Ich hab’ da so ein Ding mit Schuhen: Sneaker habe ich schon heiß geliebt, als sie noch Turnschuhe hießen. Neben meiner All-Time-Favorite-Farbe Schwarz, trage ich momentan besonders gerne weiße. Machen alle? Ach ja, da war ja was! Mode und Trends sind so Sachen, denen ich mich bei aller Liebe zur Individualität offenbar nicht richtig entziehen kann. Und das möchte ich auch gar nicht. Was ich aber durchaus will: den Konsum reduzieren! Gerade in puncto Fashion.

Mein Schuhschrank ist voll, mein Kleiderschrank auch. Und mein, ich sage mal, Look steht seit Jahren. Noch Fragen? Ich auch nicht. Und keine echten Shoppingwünsche mehr offen. Denn ganz gleich wie cool die neuen Trenchcoats sind und wie süß die Jumpsuits für diesen Sommer – wenn ich ganz ehrlich bin: Ich hab’ schon alles, und zwar seit Jahren. Weil ich jahrelang gekauft hab, was mir eben so gefiel, ohne zu viel über die Konsequenzen nachzudenken: Konsequenzen wie beispielsweise die 2700 Liter Wasser, die für die Produktion eines einzigen T-Shirts verbraucht werden, oder die vielen Chemikalien, mit denen viele Stoffe überhaupt erst griffig, knitterfrei und glänzend gemacht werden. Oder darüber, dass fast die Hälfte aller im Übermaß neu produzierten Klamotten gar nicht erst verkauft, sondern direkt wieder aussortiert und aufwendig recyclet werden muss.

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Jacke, Levi’s, bei mir seit: mindestens 18 Jahren
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Lieblingstasche, Aigner via Kleiderkreisel, bei mir seit: gut einem Jahr

Darüber hinaus – und auf die Gefahr hin, jetzt wie eine alte Tante zu klingen – höre ich mich immer öfter sagen, dass in der Mode doch eh alles immer wieder geht und kommt. Und ich habe recht! Ich trage fast täglich meine Jeansjacke aus Teenagerzeiten. Und spätestens als ich kürzlich ein uraltes Off-Shoulder-Kleid mit Ethno-Stickerei von dieser allseits bekannten schwedischen Modekette ausgegraben habe, das fast wie aus der aktuellen Kollektion aussieht, war ich sicher: Ich brauche keine Klamotten mehr, jedenfalls keine neuen. Egal wie schwer es mir fallen wird, an all’ den schönen Schaufenstern vorbei zu gehen. Ich will Entzug!

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Baumwollkleid, H&M, bei mir seid: etwa acht Jahren

Diesen Juni startet mein erster Slowfashion-Selbstversuch: Ich werde ein Jahr lang keine neue Kleidung mehr kaufen. Ausgenommen sind only Unterhosen. Geschenke sind zwischendurch ok. Ansonsten gilt: Wenn ich wirklich, wirklich was brauche – ok, oder zu einem speziellen Anlass plötzlich will –, dann muss ich es bei Freundinnen oder beispielsweise bei der Kleiderei leihen oder eben gebraucht finden. Motivation: andere Frauen, wie Buchautorin Nunu Kaller, Ricarda von Pech und Schwefel oder meine Interviewpartnerin von 2011, Susanna Goonawardana, die alle mit ähnlich gutem Beispiel vorangegangen sind. Und natürlich die upcoming Rubrik Kleine Schritte auf unserem neuen Nachhaltigkeitsblog viertel-vor.com.

 

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Fliegerblouson, Noname aus Barcelona, bei mir seit: knapp vier Jahren
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Loafer, Vagaboond, Flohmarkt, bei mir seit: knapp fünf Jahren

Ab sofort zeige ich mir und allen, die’s interessiert, dort immer mal wieder, wie wenig oll man in Sachen aussehen kann, die man bestenfalls schon seit Jahren besitzt oder auch mal aktuell auf dem Flohmarkt gefunden hat. Denn ich möchte nicht länger eine Industrie unterstützen, die Menschenrechte gern mal mit Füßen tritt und die mir darüber hinaus meinen ökologischen Fußabdruck nach Strich und Faden versaut.

Bei aller Begeisterung für die wichtige Arbeit und die wunderschönen Designs von tollen nachhaltigen Labels wie VEJA, JAN ’N JUNE oder Marktvorreiter ARMEDANGELS: Gebrauches nutzen, Tauschen oder eben gebraucht kaufen ist einfach das Beste für unsere Umwelt. Deshalb möchte ich persönlich diese Challenge starten und ein kleines Zeichen setzen. Gegen übermäßigen Konsum durch ein zu krasses Modediktat; für ein besseres Bewusstsein. Und in allererster Linie für mich selbst – und vielleicht ja auch als kleine Anregung für andere. Los geht’s! #neuinalt

 

Text: Anna Schunck

Fotos: Marcus Werner