Das Kürzel BDSM ist die große Sammelbezeichnung für die sexuellen Spielarten Bondage, Disziplin, Dominanz, Submission (Unterwerfung), Sadismus und Masochismus. Verkürzt spricht man auch von DS, Dominance & Submission.

Viele Menschen binden Teile dieser Praktiken, oft auch unbewusst, in ihr Liebesleben ein. Ein Klaps auf den Po, ein bisschen Augen verbinden, vielleicht ein paar Handschellen… Trotzdem hat die breite Öffentlichkeit ein recht verzerrtes Bild von BDSM, dass durch klischeebeladene Hollywood-Darstellungen noch verstärkt wird.

Über die ganze Wahrheit hinter der Schmutzwäsche kann man gute Bücher lesen, gute Podcasts hören oder sich selbst in das Thema „einarbeiten“. Drei große Vorurteile möchte ich hiermit schon mal aus dem Weg schaffen.

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Auf Nummer sicher

Im Fachjargon werden die dominanten Partner kurz Dom/ Top genannt oder Herrin/ Herr (engl. Mistress/Master). Den sich unterwerfenden Partner bezeichnet man als Sub/ Bottom oder Sklaven (slave).
Das Bild von der/dem unkontrolliert um sich peitschenden Herrin/Herren ist wohl das größte Missverständnis, was sexuelle Dominanz anbetrifft. Die drei wichtigsten Schlagworte für alle Handlungen lauten: safe, sane and consensual (sicher, vernünftig und in gegenseitigem Einvernehmen).

Niemand darf zu etwas, das er nicht möchte, gezwungen werden. Andernfalls handelt es sich um eine Straftat. Freiwilligkeit und Konsens sind die Grundvoraussetzung aller sexuellen Praktiken.
Weil Konsens und Sicherheit eine so wichtige Rolle spielen, sind schriftliche oder verbale Vereinbarungen zwischen den Spielpartnern essentiell. Ohne offene Kommunikation geht gar nichts. Auch nach dem Spiel wird besprochen, was für beide gut oder nicht so gut war.

Es ist also keineswegs so, dass der dominante Part komplett frei entscheidet, was er oder sie mit dem sich unterwerfenden Part anstellt. Das Spiel soll dazu dienen die sexuellen Fantasien beider Partner zu befriedigen. Es muss außerdem immer ein sogenanntes Safeword geben, das vorher vereinbart wird und allen Beteiligten als eine Art verbale Notbremse dient um die Spielsituation sofort zu beenden. Das Safeword kann ganz banal „Stop“ lauten oder aber auch „Sahneschnitten“. Dies könnte unter Umständen schwer auszusprechen sein wenn man etwa eine Knebel im Mund hat.

Da BDSM-Spiele großes Vertrauen erfordern, sind flüchtige Begegnungen oder One-Night-Stands eher die Ausnahme. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt auch eine Art BDSM-Facebook – fetlife! Dort kann man Kontakte knüpfen und sich über Events, Parties und Workshops informieren.
Manche Spielpartner treffen sich über lange Zeiträume hinweg, da sie die Vertrauensbasis brauchen, um das Ganze genießen zu können, manche mögen lieber flüchtige Begegnungen ohne emotionale Bindung aber mit klaren Regeln.

Viele Menschen leben diese Fantasien auch in einer romantischen Zweierbeziehung aus, was uns zu Vorurteil Nummer zwei bringt.

