Menschen, die gekrümmt vor flimmernden Bildschirmen sitzen und auf kleinen Tasten herumtippen: Das ist in vielen Büros der Alltag. Der Computer ist schon vor langer Zeit zum wichtigsten Arbeitsmittel aufgestiegen. Die eigentliche Tätigkeit spielt dabei fast keine Rolle. Von A wie Account-Manager bis Z wie Zeitungsjournalist drängt sich der Büromensch vor der Mattscheibe.

Um einen Computer zu bedienen, bewegen wir hauptsächlich unsere Augen und Finger. Der restliche Körper verharrt oft regungslos in medizinisch bedenklichen Posen. Dieser eingeschränkte Körpereinsatz entspricht nicht der menschlichen Natur, wie sicher viele aus ihrer persönlichen Erfahrung bestätigen können. Somit schränken wir unser Denken und unsere Kreativität unnötig ein. Seit einigen Jahren zeigen das nun auch zahlreiche psychologische Untersuchungen.

Der Körper denkt mit

Nach der Einschätzung vieler Forscher findet menschliches Denken nicht nur im Kopf, sondern im gesamten Körper statt. Diese These wird in der Psychologie als Embodiment bezeichnet.

Wenn wir zum Beispiel einen Menschen kennenlernen, merken wir uns nicht nur abstrakte und sprachliche Informationen wie zum Beispiel seinen Namen. Wir speichern auch ab, in welchem Zustand sich unser Körper in dem Moment befindet, in dem wir die Person treffen: Zum Beispiel unsere Emotionen, unsere Körperhaltung oder wahrgenommene Düfte und Pheromone.

Erinnern wir uns zu einem späteren Zeitpunkt an die Person, können wir nicht nur den Namen, sondern unser gesamtes körperliches Empfinden abrufen. Wir aktivieren dazu den gespeicherten Körperzustand und versetzen unseren Körper in die Lage, in der wir den Menschen kennen gelernt haben. So ähnlich können wir uns nicht nur an den Namen des Strands erinnern, an dem wir letzten Sommer Urlaub gemacht haben. Wir können uns auch förmlich vorstellen wie es war, dort zu liegen, der Brandung zu lauschen und die salzige Meeresluft zu riechen.

Auf der anderen Seite kann unser Körper auch unser Denken beeinflussen. In einer Studie hat sich zum Beispiel gezeigt: Wenn Menschen mit dem Kopf nicken, während sie einer Aussage zuhören, stimmen sie der Aussage später mit größerer Wahrscheinlichkeit zu. Schütteln sie währenddessen aber den Kopf, lehnen sie die Aussage später eher ab. Welche Rolle unsere Körperhaltung auf unsere Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung durch andere spielt, kann man außerdem in zahlreichen Büchern zu Körperrhetorik nachlesen.

Nach Industrialisierung kommt Virtualisierung

Mit der Industrialisierung wurden viele Arbeitsprozesse durch Maschinen ersetzt oder unterstützt. Inzwischen hat sich eine weitere gesellschaftliche Veränderung vollzogen: die Virtualisierung. Ein Stück weit wurden wir nämlich von der Wirklichkeit getrennt.

Spiegel Online beschrieb 2012 wie virtuelle Elemente wie Zeit und Geld schon immer unsere Gesellschaft bestimmt haben. Zweifelsohne hat das Ausmaß durch Personal Computer, Internet und Smartphones aber ganz erheblich zugenommen.

Ein Beispiel: Vor der Industrialisierung mussten wir zu einer anderen Person zu Fuß laufen oder vielleicht auf einem Pferd reiten, um mit ihr zu sprechen. Wir haben die Distanz also ganz direkt erlebt. Maschinen haben es dann möglich gemacht, sich auf einen Sitz in einem Zug oder Flugzeug zu setzen. Statt durch körperliche Anstrengung haben wir die Distanz nur noch als ein Verstreichen von Zeit wahrgenommen.

Seit einigen Jahren erst ist es nicht nur technisch möglich, sondern auch erschwinglich, Menschen überall auf der Welt mit Bild und Ton anzurufen. Freundschaften, die sich um die Welt spannen, werden dadurch erst wirklich möglich. Gleichzeitig verändert sich aber auch unser Empfinden für Distanzen. Unsere Wertschätzung für den Ort, an dem wir uns befinden, scheint zu sinken. Wir sitzen an der Bushaltestelle und schauen uns Fotos auf Instagram an, anstatt die vorbeifahrenden Menschen zu beobachten. Wir sind auf einer Party und chatten mit Freunden auf einer anderen Feier, anstatt mit den Leuten vor Ort zu reden.

