Aus Aarhus, der zweitgrößten Stadt Dänemarks, kam Camilla Storgaard 2010 in Deutschlands Hauptstadt. Für die Fotografin ist Berlin der place to be, privat wie beruflich. „In Berlin zog mich sofort die Underground-Szene in ihren Bann. Dort fand ich genügend Raum für meine Selbstfindung. Ich beschäftigte mich mit Sexualität und Gender und verbrachte die meiste Zeit in der queeren Szene, wo ich meinen weiblichen queeren Blick auf die Nacktfotografie legte.“

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Den professionell-künstlerischen Umgang mit Urbanität erlernt Camilla seit sechs Jahren als Assistentin bei Olafur Eliasson. Der Einfluss des dänisch-isländischen Künstlers ist im Zusammenspiel von Licht und Farbe in Camilla Storgaards Bildern zu erkennen, zumindest für das versierte Kunstauge. Ein Gefühl für Licht und den Herzschlag fürs Fotografieren entwickelte Camilla jedoch bereits vor ihrer Zeit in Berlin, im Alter von gerade mal sechzehn Jahren. Damals, beim Familienurlaub in Chicago, knipste sie den Willis Tower und stellte fest: “Auf dem Kameradisplay sieht es besser aus als in echt. Das Spiel von Glas und Licht auf dem Bild verursachte regelrecht Bauchkribbeln bei mir, und ich wusste: Dieses Gefühl möchte ich nicht mehr gehen lassen!”, erinnert sich Camilla.

Zum Karrierestart als professionelle Selfmade-Künstlerin fotografierte sie zunächst in Berlin Freund*innen, sich selbst oder Leute, die sie zufällig antraf und ansprach. Nacktaufnahmen spielen in ihren Projekten eine große Rolle und erfordern einen sensiblen Umgang, wie Camilla erklärt: „Um Nacktheit als Element meiner Arbeit zu nutzen, ist es besonders wichtig, den richtigen Ausdruck zu treffen. Ich möchte weibliche Sexualität, Begierde und Diversität bildlich wiedergeben, ohne die Frauen, mit denen ich arbeite, zu objektifizieren.“

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Seit 2013 studiert Camilla Fotografie an der Berliner Technische Kunsthochschule. Nacktheit und Sexualität, aber auch Sehnsucht, Selbstentdeckung, die queere Szene und die Natur die Themen, treiben die Dänin in ihren Arbeiten an: “Da wo ich Feminität, Sexualität und menschliche Mentalität zusammenbringen kann, verbindet sich für mich auch Urbanität und Natur.“

Dieser Aussage entspricht auch ihrer aktuellen Bilderserie. Nackt, feminin und natürlich. Gemeinsam mit ihrer Freundin tourte Camilla mit einem Van durch Australien, wo auch die Fotos entstanden, und das mehr oder minder spontan: “Nachdem ich ständig die Landschaft fotografierte, fing ich an, Menschen auf den Bildern zu vermissen. Deswegen fragte ich meine Freundin, ob ich sie nicht nackt fotografieren dürfte.” Von da an taten wir es immer: Ob beim Autofahren oder auf Wanderungen: Stimmte die Umgebung und das Licht, fielen die Klamotten bei ihrer Freundin.

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Die Fotoserie von Camilla Storgaard ist auch in der aktuellen Ausgabe des STRAIGHT Magazines erschienen. 

Fotos: Camilla Storgaard Text: Felicia Mutterer #JippieJayGay