Anfang Januar fand die 50. Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas statt. Dort werden jedes Jahr die neusten Innovationen aus der Unterhaltungselektronik vorgestellt. Der Renner dieses Jahr: Alexa, die weibliche Roboterstimme. Mit ihr hat Amazon seine Mitbewerber im Wettrennen um die beste Software für Sprachsteuerung vorerst abgehängt.

Inzwischen wird die Software in alle erdenklichen Produkte eingebaut und soll uns schon bald im Haushalt unterstützen. Smart Home, also das vernetzte und automatisierte Zuhause, ist einer der stärksten Trends im Bereich der Consumer Electronics. Von der Heizung bis zur Waschmaschine: Nutzer sollen sich schon bald mit vielen ihrer Haushaltsgeräte unterhalten können.

Wozu ist Sprachsteuerung gut?

Gehören schmierige Touchscreens und knubbelige Knöpfe damit der Vergangenheit an? Besonders in der Küche könnte die Technologie Vorteile bringen. Beim Kuchen backen den Ofen anschalten zu können, ohne vorher den Teig von den Händen waschen zu müssen, bringt einen gewissen Komfort mit sich. Noch wichtiger erweist sich Sprachsteuerung beim Autofahren. Sie kann es dem Fahrer ermöglichen, das Radio oder die Sitzheizung zu bedienen, ohne die Augen von der Straße richten oder die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen.

Abgesehen von diesen besonderen Situationen wird Sprachsteuerung aber wohl auch in Zukunft eine Randerscheinung bleiben. Eingeschränkt wird sie weniger durch die technologischen Möglichkeiten, als durch den Nutzer selbst. Der Mensch ist nämlich in erster Linie ein Augen-Tier. Durch Grafiken und Texte versteht er Dinge einfacher und schneller als durch reine Sprache. Schon nach wenigen Sätzen vergisst der Zuhörer, was zuvor gesagt wurde. Das ist der Grund, weshalb bei Vorträgen üblicherweise Folien gezeigt werden, um die wichtigsten Punkte noch einmal hervorzuheben.

Was heißt das also fürs Smart Home? Einfache Dinge kannst du tatsächlich schon in wenigen Jahren mit kurzen Sprachbefehlen erledigen: den Ofen einschalten, den Rollladen herunterlassen, die Temperatur am Wasserhahn einstellen. Oder ein Musikvideo in deinem Wohnzimmer aufnehmen, bei dem der Ton eindeutig nicht mit dem Bild übereinstimmt.

Von einer Umgebung, die wirklich smart ist, sollte man in Zukunft aber erwarten können, dass sie sich auch ohne Sprachbefehle auf den Menschen einstellen kann. Für komplexere Anwendungen werden wohl auch unsere Enkelkinder noch eine visuelle Darstellung brauchen. Sprachsteuerung bleibt damit vorerst ein Gimmick, das selten einen bahnbrechenden Vorteil bringt.

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Hinzu kommt, dass es auch aus Datenschutzgründen bedenklich ist, die eigene Wohnung mit Mikrophonen auszustatten, die mit einer Spracherkennungssoftware ausgestattet und an das Internet angeschlossen sind. Computer und Handys können theoretisch gehackt und Menschen somit belauscht werden. Für die meisten dürfte diese Information nicht mehr neu sein.

Sprachassistenten wie Alexa sind jedoch ein ganz anderes Kaliber. Beispielsweise sind im Amazon Echo, Amazons hauseigenem Lautsprecher mit Sprachsteuerung, sieben Fernfeldmikrofone verbaut. Sie sind gezielt darauf ausgelegt, auch dann mithören zu können, wenn der Sprecher weit vom Gerät entfernt ist und es laute Hintergrundgeräusche gibt.

Würde man sich in ein solches System einhacken und auf bestimmte Schlüsselbegriffe warten, ließen sich ohne Probleme hunderte Gespräche automatisch überwachen. Das Radio einzuschalten oder den Wasserhahn aufzudrehen, wie man es aus Agentenfilmen kennt, würde längst nicht mehr ausreichen, um Mithörer abzuhängen.

Auf der anderen Seite ist Sprachsteuerung auch dafür anfällig, unbeabsichtigt bedient zu werden. Eine Taste zu drücken ist schwierig, wenn man sich nicht direkt vor dem Gerät befindet. Sprachbefehle können jedoch auch über große Distanzen übermittelt und an einem fernen Ort durch einen Lautsprecher wiedergegeben werden. Erst kürzlich hat der Satz eines Moderators im amerikanischen Frühstücksfernsehen dazu geführt, dass Amazon-Echo-Geräte von Zuschauern versuchten, ein Puppenhaus zu kaufen.

Ob Sprachsteuerung der große Hit wird, bleibt also abzuwarten. In einigen Situationen und für bestimmte Personengruppen wird es hilfreich sein, wenn Geräte ohne Hände bedient werden können. Deshalb ist es gut, dass Spracherkennung weiterentwickelt wird. Ob man es auch zuhause braucht, um nicht nach der Fernbedienung auf dem Couch-Tisch greifen zu müssen, muss wohl jeder selbst entscheiden.

Headerbild: Frederik Görtelmeyer