Der erste Sommertag in Münster ist verhangen und nur mäßig warm. In den Räumen von Perspective Daily fällt das nicht weiter auf. Wir sind froh darüber, dass die Sonne unsere Redaktionsräume unter dem Flachdach nicht zusätzlich aufheizt. Und dass wir die letzten Stunden vor dem Launch arbeiten können, ohne uns Luft zufächeln zu müssen.

Perspective Daily ist ein Online-Medium für Konstruktiven Journalismus, werbefrei und von rund vierzehntausend Mitgliedern finanziert. Wir machen einen Journalismus, der fragt: Wie kann es weitergehen? Damit treten wir Probleme nicht breit, sondern bieten Lösungsansätze. Nachdem wir die Finanzierung Ende März erfolgreich beenden konnten, planten wir den Launch zunächst für Ende Mai. Um dann recht bald festzustellen, dass die Zeit nicht reicht für alles, was zu tun war.

Perspective Daily

Foto: Norman Mauer

Wir suchten und fanden Büroraume, stellten Redakteure ein, schafften Computer und Software an, entwickelten die frühere Crowdfunding-Page zur Publishing-Website weiter und gestalteten die Arbeits- und Redaktionsabläufe. Und dann hätten wir gerne noch Artikel vorab geschrieben, um nach dem Launch erstmal etwas durchatmen zu können. Denn schon vor dem Launch galt es, die Routine zu etablieren, die uns später das tägliche Publizieren ermöglichen sollte. Das alles gelang uns recht gut – aber eben nicht bis Ende Mai sondern bis Sommeranfang.

Jetzt sind wir alle zunehmend nervös an diesem Dienstag im Juni: Seit Samstag arbeiten die Web-Developer durch und schlafen im Büro. Aber auch die Redaktion, die Praktikanten und das Büropersonal sind seit Wochen im Start-up-Modus einer Sechzig-Stunden-Woche. Außerdem will das Fernsehen kommen, die Kaffeemaschine ist kaputt und auch Redaktionshündin Lana zeigt sich unruhig.

Lana bringt ihre eigene Perspective Daily

Foto: Norman Mauer

Für uns alle ist der Tag sehr intensiv und beinah surreal. Ursprünglich wollten wir gleich morgens den Schalter umlegen. Weil sich das von Stunde zu Stunde verzögert, stehen wir zeitweise neben uns und fühlen uns wie in einem Film, übernah dran und gleichzeitig weit entfernt mit vor Stress zugepfropften Ohren – während das Fernsehteam Interviews mit uns führt und wir unseren Redaktionsalltag bewältigen.
Ein zehnwöchiges Crowdfunding und zwölf Wochen Vorbereitung auf den Launch lagen hinter uns. Und dennoch wussten wir bis zuletzt nicht genau, ob und wann wir online gehen. Wenige Stunden vor unserem Launch veröffentlicht ein Mitglied unserer Community einen Wikipedia-Artikel über uns – und vermerkt darin das heutige Datum als Launch-Datum. Schön und gut – nur wann würde es soweit sein? Das Fernsehteam wartet, filmt, führt Interviews mit uns und fängt die Spannung ein. Gegen sechzehn Uhr bauen sie wieder ab, kein Launch, nirgendwo. Gespannte Unruhe macht sich breit, so richtig arbeiten tun nur noch die Web-Developer.

Zwei Stunden später kommt das Go, um genau 18:04 Uhr schalten die Gründer Maren Urner und Han Langeslag die Website online – pünktlich zum Anstoß des Spiels Deutschland gegen Nordirland.

Maren: „Der Moment des Tages war es, auf den Knopf zu drücken und die Site online zu schalten. Ich dachte nur: `Jetzt gibt es kein Zurück mehr, jetzt reden wir mit den Mitgliedern und nicht nur in den Redaktionsräumen‘.“    Anschließend ging pro Sekunde eine E-Mail raus, mit einem Link zur Freischaltung an die Mitglieder. Für uns aber galt: It’s party time!