Die Anfänge des modernen Yoga in Indien in den 30er-Jahren

Yoga gibt es schon seit vielen tausend Jahren. Lange war es allerdings einer kleinen Gruppe weiser Männer Indiens vorbehalten. Dass heute Yoga ein Massenphänomen ist, haben wir Tirumalai Krishnamacharya, dem Urvater des modernen Yoga zu verdanken. Unter der Schirmherrschaft des Königs von Mysore bereiste er seit Beginn des 20. Jahrhunderts Indien, um mit Lesungen und Demonstrationen Yoga dem Volk nahezubringen. Wie das aussah, zeigt dieser Stummfilm aus dem Jahr 1938.

Zwischen Make-up und Yoga-Workout in den 50s

Yoga fand nicht nur der indische König, sondern auch die Pop-Ikone Marilyn Monroe gut. In der Maske ließ sich die blonde Schönheit nicht nur schminken, sondern fand auch noch Zeit für ein paar Yoga-Übungen. Nur an der anatomischen Ausrichtung der Asanas müssten wir noch ein bisschen arbeiten, liebe Marilyn.

Yoga statt Drogen auf den Woodstock-Festival 1968

Yoga auf Festivals ist keineswegs eine Erfindung der Veranstalter zeitgenössischer Independent-Festivals. Asanas gab es auch schon auf dem legendärsten aller Festivals in Woodstock. Mit den Worten „Yoga means union. It’s the same energy that drugs give you“ versucht der Lehrer die mehr oder weniger Yoga-willigen Hippies für seinen Unterricht zu begeistern.

1976: Zur ultimativen Freiheit mit Iyengar-Yoga

B.K.S. Iyengar gilt als einer der wichtigsten Yoga-Meister unserer Zeit. Nach jahrelanger Ausbildung bei Krishnamacharya verließ er seinen Guru und entwickelte einen eigenen Yoga-Stil, der vor allem im Westen großen Anklang fand. Im Film The Ultimate Freedom von 1976 erklärt er in seiner typisch strengen Art und wie immer im knappen Höschen, wie das mit der Einheit von Körper, Geist und Seele funktionieren soll. Doch sieh am besten selbst!

Crazy 80s: Irgendwo zwischen Aerobic und Pranayama 

Ob dieses Video offiziell als Yoga-Video durchgeht, weiß ich nicht so genau. Yogische Elemente sind durchaus zu erkennen: Löwenatmung, das Schielen zum dritten Auge hin und das Einziehen des Bauches in der Atemleere – alles Übungen, die sich auch im klassischen Hatha-Yoga finden. Die Musik und der Style der Dame bringen die Note Aerobic mit ein. In jedem Fall: weltlustigstes „Yoga-Video“ ever. Es leben die 80er!

Die Jahrzehnte der Ashtanga-Classics

Ohne Sri K. Patthabi Jois, der wie Iyengar Schüler von Krishnamacharya war, würden wir Yoga nicht so praktizieren, wie wir es heute tun: Die fließende Verbindung der Asanas, das disziplinierte Üben und die wilden Verrenkungen, die wir bisweilen auf der Matte praktizieren, haben meist ihre Wurzeln in der ersten Serie des klassischen Ashtanga-Vinyasa-Yoga. Dieses Video aus den 90ern verdeutlicht die Klarheit des Ashtanga-Yoga besonders gut.

Hot, hip and holy: Jivamukti Yoga im New York der 90er-Jahre

Einer der Yoga-Stile, die auf Basis des klassischen Ashtanga-Yoga entstanden sind, ist Jivamukti Yoga. In den 90ern wurde die von Sharon Gannon und David Life entwickelte Methode auch über die Grenzen New Yorks bekannt. Das Besondere daran: Jivamukti-Yoga ist ein körperlich fordernder, hipper Yoga-Stil, der Yoga auch modernen Großstädtern zugänglich macht – ohne dabei die spirituelle Tradition zu vernachlässigen.

L.A.-Yoga-Boy Bryan Kest und die Jahrtausendwende

Durch Identifikationsfiguren wie dem schönen Yogalehrer Bryan Kest wurde Yoga auch im Süden der USA salontauglich. Angepasst an den Lifestyle der Freigeister in der Stadt der Engel findet Yoga-Unterricht in alten Lofts und schicken Hinterhöfen statt. Damals noch mit wilder Mähne und oben ohne betört der bis heute erfolgreiche Bryan vor allem die Ladies mit seinem Charme.

Kreativität, core strength und Ausrichtung zu Anfang des neuen Jahrtausends

Es dauerte eine Weile, bis die Lehrer der neuen Yoga-Generation auch in Deutschland Fuß fassen konnten. In Abgrenzung zu den oft drögen Yoga-Traditionen, die hierzulande bekannt waren, entstand eine Yoga-Bewegung, die vor allem Wert auf die körperlichen Aspekte des Yoga legte: exakte Ausrichtung, kein Schischi, schonende Bewegungen für den Rücken und vor allem Kraft in der Körpermitte. Wie? Zum Beispiel mit kreativen Sequenzen, die wir in den klassischen Werken nicht unbedingt finden.

Heute: Yoga als Lifestyle versus „Weniger ist mehr“

Yoga ist populärer denn je und inzwischen zum beliebten – auch wenn kommerzialisiertem –Lifestyle geworden. Nach der Phase „Yoga als Sport“ beobachte ich allerdings eine Rückkehr zur Tradition; klassisches Ashtanga-Yoga ist wieder beliebter, Spiritualität und die Arbeit am Selbst gehören in vielen Kreisen zum guten Ton. Wunderschön inspirierend ausgedrückt ist dieses Lebensgefühl im folgenden Video.

Stellt sich nur die Frage: Hat sich die Art des Unterrichtens über die Jahre so verändert oder ist es der Stil der Videos, der sich gewandelt hat. Ich plädiere für zweiteres – und bin gespannt, was wir über die Yoga-Videos unserer Zeit in zehn Jahren sagen werden.

Headerbild: Vimeo- Screenshot von Mornings