Warum auch auf das gedruckte Wort warten, während online ständig neue spannende Geschichten entstehen, aufblühen und fast genauso schnell wieder vergehen. Wie kann sich das gedruckte Wort gegen die Geschwindigkeit unserer digitalen Flaschenpost behaupten.

Debatten, Wendungen, selbst Tragödien haben eine immer kürzere Halbwertszeit, müssen sich gegen unzählbare neue Eindrücke durchsetzen. Die Lautstärke nimmt mit der Textmenge zu. Und gleichzeitig bekommen die kürzesten Meldungen, Ausrufe oder Gedankenfetzen mehr Gewicht. Sprache und Umgangsformen sind roh geworden. Die Entfernung zwischen den Schreibenden hat zugenommen, während die Zeit zwischen den Antworten weiter schrumpft.

Fashionstatement Buch

Warten war gestern. Heute lassen wir Informationen, Beziehungen, Menschen lieber links liegen. Laufen weiter und wenn es mal ein richtiger Text sein soll, dann mit Bedacht. Das auf Papier verewigte Wort als Ausnahme, Artefakt, Fashionstatement. Immer dann, wenn ausnahmsweise Zeit ist, gönnen wir es uns. Lesen als Ritual, Teil des Status. Gegenentwurf zum reinen Konsumieren von Texten, diesen schlampig aneinandergereihten Wörtern.

Ist das jetzt schlechter? Oder einfach nur anders? Mit dem Smartphone als Schlüssel zu einem unendlichen, nie abgeschlossenen Diskurs. Hashtags als Lesezeichen, um uns zurechtzufinden, weiterzulesen, wo andere aufgehört haben. Bis uns die Antworten ausgehen, weil der Akku sich dem Ende zuneigt, das Ladekabel wieder mal zuhause vergessen wurde. Wahrscheinlich irgendwo am Nachtkästchen, begraben unter dem einen Buch, das man so gerne mal lesen möchte. Das intellektuelle Alibi.

Digitale Flaschenpost

Was jetzt folgt, sind vier kleine Texte. Stimmungsbilder, Betrachtungen zu alltäglichen Begleitern, die so selbstverständlich geworden sind, dass ihr Fehlen so manchen aus der Bahn werfen kann. Hingeworfen, zum Verbrauchen gemacht. Das Gegenstück zum Buch, die kleinste Ewigkeit, gerade genug Widerstand, um einen neuen Gedanken anzustoßen.