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Wer auf YouTube Videos veröffentlicht, braucht ein ziemliches dickes Fell. Denn es gibt eine ganze Menge Menschen, die ordentlich viel Spaß daran haben, in den Kommentaren ihren Frust abzulassen. Es wird gedisst, gehatet, geflucht, beleidigt und sogar Gewalt angedroht.

Das Schlimme ist: Ich habe mich ziemlich schnell an den roughen Ton gewöhnt. Außerdem muss ich zugeben, dass ich bei einigen wirklich krassen Kommentaren zu schmunzeln beginne und denke „High five“, der hat gesessen.

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Als ich nach einer fast sieben monatiger Video-Pause – das ist in YouTube-Jahren eine halbe Ewigkeit – mein feierliches Comeback feierte, musste ich mit Erschrecken feststellen, dass unter meinem neuen Video nicht ein einziger Hass-Kommentar gepostet wurde.

Ich war stinksauer, wollte alles hinschmeißen und dachte mir: „Jetzt bin ich wirklich komplett in die Belanglosigkeit abgerutscht, na Servus.“

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Dazu sollte man erwähnen, dass ich ziemlich schnell stinksauer werde. Und dann gerne auch mal, wenn es um mein Projekt geht. Gleich alles beenden möchte, wenn es mal wieder nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle. Ich war zum Beispiel zum Launch der Genderkrise stinksauer auf Facebook, weil ich auf meiner Fan-Page die Farben, also dieses langweilige blau-weiß nicht ändern konnte. Bei Myspace ging das doch früher auch. Und die Nummer mit diesen Hashtags habe ich zu Beginn auch überhaupt nicht geschnallt, aber alle meinten, dass ohne Twitter gar nichts mehr geht. Aber zurück zu den stinksauren Hater_innen:

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Ich habe lange überlegt, wie ich mit dieser besonderen Spezies umgehen soll. Antworten ist in meinen Augen sinnlos, denn wer beleidigt, sucht nie den Dialog. Löschen will ich die Kommentare aber auch nicht, weil der Hass dann nicht einfach – Simsalabim! – verschwindet und die Kommentare auch viel über die Kommunikationskultur, wenn man sie als solche überhaupt bezeichnen kann, im Netz aussagen. Zurückbrüllen finde ich auch ziemlich läbsch, denn dann wäre ich ja genauso blöde, wie mein virtuelles Gegenüber. Obwohl bei einem Kommentar konnte ich mir das Zurückdissen nicht verkneifen:

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Jetzt kommt natürlich unweigerlich die Frage auf: Warum zum Geier haben so viele Menschen Fun daran, andere Leute, die ihnen nichts getan haben, so krass zu beleidigen. Ich meine, ich zwinge ja niemanden, sich meine Videos anzuschauen. Wer den Inhalt oder mich zum Kotzen findet, muss sich das Ganze ja nicht antun.

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Meine Theorie: Es dreht sich alles um den sogenannten „Tote-Taube-Effekt“. Für viele im Netz bin ich scheinbar wie eine tote Taube. Schwarz, schwul und dann auch noch Feminismus feiern. Irgendwie will man nicht hinschauen, aber man muss, so wie bei der toten Taube eben. Da bleibt den angeekelten Viewer_innen gar keine andere Wahl, als nach dem Video ihren angesammelten Frust in Form von Hass-Kommentaren auszuspeien. Wissenschaftlich anerkannt ist meine Tote-Tauben-Theorie zwar noch nicht, aber ich arbeite daran. Die ersten quantitativen Telefoninterviews werden gerade ausgewertet und bestätigen meine Vermutung. Nobelpreis, ich komme!

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Wie ich gelernt habe damit umzugehen? Die meisten Hass-Kommentare gegen mich beziehen sich fast immer auf meine Hautfarbe und meine sexuelle Orientierung. Das ist nichts Neues und läuft offline genauso ab. Entweder bin ich die „Scheiß Schwuchtel“ oder der „Scheiß Neger“ oder alle zwei zusammen: Die „Scheiß Neger-Schwuchtel“. Das ist ziemlich unkreativ und auch irgendwie armselig. Diese Menschen gehen wohl wirklich davon aus, dass eine andere als die heterosexuelle Lebensweise oder eine nicht-weiße Hautfarbe als Schimpfwort verwendet werden kann. Das funktioniert so aber nicht und deswegen prallt der Wannabe-Diss an mir ab. So!

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