In der AfD ist ja antimäßig echt ne Menge los. Beatrix von Storch findet Abtreibungen ziemlich blöde, Frauke Petry findet Angela Merkel ziemlich blöde und Flüchtlinge findet eigentlich die gesamte AfD ziemlich blöde. Rassist_in ist aber keiner_keine. Ja, nee, ist klar!

Und eigentlich findet die AfD auch Homosexuelle ziemlich blöde, das weiß auch jeder_jede, nur Mirko Welsch, Gründer und Sprecher der Arbeitsgruppe „Homosexuelle in der AfD“, weiß das irgendwie nicht. Zumindest tut er so.
Mit seiner Truppe will Welsch beweisen, dass die AfD bei diesem ganzen LGBTiQ-Ding ganz vorne mitmischen kann. Das Problem bei der ganzen Nummer: Mirko Welsch ist meiner Meinung nach selber ziemlich homophob. Das weiß der aber irgendwie nicht, zumindest tut er wieder so.
Via Facebook beschimpft er einen User als „Gender-Ideologie-verstrahlte Eunuche“. Solche Aussagen findet Welschi-Boy ziemlich in Ordnung, denn „Männer müssen endlich wieder Männer sein. Gender-Mainstreaming ist keine Alternative.“ Das hat gaysessen!

Und wenn man so tickt, dann kann man schon auf die Schnapsidee kommen, dass die AfD nicht homophob sei. Ich glaube, in der Psychologie nennt man so etwas: Verdrängung. Anders kann ich mir irgendwie nicht erklären, warum ein Interessenverband wie „Homosexuelle in der AfD“ überhaupt zustande kommt. Gibt es so etwas eigentlich auch in der NPD? „Homosexuelle in der NDP“ oder auch schön „Juden_Jüdinnen in der NPD“. Wie es wohl der Arbeitsgruppe „People of Color im Ku-Klux-Klan“ ergehen würde? Gute Stimmung garantiert. Vielleicht sollte die AfD auch mal über die Gruppe „Flüchtlinge in der AfD“ nachdenken. Könnte passen, oder? Blöd wäre das mal ausnahmsweise wirklich nicht.

Denn welchen Nutzen hat denn die AfD von Welsch und Co?
Ganz einfach: Die Parteispitze kann weiterhin ihre homophoben Parolen heraushauen und dann schön geschmeidig auf den Interessenverband verweisen. So nach dem Motto: Wir haben ja die „Homosexuellen in der AfD“, also können wir ja gar nicht homophob sein. Oder: Welcher Homosexuelle wäre denn so bescheuert, eine Arbeitsgruppe in einer homophoben Partei zu gründen? Einer ist so bescheuert: Mirko Welsch.

Doch wenn man wie Welsch selber homophob ist, checkt man auch nicht, dass man als homosexueller Mensch nicht dafür verantwortlich ist, den homophoben Dünnschiss einer Partei wegzuwischen und das Ganze am Ende noch als demokratisches Parteiprogramm zu verkaufen.

Wirklich spannend wird es auch, wenn Welsch über Flüchtlinge spricht; die sorgen nämlich dafür, dass Frauenfeindlichkeit, Schwulenhass, Antisemitismus und der ganze andere Schweinekram ins aufgeräumte Deutschland importiert werden. Und auch hier zeigt Welsch seine fabelhaften Verdrängungs-Skills. Denn wenn man ganz fest daran glaubt, dass derartige Entgleisungen nicht rassistisch sind, dann sind sie es auch einfach nicht. Ende im Gaylände! Frauenfeindlichkeit, Schwulenhass und Antisemitismus klingen für mich nach AfD. Für Welsch nicht. Ist eben alles eine Frage der Perspektive oder eben der Verdrängungs-Skills.

Und was sagen Mirko Welsch und die „Homosexuellen in der AfD“ zur „Ehe für Alle“? Surprise, surprise: Finden die natürlich ziemlich blöde.
Denn Heterosexualität und Homosexualität sind einfach zwei verschiedene Paar Schuhe. Zitat aus den Leitlinien der „Homosexuellen in der AfD“.

„Eine Unterscheidung zwischen Ehe und Partnerschaft ist sinnvoll, weil es einen existenziellen Unterschied gibt. Eine phänomenologische Gleichbetrachtung widerstrebt dem gesunden Menschverstand, Homo- und Heterosexualität sind nicht dasselbe und in ihrer Unterschiedlichkeit und Besonderheit zu würdigen.“

Eine Gleichbetrachtung widerstrebt also dem gesunden Menschenverstand. Gut, jetzt ist es raus: Ich bin irre. Aber wenn „irre“ bedeutet, dass in meiner Welt niemand diskriminiert wird und für jeden Menschen die gleichen Rechte und Pflichten gelten, ganz gleich mit wem er_sie poppt, dann bin ich so was von megairre – und finde das auch ziemlich dufte! Alles eine Frage der Perspektive …

Und dann stellt sich mir natürlich die Frage, was eigentlich der „existentielle Unterschied“ ist zwischen einer heterosexuellen Ehe und einer homosexuellen Partnerschaft.
Nach Welsch Verdrängungs-Denke bestimmt die Tatsache, dass die einen auf „natürlichem“ Wege Kinder bekommen können und die Anderen nicht. Und was ist mit heterosexuellen Paaren, die einfach kein Bock auf Kinder haben oder warum auch immer (geht ja niemanden was an) keine Kinder haben wollen oder können?
Müsste man die dann nicht zwangsverpartnerschaften, weil sie ihrem gesellschaftlichem Keimzellen-Auftrag nicht gerecht werden? Eine richtige Ehe und Familie besteht ja schließlich aus Vater, Mutter und Kind. Jetzt wird’s komplex, Herr Welsch. Also lieber weiter verdrängen, gell?!

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