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Romantik

„Ich liebe diesen Menschen, ich kann ihm doch nicht wehtun!“

Nur bei extremen BDSM-Praktiken geht es darum, jemanden ernsthaft zu verletzten. Die meisten „Bestrafungen“ sind sehr spielerisch und harmlos. Wenn beide Partner Spaß daran haben zu dominieren beziehungsweise sich zu unterwerfen, kann durch das gegenseitige Vertrauen und die gemeinsam erlebte Lust eine Verbundenheit entstehen, die romantischer kaum sein könnte. Eine gut funktionierende Kommunikation ist der Schlüssel dazu, seinem Liebsten seine verborgensten Wünsche zu offenbaren. Der Schlüssel also für eine langfristige Liebes- und Sexbeziehung.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und wie weit man geht, entscheidet man immer zusammen. Natürlich gilt es, die Grenzen des anderen zu akzeptieren und ihn nicht unter Druck zu setzen – aber das sollte auch außerhalb des Schlafzimmers in jeder Beziehung Grundvoraussetzung sein! Im Zusammenhang mit Romantik sei auch noch die Wichtigkeit der Zärtlichkeit erwähnt. Moment, sprachen wir nicht von Peitschen, Bondage und Handschellen?

Ja, genau. Ein solches Liebesspiel kann einen in rauschartige Höhen katapultieren, so dass man gerne mal kurz die Verbindung zur Realität verliert beziehungsweise danach in ein emotionales Loch fällt. Deshalb ist die sogenannte Aftercare von großer Bedeutung. Besonders der sich unterwerfende Part muss nach dem Spiel ordentlich aufgefangen und einfach mal in den Arm genommen werden. Kuscheln, Küsse, Liebkosungen, ein deftiger Snack und eine gute Tasse Tee.

Wer böse sein will, muss auch lieb sein können.
Was uns zu Punkt drei bringt:

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Normalität

„Bin ich krank, weil ich solche Fantasien habe?“

Ganz ehrlich. Was ist schon normal? Die menschliche Sexualität ist ein weites Feld, und je höher unser Gehirn entwickelt ist, desto verrücktere Sachen denkt es sich aus.
Viele Menschen, die sexuell dominant sind, sind auch im Alltag überdurchschnittlich handlungsorientiert und durchsetzungsfähig. Diese sogenannten aktiven Doms empfinden ihre Neigung als starken Teil ihrer Persönlichkeit, der oft schon im Kindesalter ausgeprägt war. Sie berichten von frühen Unterdrückungsfantasien und -erfahrungen. Kommt es zur Verknüpfung dieser Eigenschaften mit der eigenen Sexualität, kann man eine solche Neigung kontrolliert ausleben, ohne im beruflichen Alltag zum Tyrannen zu werden.

Es gibt aber auch die passiven Doms, die eine solche Rolle erst erlernen, Spaß daran haben und sie nicht nur im Schlafzimmer als Bereicherung empfinden. Wer seine sexuelle Kraft stärkt, potenziert auch seine sexuelle Ausstrahlung und verfügt oft über ein stärkeres Durchsetzungsvermögen in Alltagssituationen.

Viele sexuell unterwürfige Menschen wissen oft auch schon von klein auf, dass ihnen diese Rolle Befriedigung verschafft. Sie waren im Kindergartenalter diejenigen, die es genossen, sich einsperren oder an den Baum fesseln zu lassen. In enger Bondage fühlen sie sich sicher. Zum Objekt gemacht zu werden, bedeutet für sie, Kontrolle abgeben zu können und nicht handeln zu müssen. Eine zugegebenermaßen etwas außergewöhnliche Art der Entspannung.

Das Klischee vom Unternehmenschef, der sich nach Feierabend auspeitschen lässt, hat sicherlich seine Berechtigung, aber auch unsichere, schüchtere Menschen sind gerne Subs und begrüßen die Struktur und die Regeln, die ihr Meister oder ihre Meisterin ihnen auferlegt.
Ob ihr nun Unternehmenschef oder Blogger seid – BDSM ist für alle da.

Denn was ist schon normaler Sex? Normal ist einfach nur das, was allen Beteiligten Lust und Freude bereitet. Deshalb liebt euch, streichelt und schlagt euch – aber stets mit dem nötigen Respekt.

Darauf einen Peitschenhieb!

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Alle Fotos: Eylül Aslan