapsidee, auf YouTube einen auf Gender zu machen? Zwei Antworten, nur eine stimmt. Antwort 1: Gerade, weil YouTube so voller sexistischer und rassistischer Kackscheiße  ist, ist es meine Plicht, als genderbewusster Bürger mit Sternchen auf diese untragbaren Zustände aufmerksam zu machen und den Laden von innen als revolutionärer Aktivist aufzuräumen. Antwort 2: Habe mich mit dem Projekt beim Fernsehen beworben, kein Schwanz und keine Möse (#gendergerechtesprache) hats interessiert und ich dann so: „Hey, auf diesem YouTube kann man doch ganz easy-peasy und voll unabhängig Content machen. Wer braucht da noch das Fernsehen?“ Welche Antwort stimmt, müsst ihr selber herausfinden. Ein kleiner Tipp: Ob nun YouTube und Feminismus zusammen passen, ist mir ziemlich schnuppe. Was rechts und links neben mir so gepostet wurde, hat mir zwar oft nicht gefallen, aber das musste es ja auch nicht. Es wollte halt niemand ran an die Gender-Wurst. Jetzt ist es raus. Und YouTube ist es so ziemlich egal, was da so veröffentlicht wird. Klingt nach Revolution, kann aber auch einfach Gleichgültigkeit sein.

Und jetzt bitte eine Runde Mitleid: Denn meine bisher geschilderte „Karriere“, wenn man das denn so nennen möchte, war ja nun wirklich kein Zuckerschlecken von Ponyhof weit und breit keine Spur. Nach dem halbjährigen Förderprogramm wurde der Genderkrise nämlich das Gender-Licht ausgeknipst. Ohne Moos nichts los, hieß es dann plötzlich, da ich ja bewusst auf die altbewerte YouTube-Ästhetik – Sofa, wahlweise Bett, Stativ und Selber-Schneiden – verzichtet habe. Ich dachte es wäre ne dufte Idee bei der Produktion so richtig auf die Kacke zu hauen. Kameramann, Cutter, Illustratorin und ein Büro mit Blick auf den Kölner Dom waren die eher günstigen Ausgaben. Bis heute stehe ich zu meinen Kosten, bis auf den Domblick vielleicht, aber mögliche Kooperationspartner_innen sehen das ein bissel anders. Denn wer will schon ein Projekt finanzieren, das lediglich mit einem maximal charmanten Host auffahren kann, aber keine Klickzahlen generiert und dann auch noch Geld kostet? Im Internet gibt es ja schließlich alles umsonst.

Eine Kooperation gab es dann doch (hallelujah!) und ich war mir sicher: Die Krise mit meiner Genderkrise sei überstanden. Nachts träumte ich wieder vom Grimme-Online-Preis und Barbara Schöneberger, in der Nicht-Alptraum-Version und die Welt hätte feiner nicht sein können. Dummerweise wurde die Zusammenarbeit nach einem Monat wieder beendet: Düdüdummm…

Über die Gründe fürs Schlussmachen werde ich erst in meinen Memoiren öffentlich und ausführlich sprechen. Die offizielle und eigentlich auch wahre Pressemeldung lautet: „ Die beiden Parteien haben sich einvernehmlich getrennt und wünschen sich für die Zukunft nur das Beste und ein lactosefreies Milcheis mit bunten Streuseln.“

Gott sei Dank hat die Genderkrise, die ja in den deutschen Feuilletons gern auch mal als „Wanderhure der Web-Projekte“ betitelt wurde, einen neuen Pimp gefunden. Anfang des Jahres bin ich von Köln nach Berlin gezogen und nun stolzes Mitglied der Blogfabrik-Familie. Ob die Suche nun ein Ende hat?  Ich glaube nicht, aber in den heiligen und unfassbar stylischen Hallen der Blogfabrik lässt es sich ziemlich fancy weitersuchen. Und irgendwie heißt ja „finden“ auch „fertig sein“ und Tariks Genderkrise  ist noch lange nicht fertig, auch nicht mit YouTube und mit dir, liebes Fernsehen schon mal gar nicht. Düdüdum!