Ebenso löst sich auch unser Arbeitsalltag in der digitalen Welt auf. Die Ergebnisse unserer Arbeit liegen selten mehr auf einem Tisch oder in einem Regal, sondern schwirren irgendwo im luftleeren Raum. Der Bezug zur eigenen Arbeit geht dadurch verloren und kreative Ideen werden erschwert.

Ideen zum Anfassen

Auf den Computer können viele von uns als Arbeitsmittel nicht verzichten. Es gibt jedoch Möglichkeiten, wie wir unsere alltägliche Arbeit ein kleines bisschen weniger virtuell machen können. Indem wir unseren Körper an der Arbeit teilhaben lassen, geben wir unserer Kreativität den Input, den sie braucht.

Lego-Steine liegen vor einem Notebook
Mit Lego-Steinen lassen sich Ideen plastisch darstellen

Wenn du in einem Brainstorming bist oder an einem Meeting teilnimmst, nimm ein Blatt zur Hand und halte jede Idee durch eine Skizze fest. Mit dem Computer ist es viel schwieriger, frühe Ideen zu notieren, die sich häufig noch gar nicht in Worte fassen lassen. Außerdem können die anderen Gruppenmitglieder meistens nicht sehen, was eine andere Person aufschreibt. Zettel lassen sich herumschieben, aufhängen und mit weiteren Anmerkungen versehen. So können die Ideen weiterentwickelt und vertieft werden.

Ein Mann faltet ein großes Stück Stoff auf einem Tisch
Handarbeit wird in modernen Büros häufig vernachlässigt

Für kreative Aufgaben kann es außerdem besser sein, etwas mit den Händen auszuprobieren, als sich den Mund fusselig zu reden und abstrakte Konzepte zu wälzen. Damit nicht Servietten und Bierdeckel für kreative Geistesblitze herhalten müssen, können Bastelsachen, Bauklötzchen oder Lego-Steine eingesetzt werden. Damit könnte beispielsweise ein Service-Konzept für Kunden entwickelt werden: Der Ablauf, nach dem ein Kunde ein Produkt kauft, kann mit Spielsteinen als ein Weg dargestellt werden, auf dem Stolperfallen oder Schätze versteckt sind. Lego-Menschen könnten die Service-Helden sein, die den Kunden an der richtigen Stelle weiterhelfen.

Am besten sollte es im Büro auch einen gut sichtbaren Bereich geben, wo aktuelle Arbeiten abgelegt oder aufgehängt werden. Das Projekt ist auf diese Weise immer präsent. Vielleicht kommt jemandem in der nächsten Kaffeepause ein guter Einfall, der das Projekt ein Stück weiter bringt.

Salami-Taktik für Kreativität

Friedrich Nietzsche hat einmal gesagt: „Traue keinem Gedanken, der im Sitzen kommt!“ Wie Recht er damit hatte. Gute Gedanken kommen oftmals nicht am Schreibtisch, sondern abends auf der Couch, beim Mittagessen oder eben beim Spazierengehen. Kreative Arbeit kann nicht in einem Ruck entstehen. Warte mit großen Aufgaben daher nach Möglichkeit nicht bis auf den letzten Drücker. Dann bleibt zwischen den einzelnen Etappen Zeit, um im Geiste Nietzsches einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Es ist erstaunlich, wie viele neue Ideen zur eigenen Arbeit aufkommen, wenn man sie für eine Weile nicht angefasst hat.

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Spazieren gehen auch in den Arbeitszeiten, hilft für einen klaren Kopf!

Damit dieser Trick mit der Freizeit funktioniert, muss die Arbeit aber auch ausreichend von der Freizeit abgegrenzt sein. Mobile Technologien ermöglichen uns extrem flexible Arbeitsbedingungen. Doch nur wenn es klar definierte Orte oder Zeiten gibt, an denen du abschalten kannst, hast du die Möglichkeit, am nächsten Tag wieder alles zu geben.

Überleg dir deshalb geregelte Arbeitszeiten und -orte und mach auch klar, wann das Notebook aus und das E-Mail-Postfach zu bleibt. Es mag antiquiert klingen, aber ein genügend großer Arbeitsplatz, ein bequemer Stuhl, gute Beleuchtung und eine ruhige Umgebung sind die Mindestvoraussetzungen, um gute Arbeit zu leisten. Co-Working-Spaces können zum Beispiel eine wunderbare Alternative zum Café um die Ecke sein, in dem Menschen mit Kuchengabeln klappern und mit ihren Gesprächen deine Konzentration auf die Probe stellen.

Es wird Zeit, der neusten Technik wieder mehr körperliche Aktivität entgegenzusetzen. Vor allem Gruppenarbeit und kreative Arbeitsabschnitte bieten dafür eine hervorragende Gelegenheit. Hast du andere Methoden kennen gelernt, um im Büro praktisch zu arbeiten? Schreibe einen Kommentar und teile deine Erfahrungen mit uns und anderen Lesern!