Vor fünf Jahren erblickte mein Foodblog OH, SOPHIA das Licht der Welt.

Seit drei Jahren kann ich von dem, was daraus entstanden ist, leben. Ich veranstalte Dinner und Kochkurse, entwickle Rezepte für Firmen und Magazine, schreibe Kochbücher und betreibe einen YouTube-Channel.

Vor ein paar Wochen war ich als Speaker auf der ABC star Bloggerkonferenz im österreichischen Linz eingeladen. Für meinen Vortrag dort habe ich meine persönlichen vollkommen subjektiven Weisheiten zum Thema Foodbloggen zusammengefasst.

1. Authentizität

Immer wieder werde ich gefragt, ob ich auch vegan lebe oder „einfach nur vegan koche“. Diese Frage erscheint mir total verrückt, da es für mich keinerlei Sinn machen würde, etwas zu propagieren, wovon ich nicht 100%ig überzeugt bin. Man kann mit einer Idee nur dann erfolgreich sein, wenn man komplett hinter ihr steht und sich mit ihr identifiziert. Ich bin nicht nur vegane Köchin, ich lebe vegan – aus ethischen, gesundheitlichen und ökologischen Gründen. Dies ist meine Basis, mein ideologisches Grundrezept.

Deshalb:

  • Gestalte dein Blog nach deinen Überzeugungen und Ideen, und nicht nach bereits existierenden Schablonen.
  • Lass dir nichts aufschwatzen und hänge dich an keinen Trend, nur weil du glaubst, das wäre jetzt grade DAS DING!
  • Backe keine zuckrigen Torten, wenn du lieber Burger brätst.
  • Und das Wichtigste: Sei einfach du selbst!
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Wo vegan drauf steht, ist auch vegan drin.

2. Kontinuität

Ein Blog ist hungrig und will stets gefüttert werden. Nur, wenn regelmäßig etwas passiert, wirst du auch Leser bekommen, die immer wieder vorbeischauen. Du musst sie an der Stange halten – UNTERhalten.
Als ich 2011 anfing zu bloggen, postete ich fast täglich etwas. Ich kümmerte mich um mein Blog wie um ein armes gerade geschlüpftes Vögelchen. Ohne permanentes Füttern mit Content dachte ich, würde er verhungern. Ein Jahr lang traute ich mich kaum mal das Internet auszuschalten, setzte mich so enorm unter Druck. Bis ich kapierte, dass weniger mehr ist (Weisheit 3).
Heute behandle ich mein Blog wie eine genügsame, aber anspruchsvolle Zimmerpflanze, die regelmäßig, aber nicht täglich mit reinstem Quellwasser begossen wird.
Poste lieber gut produzierten Content und dafür seltener statt täglich hin gerotzten Mist.

3. Qualität statt Quantität

Ich finde mit Content ist es wie mit Sex: Lieber nicht so oft, aber gut mit Leidenschaft als andauernd, unmotiviert und lustlos.
Für einen Foodblog bedeutet Qualität Optik. Gute Optik ist substantiell, denn das Auge isst bekanntlich mit. Anfangs waren meine Fotos eher so „na ja“. Die Qualität war mau, was auch an der Kamera lag. Eines Tages lieh ich mir eine Spiegelreflexkamera und auf einmal konnte man auf den Fotos jedes Sesamkörnchen und jedes Basilikumblatt erkennen. Fantastisch! Da war mir klar: Es gibt kein Zurück mehr! Ich kaufte mir meine erste Spiegelreflexkamera.
Heute nehme ich mir Zeit wenn ich ein Rezept für einen Blogpost fotografiere. Und ich empfehle Tageslicht – die Sonne ist die schönste, natürlichste und wärmste Lichtquelle. Wenn ich keine Zeit habe, aber Ideen, schreibe ich sie auf meine To-cook-Liste, die ich dann nach und nach abarbeite. Klar gibt’s auch spontane Blogposts, die aus einem Bauchgefühl ( Hunger?) entstehen. Das ist dann wie ein Quickie. Kann auch ganz schön befriedigend sein.

