STRAIGHT: Wir haben dich bei der re:publica TEN gesehen. Da hast du deinen Vortrag “Geld verdienen mit Selbstbefriedigung” mit einem Penis Stand Up eröffnet. Mit uns musst du dir bitte was anderes einfallen lassen, um das Gespräch zu eröffnen.
Theresa Lachner: Viva la Vulva! Penis wurde mir auch schon angekreidet von Frauen. Aber Penis kann man halt gut schreien, das hat diesen Tourette-Charakter.

… Penis, Penis, Penis – Viva la Vulva Viva la Vulva Viva la Vulva
… Ja Viva la Vulva flowt da nicht so richtig. Im Ernst: Ich bin generell fürs Geschlechtsteile korrekt benennen. Viele Frauen kennen übrigens den Unterschied zwischen Vagina und Vulva nicht.

Vulva bezeichnet die äußeren Geschlechtsorgane wie Schamlippen, Schamhügel, Klitoris. Vagina ist die Scheide – Scheide Scheide Scheide – geht auch als Tourette. Für alle anderen gibt es zum Glück Lvstprinzip, deinen Blog! Warum Sex?
Wenn’s in den Medien um Sex geht, dann ist das sehr stereotyp. Es gibt ein klares Rollenbild. Sehr Service orientiert: Wie werde ich die beste Liebhaberin der Welt, damit der Mann mir nicht wegläuft und wir Kinder machen. Sexualität wird auch als Art Währung eingesetzt, der Körper ist mein Kapital. Alles in allem wenig feministisch, es geht nur ums Liefern als Frau. Das war einfach nie mein Sex, der abgebildet wurde und ich konnte mir nichts mitnehmen. Stattdessen wollte immer weg und sagen: Sex kann darf auch mal seltsam sein. Da treffen nicht nur Schleimhäute sondern auch Gefühle und ganze Wertesysteme aufeinander. Das ist, was ich spannend finde und was ich mit Lvstprinzip nun mache.

Du publizierst mit deinem Blog unter vollem Namen. Und gibst natürlich einiges preis von dir. Wie grenzt du dich dennoch ab?
Das ist größte Gratwanderung in meinem Job, in meinem Leben. Wo ist die Grenze, was bleibt im Verborgenen? Ein Sexualtherapeut meinte, dass Offenheit ein Schutzschild ist. Wenn ich mich verletzlich zeige, dann trauen sich die Leute gar nicht mich zu haten.

Haten dich die Leute denn?
Ich bekomme bislang kein Hatemails. Aber nochmal zurück zum Abgrenzen: Ich kann das gar nicht so genau sagen, wie das gehen soll. In einem Porno spiele ich zum Beispiel nicht mit, ich bin ja Journalistin. Auch wenn ich das spannend fände, → kann raus aber ich muss mich nicht noch mehr körperlich exponieren. Das mache ich so schon zur Genüge, wenn ich öffentlich über Sex sprechen und dann später Bilder von mir irgendwo sehe.

Keine Hates, das spricht für den Bedarf deines Blogs, oder?
Ja, ich bekomme sehr viel Liebe. “Danke, dass es dich und deinen Blog gibt.” Geiler geht es nicht: Ich stelle mich nackt hin und alle klatschen!

Wer liest denn deinen Blog?
Ausgeglichen. Frauen und Männer. Neulich kam ein Mann an und entschuldigte sich schon fast, dass er Fan des Blogs ist. Ich finde das super, ich würde mir auch noch mehr männliche Gastautoren wünschen.

Was tust du denn auf Lvstprinzip für die queerliebenden Frauen?
Ich habe über euch berichtet, und dann habe ich was über die Homoehe geschrieben als diese in den USA durchgewunken wurde. In meinem Artikel geht es darum, wie Putin mir meinen Aufriss versaut hat. Ich hatte was mit einer Frau aus Russland. Das war voll “Bäm” mit ihr. Wir wollten uns, sie wollte es, aber sie konnte nicht. Es ging einfach nicht für sie. Dieses Erlebnis fasste ich in “Bisexuelle Gefühle, die an Putin” scheitern zusammen.

Ok, mit dem persönlichen Erlebnis bist du in unserer straighten Community drin.
Ja, ich hatte keinen Bock, dass mein sexuelles Selbstverständnis überhaupt ein Thema sein muss. Lvstprinzip definiere ich als einen Selbstverständlichkeitsrahmen, in dem einfach Sachen sein dürfen, ohne Schubladen aufzumachen. Hier kann ich einfach sagen: Ich habe eine Frau gesehen und war verknallt. Punkt. Auf den Artikel mit Putin habe ich übrigens von vielen Frauen aus meinem Umfeld positives Feedback bekommen, die schrieben, sie wären gerne die russische Frau gewesen. Es schien so, als hätten sich plötzlich Frauen getraut, ihr Interesse zu äußern. So was macht meine Arbeit aus.

Mit STRAIGHT machen wir eine Schublade auf. Wir definieren uns frauenliebend. Kannst du diesen Ansatz verstehen?
Klar, warum solltet ihr das nicht tun?

Es kann ja sein, dass du sagst, die Schublade ist unnötig und nicht mehr relevant?
Ich persönlich hinterfrage nicht, wen ich heiß finde. Frau, Mann oder Objekt. Aber natürlich gibt es Frauen, die auf Frauen stehen. Für die ist STRAIGHT natürlich eine wichtige Stimme. Solange es Heteromagazine gibt, in denen selbstverständlich vorausgesetzt wird, dass Männer und Frauen aufeinander stehen, muss es mit genau derselben Selbstverständlichkeit auch queere Magazine geben.

Queere, lesbische und bisexuelle Frauen haben im Netz manchmal einen schweren Stand. Lesbian Sex macht die Männer geil, auch ansonsten gibt es viel unrühmlichen xxx-Kram. Wie blickst du auf frauenliebende Frauen in den Mainstreammedien?
Auf Bento gab es neulich einen Text mit der Überschrift “Wie gut ist Scherensex wirklich” – da habe ich den Text schon gar nicht mehr gelesen, weil ich bei dem Wort schon so gek**** habe. Grade Überschriften sind im Bereich Sex mega gefährlich, vielleicht wurde der Autorin diese Headline aufgedrängt.

Wir haben die Überschrift auch gesehen und direkt weggeklickt. Es ist ja ohnehin so, das lesbischer Sex immer noch ungezügelt als Scharfmacher taugt. Bei Männern habe ich manchmal den Eindruck, bei denen geht sofort der Sexblinker bei Frauen an, wenn man sagt, dass man Frauen liebt. Mich nervt diese Sexualisierung. Kannst du diesen Groll nachvollziehen?
Klar, weil man seine Sexualität ja nicht für jemand anderen zum Anschauen lebt. Man ist ja in diesem Moment lustvolles Subjekt und nicht Objekt irgendeiner Außenbegierde. Es geht ja darum was zu fühlen und nicht auszusehen. Sorry Boys!

Und damit zurück zu den Frauen. Du bist die Expertin. Wo sollen sich frauenliebende Frauen im Netz hinverirren, außer auf deine eigene Seite?Mein Lieblingstumblr: Love and Dreams
Lieblingsfotografin/Regisseurin: Goodyn Green
Queerporno-Fairtrade-Streamingseite: PinkLabel

Und zum Schluss noch einmal
… Viva la Vulva!

Headerbild: Theresa Lachner