»Du entscheidest dich bewusst für Print Content und konsumierst gezielt – ganz anders als im Internet!« sagt Felicia Mutterer

2015 gründete Felicia Mutterer STRAIGHT, das Magazin für Frauen, die Frauen lieben. Felicia schmeißt die Chefredaktion und arbeitet zusammen mit Jasmin Acar an STRAIGHT. Heute zieht sie für uns den Vergleich zwischen der Medienwelt der 90er und dem heutigen Content-durchfluteten Zeitalter des Internets. Außerdem erklärt sie uns, wie das STRAIGHT-Magazin als klassisches Printmagazin aufgestellt ist.

Wie kommt man auf die Idee, ein Magazin von Frauen für Frauen zu machen?
Ich hab mich journalistisch immer mit dem Thema beschäftigt, wohlwissend, dass es mich persönlich auch betrifft. Dabei habe ich gemerkt, dass es nichts in der Richtung gab, was mich angesprochen hätte. Seit meiner ersten Recherche 2007 stieg dann über die Jahre eine Wut über den Mangel an Identifikationsmöglichkeiten in mir auf, dass ich schon 2010 mit ein paar Journalistinnen was eigenes, ein Magazin, machen wollte. Das haben wir zwar leider nicht durchgezogen, aber dafür ist dann aber das STRAIGHT Magazine entstanden.

Und wer liest euch so?
Die Zielgruppe ist lesbisch, bi oder queer. In Berlin versteht man den Begriff ja wenigstens schon, woanders ist das schon etwas schwieriger (lacht).
Insgesamt sind es vier Millionen Frauen die das Thema betrifft. Das ist eine riesengroße Zielgruppe, die noch nie vielfältig bedient wurde.

Was wollt ihr mit dem Magazin erreichen?

Wir wollen Frauen sichtbar machen, eine Möglichkeit zur Identifikation schaffen. Ein ganz entscheidender Faktor sind die ganzen Klischees, mit denen lesbische Frauen zu kämpfen haben. Dir werden Dinge nachgesagt wie „Du bist unattraktiv“, „Du hast keinen Sinn für schöne Dinge“, „Auf deinem T-Shirt steht: ich bin wütend“, „Die hotte Bisexuelle, die auch mit Frauen knutscht, wenn sie Single ist“ oder wo der nächste Typ dann mit auf den Dreier mitdarf.

Wir wollen diese ganzen Klischees mal aufbrechen oder einfach darüber lachen.

Warum die Papiervariante?
Wir haben die Oldschool-Variante gewählt, da wir auf diese Weise viel zeitlosen Content schaffen können. Jede News, ob Outing in der Szene oder dieser ganze BuzzFeed-Content, hat keine Langlebigkeit. Es ist dann eben doch „leichter“, die Leserinnen zu erreichen, wenn man uns am Kiosk sieht oder das Magazin auf dem Tisch liegt.

Mutige These, wenn du sagst, es sei „leichter“ als mit einem Printmagazin, den Leser zu erreichen. Beschreibt das den Wahnsinn, der im Netz stattfindet?

Mit einem klassischen Blick auf die Dinge: Als Journalistin hat sich die Content-Erstellung vor allem auf dem freien Markt total verändert. Alles wird immer schneller und intensiver. Der Konsum von Content geschieht mittlerweile nebenbei, mit einer Art Grundrauschen. Du fängst an, online etwas zu lesen, und schon wirst du abgelenkt von einer Mail, WhatsApp-Nachricht oder einem Like bei Facebook.

Man hat teilweise auch kaum noch Kontrolle darüber, was man da genau konsumiert. Social Media schmeißt dir in einem bestimmten Algorithmus Inhalte zu und „erwischt“ dich damit. Durch ein Print-Produkt kontrolliert man das ganz klar. Du entscheidest dich also schon am Kiosk ganz bewusst für bestimmte Inhalte. Das ist genau das Gleiche, wie sich eine Netflix-Serie reinzuziehen. Das ist eine ganz bewusste Handlung, die ich da vollziehe.

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Was sagst du so zu dem Spruch »Print ist tot«?

Ach, was ein Quatsch. Ich bin da nicht so pharisäisch zu sagen, wann was ein Ende hat. Die Menschen wollen doch in diesen Zeiten auch eine Entschleunigung. Auch dieser Firlefanz mit Werbung im Netz. Ich kann versichern, dass die Verweildauer einer Anzeige bei einem Special-Interest-Inhalt im Print viel länger und bewusster ist.

Ist es deiner Meinung nach einfacher, mit einem Printmagazin Geld zu verdienen?
Journalismus im Netz zu verkaufen ist eine Scheißarbeit. Die ganzen Inhalte gibt es doch for free – wie soll man denn da noch qualitativen Journalismus machen und dann auch noch zu einem fairen Preis verkaufen? Ich kenne noch keinen guten Weg. Da müssen wir die Menschen erst noch umerziehen.

Welcher Content läuft online so richtig gut bei euch?
Promis! Ein brandaktuelles Outing oder die Verpartnerung von einem Celebrity interessiert fast alle. Unsere Leserinnen freuen sich außerdem immer über nice Knutschbilder – mögen ja auch die meisten: Frauen, die Frauen küssen. Auch romantische (Hochzeits-)Fotos gehen immer. Unser Merkel-Spot war auch so ein kleines Highlight. Alles, was ernsthafte Inhalte betrifft, ist bei uns im Print besser aufgehoben.

Foto & Gif: Schall & Schnabel

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