Na, auch mit einem Kater aufgewacht? Meiner begleitet mich seit Mittwoch, dem 9.11., dem für mich schwärzesten Tag seit langem. Egal, wer schuld am Debakel ist, es ist ein Desaster, wie das orangefarbene Meerschweinchen über Nacht zum Präsident der Vereinigten Staaten geworden ist. In meiner Social-Media-Filterbubble überschlagen sich die entsetzten Aufschreie, tobten die verzweifelten Endzeitvisionäre, die Wäre-doch-Bernie-statt-Hillarys und auch die Mutmacher mit Ärmel-Hochkrempel-Zitaten. All das ist richtig, und doch muss ich mich noch etwas suhlen im Post-Wahl-Blues, denn meine Romanze mit der besseren Welt wurde jäh beendet. Und bei Liebeskummer muß man eben leiden. Apropos Filterbubble: Diese Grafik veranschaulicht, wie Facebooks Algorithmus die Newsfeeds – je nach politischer Fasson – einfärbt.

David Remnick beschreibt seine Post-Wahl-Depression anschaulich im New Yorker und schimpft: „Die ganze Zeit schien Trump, der seine Kampagne damit begann, die Mexikaner allesamt als Vergewaltiger zu bezeichnen, eine verzerrte Karikatur der verrotteten radikalen Rechten zu sein.“ Wir sind also wenigstens nicht allein mit der Depression und dem Schock. Auch Moby kann sich nicht damit anfreunden, was seine Landsleute ihm angetan haben. In einem offenen Brief fragt er Amerika „What the fuck is wrong with you?“ und rechnet dabei ab mit “the same America that eats at burger king and is baffled as to why it ends up obese and cancerous and dying.”

Dabei hätte uns aufrütteln können, dass sich schon Slavoj Žižek auf Seiten Trumps schlug. Paul Donnerbauer äußert sich dazu mal nicht polemisch in der Vice, Rebecca Schuman dafür umso entgeisterter bei Slate. Wer mit Žižeks Philosophie nichts anfangen kann, darf von Michael Moore, wahrlich kein Freund subtiler Worte, gesagt bekommen, warum er schon im Juli dieses Jahres an einen Wahlsiegs Trump glaubte. Nur mal so am Rande, auch die Simpsons haben bereits im Jahre 2000 Trumps Wahlsieg vorhergesagt (Achtung: gloomy), darüber schrieb am Mittwoch sogar die FAZ.

Aber wahrscheinlich versteht kein Mensch oder zumindest ich nicht, wie das amerikanische Wahlsystem wirklich funktioniert. Denn: Hillary hat eigentlich doch gewonnen. Zumindest hat sie mehr “popular votes” als Trump. Aber dank des Systems des Electoral Colleges, das Trump selbst noch vor vier Jahren als “disaster for a democracy” anprangerte, gewann Trump. Im CNN-Interview erklärt Professor Larry Sabato, warum dieses System die Republikaner begünstigt. Auch der kalifornische Blogger Keith Telfeyan hat sich im DailyBreadMag über den amerikanischen Wahlprozess ausgelassen. Wer so Kompliziertes lieber auf Deutsch lesen will, dem sei das Erklärstück aus dem Spiegel empfohlen.

Zeit für etwas Satire. Damit ihr eine Vorstellung von dem bekommt, was für ein Mensch da eigentlich der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika geworden ist, lest hier einfach mal kurz rein zur allgemeinen Belustigung.

Doch zurück zum bitteren Ernst: Psychoanalytiker Prof. Hans-Jürgen Wirth sagt, Trump sei ein Narzisst. Das wurde auch schon anderen schlimmeren Schurken attestiert; von Hitler über Stalin bis Pol Pot – you name it – allesamt von Narzissmus befallen. Wer sich intensiver mit Narzissmus und Macht befassen möchte, dem sei die nicht hochaktuelle aber sehr spannende Lektüre über Macht und Narzissmus aus der Reihe „Politik und Zeitgeschehen“ von der Bundeszentrale für Politische Bildung empfohlen.

Und damit wir wenigstens noch etwas zu lachen haben, hier ein Ausschnitt aus der Daily Show mit Trevor Noah zur US-Wahlnacht.

Und seid gewiss: Nicht nur wir hassen ihn. Viel Freude trotz allem im Wochenende.

Headerbild: John Dory via Shutterstock