In einer Zeit, in der die Idee des Bloggens noch jung war, beschlossen Kira Stachowitsch und Clemens Steinmüller das INDIE Magazine zu gründen. Vor dreizehn Jahren erschien die erste Ausgabe des INDIE in Wien. Heute ist es ein erfolgreiches Magazin, dessen Reichweite die Grenzen Deutschland und Österreichs hinter sich lässt und die ganze Welt erobert.

Das INDIE Magazine war zu Beginn als Fanzine angedacht, richtig?
Kira Stachowitsch: Genau. Für die Mitarbeiter, einschließlich uns Gründer, war das ganze zu Beginn eher als Freizeit-Projekt geplant. Es gab eine freie Distribution, das heißt, wir haben das Magazin selbst in Clubs, Cafes, Conceptstores etc. vertrieben. Nach etwa einem Jahr kam dann der Pressevertrieb, und es wurden Mitarbeiter eingestellt. Das war der Moment, als es sich von einem Zine zu einem richtigen Magazin entwickelte.

 

Von fünf- auf fünzigtausend

Hat sich dadurch etwas verändert?
Die Auflage ist konstant gestiegen. Gestartet hatten wir mit einer Auflage von fünftausend Exemplaren. Heute sind wir bei fünfzigtausend. Anfangs waren wir nur im österreichischen Raum, dann schnell in Deutschland. Heute vertreiben wir international, bis nach Kanada und Japan.

Weshalb seid ihr jetzt in Berlin?
Als Magazin wird man immer zurück auf das Büro und den Standort gerechnet. Deutschland war von Anfang an der größere und wichtigere Markt in dieser Branche.

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Wie kam es, dass es mittlerweile zwei Magazine gibt?
INDIE hat eine starke Anbindung zur Musik und ist als Unisex-Magazin anzusehen. Es gab aber Inhalte, die immer wieder in andere ästhetische Richtungen gingen oder speziell auf eine weibliche Zielgruppe zugeschnitten waren. Diesem Content wollten wir ein eigenes Zuhause geben. Somit haben wir Material Girl gegründet. Es erscheint zweimal im Jahr.

Wart ihr von Anfang an auch online vertreten?
Ja, wir hatten tatsächlich schon von Anfang an auch eine Facebook-Seite. Ich würde aber sagen, dass erst in den letzten Jahren ein großer Fokus auf unsere Onlinepräsenz entstanden ist. Allein die Social Media Follower stiegen in diesem Zeitraum von zwanzigtausend auf rund hunderttausend.

Was glaubt ihr, bewegt die Leser dazu, euer Magazin zu kaufen?
Unsere Nische ist zusammengefasst Popkultur, Jugendkultur und Subkultur. Diese Themen, die immer eng mit Musik verknüpft sind, ziehen sich durch unser ganzes Magazin. Ich denke, in dieser Nische gibt es in Deutschland kein vergleichbares Magazin.
Das redaktionelle Spektrum von MATERIAL GIRL reicht wiederum von Interviews mit inspirierenden Frauen über aufwendig produzierte Bildstrecken bis zu Themen aus Mode, Kunst, Film und Literatur.

 

Der Geruch von Papier

Warum habt ihr mit Print angefangen?
Ich kenne tatsächlich Leute, die so ein Magazin aufschlagen und erstmal daran riechen, weil sie den Geruch von Papier so lieben. Ich finde auch, dass es sich hierbei um ein komplett anderes Erlebnis handelt. Man nimmt sich eine andere Zeit in seinem Alltag, um solche Magazine zu konsumieren. Man kann sagen, dass diese kleine Luxusauszeit dazu da ist, dem Alltag am Computer zu entkommen. Ebenso ist es in der Zusammenarbeit mit eher traditionellen Unternehmen von Vorteil, ein Printmagazin zu sein, da für sie hinter dieser Marke noch viel mehr steckt.

Wie wichtig sind euch denn Klicks und Shares?
Ich würde sagen, dass uns das schon wichtig ist. Zumindest fühlt sich jeder häufig geklickte und geteilte Artikel wie ein kleines Erfolgserlebnis an.

 

Mädchen auf dem Cover funktionieren besser!

Warum verkaufen sich einige Auflagen besser als andere? Was sind da die Einflussfaktoren?
Zum einen ist es etwas frustrierend, dass sich Ausgaben mit Covern, auf denen Jungs abgebildet sind, schlechter verkaufen lassen als solche mit Mädchen. Außerdem kommt es besser an, wenn die Protagonisten direkt in die Kamera schauen. Wir versuchen aber nicht, uns von Verkaufszahlen lenken zu lassen, und ziehen das Cover nach unserem Geschmack auf. Neue, aufstrebende Menschen zu porträtieren, kommt bei unseren Lesern besser an als Celebrity-Bilder.

Welcher Online-Content kommt denn bei euch gut an?
Wir haben zwischendurch versucht, klassische Beiträge wie die sogenannten Top-10-Listen zu posten. Ich muss aber sagen, dass sich an den Klick-Zahlen nicht viel getan hat, im Gegenteil: Man sieht, dass individuellerer Content wie beispielsweise das Mixtape des Londoner Acts Crim3s wesentlich besser klicken als generischer und austauschbarer Content. Das spricht natürlich wieder für unsere Zielgruppe, die nicht nur auf klassische Themen aufspringt, sondern Inhalte über interessante Menschen schätzt und gern konsumiert. Wir sind ein Produkt, das wenig mit Mainstream zu tun hat. Die Dinge, die uns begeistern, sind auch für unsere Leser relevant.

Woraus besteht der Content eures Print Magazin?
Wie haben durchschnittlich zehn bis fünfzehn große, international produzierte Features pro Ausgabe. Viele davon sind umfangreiche Portraits oder Interviews, immer mit eigens dafür produzierten Fotostrecken. Wir arbeiten nicht mit Pressebildern oder Ähnlichem.
Ansonsten ist es immer toll Künstler, die wir persönlich sehr gut finden, für Cover-Geschichten ins Heft zu kriegen.

 

Oberflächlich und schlecht recherchiert

Und was ist schlechter Content?
Das Schlimmste sind lieblos gestaltete Artikel. Themen die nur oberflächlich gehalten, schlecht recherchiert und wenig durchdacht sind, kommen für uns nicht infrage.

Was war bis jetzt der tollste Moment im Hinblick auf das INDIE Magazine?
Die im Winter erschienene fünfzigste Ausgabe des Magazins haben wir mit einem großen Dinner und einer anschließenden Party gefeiert. Viele der Contributors, die uns seit Jahren begleiten und INDIE zu dem machen was es ist, waren dabei und es war schön zu sehen, wie groß das Team mittlerweile geworden ist. Für mich persönlich war es toll, mit all diesen Menschen an einem Tisch zu sitzen und unsere Jubiläumsausgabe zu feiern. Definitiv ein absolutes Highlight.

 

Teil Zwei der renk-Interviewserie folgt kommenden Mittwoch. Dann im Gespräch: Jule von im gegenteil.

Foto & GIF: Schall&Schnabel