Vegan ist in – das sagen die Medien, das zeigt das steigende Angebot von veganen Lebensmitteln in Supermärkten und das sieht man auch auf Instagram. Denn dort findet man fast fünfundzwanzig Millionen Beiträge, die mit dem Hashtag #vegan versehen wurden. Laut Hashtags.org wird #vegan auf Twitter stündlich sogar bis zu tausendmal benutzt.

Ich muss zugeben: Sehr lange fand ich Hashtags albern und im Besonderen den Gebrauch von #vegan für mich als vegane Bloggerin überflüssig. Ich wollte unter keinen Umständen eine von den Veganerinnen sein, die ihre Lebensweise mit jedem Bild auf Instagram zur Schau stellen. Mit dieser Einstellung fand ich mich vornehm zurückhaltend und zog heimlich die Augenbrauen hoch, wenn ich unter dem Bild eines Stücks Kuchen rund zwanzig Hashtags sah, die seine vegane Echtheit bestätigen sollten. Im Gegenzug belächelten mich meine bloggenden Freunde und Kollegen und ließen mich regelmäßig wissen, dass meine Anti-Haltung ein wenig übertrieben sei.

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Als Instagram die Änderung seines Algorithmus ankündigte, fing ich an, meine Einstellung zu überdenken und mich näher mit meiner immer mal wieder stagnierenden Online-Reichweite zu beschäftigen. Auch andere Content Creators fragte ich um Rat. Deren einhellige Meinung: Benutz endlich Hashtags! Ganz so schnell wollte ich meine Prinzipien aber nicht über Bord werfen, lieber beobachte ich erst mal genau, was sich auf anderen Accounts abspielte. Dabei sind mir besonders diese drei Einsatzmöglichkeiten von #vegan aufgefallen:

Viel hilft viel

Auf eine Zeile Bildunterschrift folgen zehn Zeilen Hashtags. Mangelnder Enthusiasmus für die vegane Lebensweise kann hier definitiv niemandem vorgeworfen werden. Gut zu wissen: Wo #vegan steht, sind die folgenden Hashtags meist auch nicht weit: #whatveganseat, #veganfood, #vegansofig, #whatveganswear, #veganfoodshare, #veganlife, #veganfoodporn, #veganeats, #veganlifestyle, #veganpower, #veganbeauty, #veganfoodie, #veganforlife, #veganfoodlovers, #veganblogger, #govegan, #bestofvegan und #veganinspiration.

Out of context

In letzter Zeit entdecke ich #vegan immer wieder auf Instagram-Accounts und unter Bildern, die mit Veganismus rein gar nichts zu tun haben. Anfänglich war ich über den fehlenden Kontext irritiert, doch dann kam ich drauf: Er wurde dort strategisch für das Generieren von Reichweite platziert; welch faszinierende Anwendung eines Wortes, das doch bei vielen immer noch Angst vor Verzicht hervorruft.

Das ironische Statement

Viele Veganer kennen das: Man äußert sich (öffentlich) zu seiner (neuen) Lebensweise und eine andere Person kommentiert dies mit dem Verweis auf das Schnitzel oder Steak, das sie gleich verzehren möchte. Eine Weiterentwicklung davon fand ich auf Instagram: Teller mit Bergen von Fleisch, einfach mal mit #vegan vertaggt.

Mit diesen Beobachtungen geriet mein Widerstand ins Wanken. „So schwer kann ein sinnvoller Einsatz von Hashtags doch nicht sein“, dachte ich mir und mein Ehrgeiz war geweckt. Es sollte nicht lange dauern, bis ich jedem meiner Bilder die passenden Hashtags verpasste und sich damit auch meine Online-Reichweite wieder erhöhte.

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Heute verwende ich Hashtags regelmäßig und sogar gerne. Meine persönlichen Regeln für eine wirkungsvolle Anwendung stelle ich deshalb hier vor:

1. Die passenden Hashtags finden

Hier greift vor allem eine altbewährte Methode aus Schulzeiten: einfach mal beim Nachbarn spicken. Welche Hashtags benutzen Accounts, die man gut findet? Passen die auch für meine Inhalte? Falls ja: benutzen!

Eine passende App hilft zudem bei der Suche: Tag O’ Matic identifiziert Hashtags für Instagram, die in Verbindung mit bestimmten Themen häufig genutzt werden. Diese lassen sich sogar aus der App direkt in den Instagram-Post kopieren. Ein Kinderspiel!

Auch Instagram selbst ist hilfreich beim Finden geeigneter Hashtags: Bei der Eingabe von # in Verbindung mit dem gewünschten Wort wird angezeigt, wie oft der Hashtag schon benutzt wurde. Immer ein gutes Zeichen: wenn dieser schon tausendfach eingesetzt wurde.

Ein kleiner Hinweis: Das klappt nur direkt in der Suchfunktion und bei der Eingabe von Hashtags im Textfeld.

2. In den richtigen Kontext setzen

Was mich bei anderen nervt, will ich weder mir selbst noch meinen Followern antun. Deshalb: Passen die Hashtags auch wirklich zum Bild? Der Idealfall und das Ziel: noch mehr Kontext um das Foto herum kreieren. Zum Beispiel: Ein T-Shirt aus fair gehandelter Bio-Baumwolle ist nicht nur #vegan, sondern auch #organic, #fairtrade und #sustainablefashion.

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3. Das richtige Maß

Komplimente kann man ruhig verschwenderisch verteilen, Hashtags lieber sparsam und dafür wirkungsvoll einsetzen. Eine Regel für die richtige Anzahl gibt es natürlich nicht. Zehn Stück reichen meist völlig aus und stehlen dem Bild nicht die Show

4. Leserlichkeit

Hashtags gehören unter die Bildbeschreibung. Nichts macht Texte unleserlicher (und unerträglicher) als darin auftauchende Hashtags. Noch schlimmer: wenn Wörter sinnlos vertaggt werden. Kurzum: Unter dem eigentlichen Text machen sie sich besser. Was auch noch geht und sogar ein wenig eleganter ist: Hashtags im ersten Kommentar.

5. Humor bewahren

Wie bei so vielem im Leben gilt auch hier: alles nicht allzu ernst nehmen. Auch nicht Hashtags.

Und nun also: Hashtags gut, alles gut? Ein Allheilmittel für Online-Reichweite oder gar der Weg zu einem besserem veganen Leben sind sie natürlich nicht. Dennoch bin ich froh, meine Abwehrhaltung abgelegt zu und Hashtags eine Chance gegeben zu haben. Denn: #ifyoucantbeatthemjointhem.

Bilder: Eileen Huhn von Schall & Schnabel