Gute Kamera vs. Schlechte Kamera
Gute Kamera vs. Schlechte Kamera

4. Timing

In unseren Breitengraden richten sich die Hauptmahlzeiten klar nach den Tageszeiten. Deshalb sollte man als Foodblogger seine Posts auf die menschlichen Essgewohnheiten abstimmen:
morgens Kaffee mit Schaumhäubchen, ein gesunder Smoothie oder eine kunterbunte Cereal Bowl; mittags Salat, schnelle Pasta oder ein wärmendes Süppchen; nachmittags nochmal Kaffee, aber mit etwas Süßem. Das ist übrigens auch der beste Zeitpunkt, um möglichst viele Likes für Karottenkuchen, Cupcakes und Co abzusahnen.
Nach verdientem Feierabend darf es dann auch mal ein Burger oder ein Cocktail sein. Prost und Mahlzeit!

5. Rezepte

Wenn man sich entscheidet, seine Rezepte anderen Menschen zur Verfügung zu stellen, gibt es eine grundsätzliche Regel:
Sie müssen funktionieren!
Da führt kein Weg dran vorbei. Ein bisschen funktionieren reicht nicht.
Vor einigen Jahren kündigte ich bei einem Dinner frittiertes Eis an, hatte ich zwar schon mal wo gegessen, aber noch nie selbstgemacht. Die Einladung für das Dinner ging raus, mein erster Kochversuch scheiterte kläglich. Ich wollte sofort aufgeben. Mein damaliger Freund sagte zu mir:  Du musst es einfach so lange versuchen, bis es klappt!“ Er hatte recht!
Seitdem habe ich diesen Rat zu meiner obersten Regel gemacht :
Ich probiere ein Rezept so lange bis es klappt. Das Gute ist: Oft klappt es schon beim zweiten Anlauf …

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Gelingsicheres Brot?

6. Leidenschaft

Besonders beim Kochen gilt: Nur wenn man etwas mit Leidenschaft macht, schmeckt es richtig, richtig gut. Meine Oma hatte bis ins hohe Alter jedes Jahr Weihnachtsplätzchen gebacken. Sie waren okay, aber nie so gut wie die meiner Mutter. Irgendwann verkündete meine Oma, dass sie nie wieder Plätzchen backen wolle, da es ihr eigentlich nie wirklich Spaß machte. Meine Mutter hingegen liebt es, Plätzchen zu backen. – Und deshalb schmeckten ihre einfach stets besser. Brennen solltest du jedoch nicht nur für leckere Plätzchen. Verliebe dich auch in frisches, regionales Gemüse! Lass dich von Gewürzen aus fernen Ländern verführen und von der neuen Küchenmaschine unterm Weihnachtsbaum verzücken! Schmeiß dich rein in die Materie!

7. Hunger

Mittlerweile lerne ich auf allen meinen Reisen Köche kennen, ohne es zu forcieren. Es passiert, weil ich einfach irre neugierig bin und schnell mit Menschen ins Gespräch. Solche Kontakte überall auf der Welt aufzubauen, ist einfach herrlich!

Deshalb rate ich dir:

  • Sei immer hungrig nach Neuem! 
  • Gehe in den nächstbesten Supermarkt und schau dir das Angebot einmal ganz genau an. Gibt es dort Lebensmittel, die du vielleicht noch nie verwendet hast oder die dich zu neuen Rezepten inspirieren?
  • Gehe auf den Markt und schau was saisonal angeboten wird
  • Andere Länder, anderes Essen: Markthallen, Basare, schau dich um. Was die beliebtesten Snacks der Einheimischen, was sind die Foodtrends cooler Großstädte, spiel Detektiv!
  • Durchstöbere das Internet, wenn dein Budget zu klein ist für Reisen; folge deinen Lieblingsrestaurants auf Instagram, pinne Inspirationen auf Pinterest.
  • Egal ob Streetfood oder Sternelokal. Gehe essen. Anderen Köchen in die Töpfe schauen, inspiriert und motiviert.
  • Gib auch mal Geld für gutes Essen aus, du profitierst davon!
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Stay hungry!

