Manchmal lüge ich mir selbst in die Tasche. Zum Beispiel dann, wenn ich ein Paar unheimlich scharfer Lederboots in den Warenkorb packe und, ohne eine Sekunde nachzudenken, auf „Kaufen“ klicke. Oder wenn der Flug nach München so unglaublich günstig ist und das Zugticket dreimal so viel kostet. Oder wenn ich vor Koffein-Jieper fast sterbe und es bei Starbucks gerade nur To-go-Becher zum Wegwerfen gibt.

Wir alle kennen diesen Mechanismus: Obwohl wir ganz genau wissen, dass etwas sch*** ist, machen wir es trotzdem. Währenddessen leiden wir unter kurzzeitiger Amnesie. Plötzlich haben die Schuhe in meinem Einkaufskorb nichts mehr mit der Kuh zu tun, die ihre Haut dafür geben musste, und auch der Klimawandel und die unnötigen Kaffeebecher-Müllberge sind plötzlich vergessen.

Schönfärberei ist per se keine schlechte Sache. Kürzlich las ich in der ZEIT, dass wir Menschen tendenziell zum positiven Denken neigen. Zum Beispiel glauben wir weniger häufig an Krebs zu erkranken, als das tatsächlich der Fall ist. In diesem Fall schützt uns die rosarote Brille vielleicht sogar vor einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

Doch wenn unsere Entscheidungen massive Auswirkungen auf das Wohl von anderen Menschen, Tieren oder der Welt um uns herum haben, sieht die Sache anders aus. Dann ist es eine gute Idee, sich immer wieder vor Augen zu führen, in welchem Zustand die Welt um uns herum ist und was hinter den alltäglichen Konsumentscheidungen steckt.

Denn am Ende habe ich dann doch keine Freude an besagten Lederboots. Oder könnte heulen über die Tatsache, dass wir die Gesundheit unseren Planeten langsam aber sicher gegen die Wand fahren und es bald kein Zurück mehr geben wird. Viel lieber möchte ich die ganze Wahrheit sehen und versuchen, mit meinem eigenen Handeln, so wenig Leid wie möglich für andere zu verursachen.

Deshalb nehme ich die rosarote Brille von Zeit zu Zeit ab und führe mir im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen, was hinter unserer schönen Alltagswelt steckt. Und zwar mit diesen vier Dokumentationen. Denn die unschöne Wahrheit liegt meistens nicht in unseren netten Kiezcafés, sondern an Orten, an denen wir uns normalerweise nicht aufhalten.

The True Cost

Der Dokumentarfilm The True Cost über die Modeindustrie zeigt, wer den hohen Preis zahlt, den wir für günstige Klamotten nicht bezahlen. Eindrucksvolle Bilder, wichtige Informationen, persönliche Geschichten und einige Ideen, wie man sein Konsumverhalten ändern kann. Über die Schattenseiten der Mode hat meine Kollegin Franziska Schmid schon ausführlicher auf DailyBreadMag geschrieben.

Earthlings

Der Klassiker unter den Filmen über die vegane Lebensweise. Earthlings widmet sich den verschiedenen Bereichen, in denen Menschen Tiere für ihre Zwecke nutzen, und zeigt in schwer verdaulichen Bildern, was das für die Tiere bedeutet.

Cowspiracy

Der Dokumentarfilmer Kip Anderson geht in Cowspiracy der Frage nach, warum selbst Umweltschutzverbände die Massentierhaltung als größten Klimakiller unserer Zeit nur selten benennen.

Before The Flood

Ein Film von Leonardo DiCaprio, der die Auswirkungen des Klimawandels zum Thema hat und bewusst macht: Jetzt ist die Zeit, etwas zu ändern! Über die Hintergründe des Films habe ich hier ausführlicher geschrieben.

Die Filme gibt es auf Netflix, YouTube oder on demand. Ich habe mir vorgenommen, solche Dokumentationen regelmäßig anzusehen, um mein Gedächtnis ein wenig aufzufrischen. Denn ich möchte mir nicht mehr in die (Leder-)Tasche lügen. Das heißt, dass ich ab und zu auf Komfort verzichte oder mehr Geld investiere, um „gute“ Produkte zu kaufen, zum Beispiel Kosmetikprodukte, die ohne Chemie auskommen, oder Gemüse direkt vom Bauern auf dem Markt.

Ganz oft ist der Verzicht im Übrigen ein Zugewinn. Ich entdecke tolle neue Labels, die schöne Klamotten oder Kosmetik auf ethisch korrekte Art produzieren, oder merke, dass ich vieles, was ich für unverzichtbar gehalten habe, gar nicht brauche. Reisen mit dem Sparticket in der 1. Klasse im Zug zum Beispiel. Genial. Wer will da noch fliegen?

Ich glaube, wir können alle einen kleinen Beitrag zum Gelingen des Projektes Erde leisten. Wir können es zumindest versuchen. Jede Strecke, die wir nicht mit dem Auto fahren, und jedes Steak, das wir nicht essen, machen nämlich einen Unterschied. Denn wenn wir unsere Welt im Kleinen zum Positiven zu verändern, dann wirkt sich das irgendwann sicher auf das große Ganze aus.

Headerbild: Rebecca Randak