Neuerdings begegne ich überall Pokémon. Ob auf meinem Sofa, in der U-Bahn, vorletztes Wochenende beim Melt! Festival oder im Büro. Ich jage sie wie bekloppt. Kaum sitzt ein Taubsi vor mir, vergesse ich die Welt um mich herum.

Als 1998 die ersten Pokémon den Markt eroberten, interessierte mich das (trotz ausgeprägten Zocker-Gens) nicht wirklich; die kleinen Monster waren mir zu bunt, zu kindisch und zu langweilig. Jetzt überrollt  das Augmented-Reality-Spiel Pokémon Go die gesamte Netzwelt und ich bin angefixt.

Was Pokémon eigentlich sind? Die deutsche Pokémon-Website beschreibt sie folgendermaßen: „Pokémon sind Wesen von unterschiedlicher Gestalt und Größe. Sie leben in der Wildnis gemeinsam mit den Menschen. Pokémon werden von ihren Eigentümern aufgezogen und trainiert. Zurzeit gibt es über 700 Pokémon im Pokémon-Universum.“ Die niedlichen Wesen tauchen keineswegs nur in Videospielen auf. Es gibt eine TV-Serie, Filme, Sammelkarten, Spielzeug und vieles mehr.

Seit vor einigen Wochen nun die App Pokémon GO veröffentlicht wurde, dreht die Welt durch. Überall sieht man, auf ihre Handys starrende Menschen durch die Stadt ziehen. Viele sind mit Akkupacks ausgestattet, damit das Handy auch bloß nicht schlapp macht. Als ich letztens um vier Uhr morgens in mein Hotel gind, waren tatsächlich noch Menschen auf Pokémon Jagd unterwegs!

Man kann die Pokémon GO-Spieler für verrückt erklären, aber es gibt durchaus positive Effekte des Phänomens:

  1. Bewegung! Die Menschen bewegen sich wieder mehr. Seltene Pokémon kommen nicht in unser Wohnzimmer. Um richtig krasse Monster zu fangen, muss man schon seine Couch verlassen, den Häuserblock umkreisen oder in die Natur abdüsen.
  2. An sogenannten Pokéstops kann man die Bälle aufladen, mit denen man die Wesen fängt. Diese Stops finden sich oft an bekannten Orten. So lernt man spielerisch, vor welchem Denkmal man gerade steht oder welchen Fluss man soeben überquert. Nice!
  3. Action! Spielen macht Spaß. Sobald man die Jagd begonnen hat, möchte man alle niedlichen Pokemon fangen. Es ist wie früher bei der Schnitzeljagd. Nur digital und nahezu unendlich.

Es gibt also gute Gründe für die um sich greifende Spielsucht. Dennoch darf man über den Spielspaß die Realität nicht vergessen. Ich rede nicht von den zahlreichen Unfällen, über die im Zusammenhang mit dem Spiel in den Medien berichtet wird. Mir geht es um die Kleinigkeiten, die den Alltag beeinträchtigen. Du hast ein Pokémon entdeckt?! Super, bleib aber bitte trotzdem nicht direkt am Ende der Rolltreppe stehen. Deine beste Freundin klagt dir ihr Leid? Dann hör zu und lass dich nicht von dem ollen Rattfratz auf der anderen Straßenseite ablenken. Denn was nützen dir all deine Pokémon, wenn du dadurch die echten Wesen um dich herum vergisst?

In diesem Sinne:  Play responsibly.

Header: Le Bureau