8. Lernen

Ich bin Autodidaktin, ohne klassische Kochausbildung. Als ich mich dazu entschied, kochen zu meinem Beruf zu machen, war ich bereits vegan und nicht gewillt, in einem konventionellen Restaurant tierische Produkte verarbeiten zu müssen. Eine klassische Ausbildung kam für mich nicht infrage.
So habe ich ein Praktikum in einer Bäckerei gemacht, Patisserie- und Raw-Food-Workshops, einen Messerschleif-Kurs, als Pizzabäckerin und in Restaurantküchen gearbeitet , im Feinkostgeschäft oder auf dem Wochenmarkt verkauft – man lernt einfach nie aus.
Learning by Doing, Trial and Error. Wer kocht, lernt jeden Tag etwas Neues. Auch das Internet gibt es Fortbildungsmöglichkeiten. Webinare zu Ernährungsthemen, Food-Dokus usw. … Packe es an. Sei dir bewusst was du schon gelernt hast und versuche dich in dem zu verbessern was du noch nicht kannst.

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Trial and error.

9. Networking

Einzelkämpfer sein ist anstrengend und einsam. Das A und O des erfolgreichen Bloggens lautet: Networking. Klar gibt es da draußen auch Leute, die sehr ähnliche Dinge machen wie du. Doch Konkurrenz ist auch etwas Gesundes, da strengt man sich mehr an. Ich versuche nach der Grundannahme zu agieren, dass jeder Mensch dir erst einmal wohlgesinnt ist. Wenn du doch mal an ein Arschloch gerätst: Sehe es buddhistisch! Diesem Menschen geht es wahrscheinlich mit sich selbst schlecht, sonst wäre er nicht so mies zu anderen. Versuche zusammen mit anderen Bloggern, Netzwerke und Reichweiten aufzubauen. Teile Beiträge, starte Kooperationen. Featured euch gegenseitig auf den Blogs, Macht euch Komplimente, stellt Fragen. Wenn du ein Jobangebot bekommst und keine Zeit hast oder es für dich nicht passt, empfehle auch mal einen Kollegen. Hab nicht dauernd Angst, dass dir jemand anders etwas wegnimmt.
Sei selbstbewusst genug zu verstehen, dass das, was dich (aus)macht, einzigartig ist. Dein Karmakonto wird es dir danken.

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10. Originalität

Du bist Blogger, und du teilst deine Gerichte mit der Welt da draußen.  Aber wie viel von dir möchtest du im Internet eigentlich preisgeben? Hältst du dich lieber im Hintergrund oder bist du eine Rampensau? Soll es nur um deine Gerichte gehen oder auch um dich? Entscheide, was sich für dich richtig anfühlt.
Ich habe ein paar seltsame Spleens: So wie andere Frauen Schuhe, sammle ich Küchenschaber, Salze, Gewürze, Pfeffersorten. Das macht zwar keinen tieferen Sinn, ist aber unterhaltsam und für manche Leser durchaus inspirierend.
Außerdem engagiere ich mich in der Flüchtlingshilfe und gegen sexualisierte Gewalt, weil mir das wichtig ist und ich dazu eine Meinung habe, die ich gerne teile. Das hat zwar nicht mit Essen zu tun, ist mir aber ein Bedürfnis, für das ich meine Reichweite gerne nutze.

Tu, was du fühlst, und sei, wer du bist!

Teile deine Leidenschaften
Be you – the world will adjust.

Am Ende des Tages sollten all diese Punkte aber nur als Anregung dienen, denn das Wichtigste ist immer und uneingeschränkt die Freude am Kochen. Spass soll es machen. Und schmecken natürlich auch.
In diesem Sinne: Guten Appetit!

Bilder (außer Essensbilder und die letze Collage) : Jule Müller von imgegenteil.de