Wir befinden uns auf einer Dachterrasse. Der perfekte Sonnenuntergang taucht makellos gepuderte Näschen in schmeichelndes Licht. Einen prickelnden Drink in der Hand, prosten sich diverse Schönheiten lächelnd  zu. Das perfekte Szenario, wäre da nicht das Geld, das die Gäste für ihre Anwesenheit erhalten.

Was ich beschreibe, ist ein erfundenes Bloggerevent, das auf diversen echten Erlebnissen basiert.  Gehen wir einmal davon aus: dass auf unserer Dachterrasse ein neuer Champagner vorgestellt wird. Die Topblogger aus Deutschland versammeln sich und berichten auf ihrem Blog, auf Instagram und Snapchat über den Champagner und den Abend . Was die Follower nicht erfahren:

Die Hälfte der Anwesenden langweilt sich zu Tode und wartet darauf, nach angemessen abgesessener Zeit endlich wieder abhauen zu können;
Etwa jeder Dritte trinkt überhaupt keinen Alkohol;
Viele, die vor der Kamera fröhlich miteinander posieren, können sich eigentlich gar nicht leiden und biedern sich nur an, damit sie auf dem jeweils anderen Kanal verlinkt werden;
Das Ganze ist bezahlt (jedoch nicht als gesponsert gekennzeichnet …)

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Was lernen wir daraus? Brands, kennt eure Influencer! Macht es wirklich Sinn, so viel Geld für die Miete von Dachterrasse, Catering und Co auszugeben oder investiert man das Geld lieber in individuelle Stories, die der Blogger authentisch umsetzen kann? Versteht mich nicht falsch, es gibt selbstverständlich auch unglaublich schöne Bloggerevents,  die Spaß machen und Raum für eigene Kreativität bieten. Wenn Spaß und vermeintliche Gemeinschaft jedoch erkauft werden, der PR-Berater mit den passenden Hashtags einem ständig im Nacken sitzt und hinter den Kulissen eher gemeckert als geschwärmt wird, dann kommt dabei meist nichts heraus, worauf der Blogger  stolz ist. Das merken auch Leser und Follower.

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Liebe Marken, es bringt euch rein gar nichts, Menschen nur nach Reichweite zu beurteilen und hiernach eure Sitzordnung für das Dinner zu erstellen. Denn was dann gelikt wird, ist nicht euer Produkt. Dieses  rutscht im schlimmsten Falle vor lauter Ego sogar komplett in den Hintergrund. Beobachtet eure Wunschkandidaten eine Weile (ja, ich weiß, das ist viel Arbeit und keiner hat Zeit dafür), kennt  ihren Stil und ihre Vorlieben.

Dinnerpartys lieben alle, eigenständig kreativ sein zu können auch. Lasst den Markenbotschaftern die Freiheit, euer Produkt in ihrem eigenen Stil in Szene zu setzen. Nutzt eure Budgets sinnvoll. Manchmal ist es sinnvoller, es auf zehn kleinere Accounts zu verteilen statt auf einen großen, der eventuell gar nicht die richtige Zielgruppe hat. Und zu guter Letzt: Werbung ist nun mal gekauftes Glück. Umso wichtiger, dass es nah an echtes Glück heranreicht  – denn das könnt ihr mit authentischen Bloggern tatsächlich erreichen, wenn ihr ihnen vertraut und Freiheiten lasst.

Alle Bilder: Vreni Frost