Zweimal im Jahr trifft sich der internationale Fashion-Nachwuchs in Berlin zur Berlin Alternative Fashion Week. Ziel ist es, Genre-übergreifende Designer zu fördern und diese mit bereits etablierten, zeitgenössischen Wegbereitern aus der Modebranche, der Musik- sowie Kunstwelt zu verbinden. Das macht dieses Ereignis für mich als Fashion-Editor zu einem MUST-GO-Event. Denn bei der BAFW habe ich die Möglichkeit, die Designer zu treffen, die ich sonst nur auf Instagram und Facebook sehe. Ein digitaler Segen also – oder doch eher ein Fluch?

  BAFW 2016 by Sebastian Pollin 3

Social Media hat die Fashionwelt verändert wie kaum ein anderes Medium zuvor. Dank Social-Media-Plattformen haben heute junge Designer die Chance, sich und ihr Label Millionen von potentiellen Fans zu präsentieren und Fashionlovern weltweit ihre Mode näherzubringen, was toll und eine Riesenchance für alle ist. Mir ist in den letzten Jahren nur leider aufgefallen, dass dadurch auch die Qualität der Mode nachgelassen hat; heute zählt mehr die Präsentation auf Social Media. Outfits müssen „Instagram ready“ sein. Und dank diverser Filter sieht das Kleidungsstück auf Instagram nicht aus wie in Natur. Models werden von Modelagenturen angehalten, sich um mehr und mehr Follower zu kümmern. Fashion Weeks müssen auf das richtige Licht und die passenden Locations achten, damit die Mode im Internet schnell und fürs Auge ansprechend gezeigt werden kann. Ja, die Fashion-Welt ist eine andere geworden. Vorbei die Zeiten, in denen Magazine und all die Fashion-Editors die VIPs waren. Heute sind die Blogger, YouTuber und sogenannte Influencer die wichtigen Personen im Mode-Universum.

BAFW 2016 by Sebastian Pollin 5

Die BAFW ist im Vergleich zu den klassischen großen Fashion Weeks anders. Hier können junge Talente ihre „Collections“ vorstellen und sich mit anderen Kreativen austauschen. Jedes Jahr sind Designer dabei, die ich mehr oder weniger aus diversen Social Channels kenne, wie zum Beispiel Juliette Heijnen (Niederlande),  ZWYRD (Polen), TZUJI (Berlin),  Samsara Collections (USA), Nixi Killick (Australien). Alles Labels, die wissen, wie man Social Media in 2016 nutzt. Die Frage, die ich mir gestellt habe ist: Halten diese Labels auch im echten Leben das, was sie online versprechen?

Und die Antwort ist: Ja, sie tun es!

Als wir für unser Magazin KALTBLUT am Tag der Fashionshows bei der BAFW erschienen, um die Collections und Models zu fotografieren, war ich wiedermal überrascht, wie gut und hoch diew Qualität der Mode ist. Es war zwar nicht alles mein persönlicher Geschmack; vieles ist mir zu bunt, zu schrill, zu sehr „Club Kids Fashion“. Aber die Verarbeitung und die Qualität der jeweiligen Kollektionen ist bemerkenswert. Mein Gedanke war sofort: Sie haben alle dazugelernt. Vor zwei Jahren sind ganze Outfits auseinandergefallen, sobald man sie nur angefasst hat. Oder die Stoffe waren reiner Plastikmüll. In 2016 wissen junge Designer, dass es mehr braucht als ein gutes Instagram-Bild und Tausende Follower bei Snapchat, um in der Modewelt zu bestehen. Sie haben verstanden, wie wichtig Social Media ist, aber sie wissen auch, wie wichtig es ist, sich in der realen Welt zu zeigen.

Backstage-Madness wegen einer einfachen Photo Booth …

Aber noch mal zurück zu Instagram und Co. Als wir bei der BAFW erschienen, um unsere Fotos für das Magazin zu machen, lösten wir einen totalen Backstage-Hype rund um unseren Photo Booth aus, was wirklich sehr lustig war. Leider gab der Backstage-Bereich nicht viel her, um „Instagram-ready“ Fotos zu machen. Da dachten wir: Warum zerreißen wir nicht einfach eine alte Ausgabe des KALTBLUT Magazines, tapen alle Seiten einfach an die Wand und schreiben PHOTO BOOTH drauf. Gesagt, getan. Von dem Moment an war unser Booth der Star des Tages. Jedes Model, all die Designer, die Berliner Presse und viele Blogger standen Schlange, um sich bei uns Fotografieren zu lassen. Denn wir gaben Ihnen, was heutzutage die Grundlage ist: Einen Background, um sich auf Social Media so zu zeigen, wie man sich selbst auf so einem Fashion-Event sieht. Einen Background, der mit ein paar Klicks auf den Apps toll aussieht und was hermacht. Mit dem KALTBLUT-Logo sah das Bild dann noch wichtiger aus. Ja, auch wir haben an diesem Tag gelernt, wie wichtig die richtige Präsentation im digitalen Social-Media-Leben ist. Frei nach dem Motto „GIVE THE PEOPLE WHAT THEY WANT“, und du bekommt die Klicks.

BAFW 2016 by Sebastian Pollin 6

BAFW 2016 by Sebastian Pollin_patriciafield

BAFW 2016 by Sebastian Pollin 2

Dank der BAFW hatte ich die Möglichkeit, nicht nur den Modenachwuchs zu sehen, sondern auch digitale Stars von damals und heute wie Patricia Field, Stylistin von Sex and The City und mittlerweile Style-Ikone, Candy Ken, den größten digitalen Star Österreichs, oder Nightlife-Superstar Amanda Lepore. Sie alle kamen nach Berlin mit dem Ziel, in der realen und digitalen Welt Aufsehen zu erregen. Mit Erfolg!

BAFW 2016 by Sebastian Pollin 1