In Amerika regen sich momentan ziemlich viele Menschen darüber auf, dass Mütter oder Väter ihre kleinen Kinder auf den – ACHTUNG! – Mund küssen. SKANDAL! Wie können die nur?! Richtig schlimm wird es, wenn sie das Ganze dann auch noch öffentlich auf Instagram und Co zeigen. Und wir alle wissen, kann jeder Mensch mit Internetzugang Bilder kommentieren, wie er möchte; mit Beleidigungen, Drohungen, sexuell Anzüglichem, fiesen Gemeinheiten – alles wird rausgelassen. Die Bandbreite der Wut ist bekanntlich unerschöpflich.

Ich persönlich finde es durchaus diskussionswürdig, wenn Menschen, ob prominent oder nicht, ihre Kinder regelmäßig mit komplettem Gesicht auf Social Media präsentieren. Doch ist es wirklich schlimm, Bilder zu posten, auf denen man seine Kinder auf den Mund küsst?

Ich finde nicht. So lange das alles auf freiwilliger, liebevoller Basis passiert, haben etliche Psychologen und möglicherweise auch der natürliche Menschenverstand bestätigt, dass ein gewisses Maß an Intimität zwischen Eltern und Kind einen positiven Effekt auf die Entwicklung des Kindes hat.

Losgetreten wurde die letzte große „Oh nein, sie küsst ihr auf den Mund“-Entrüstungslawine mit Instagram-Bildern von Victoria Beckham und Hillary Duff, auf denen sie ihre Kinder auf den Mund küssen.

Happy Birthday baby girl 🙏🏻💕 We all love you so much 💜💜💜 X @davidbeckham @brooklynbeckham kisses from mummy X

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Beide Frauen ernteten ziemlich heftige Kommentare für ihre Posts: „nasty“, „sexual abuse“, und „unhealthy“ sind nur einige davon. Hillary hat nicht geschwiegen und den Hatern klar gemacht, dass sie einfach gehen sollen, wenn sie den Kuss für ihren Sohn als „offensive“ bezeichnen:

Es gibt Blogger, die ganz öffentlich proklamieren, dass Kinder für den Mundkuss ihres Vaters einfach immer zu alt sind. Auch InStyle-America-Editorial-Projektdirektorin Faye Penn, gibt zu, dass ein warmer Umgang mit den eigenen Kindern total spitze ist, sie beim direkten Lippenkontakt allerdings ihre Grenze zieht. Die Münder ihrer Kinder sind „off limits“. „I worry that lip kissing would be intrusive to them and it’s kind of gross to me.“

Wenn ich genau drüber nachdenke, erscheint es mir irgendwie logisch, dass Kinder ihren Eltern selbst zu verstehen geben, wenn sie Mama und Papa nicht mehr auf den Mund küssen möchten. Jedes liebevolle und gesunde Elternteil sollte diesen Wunsch natürlich respektieren. Meine Eltern und ich küssen uns übrigens heute noch auf den Mund. Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander und schämen uns beim Begrüßungsküsschen in der Öffentlichkeit kein bisschen. Ich empfinde es in keiner Weise als sexuell aufgeladen, abartig oder verletzend, von Mama und Papa einen fetten Knutscher zu bekommen. Hauptsächlich fühlt sich das ganze einfach sehr normal an.

Andere Länder, andere Religionen, andere Sitten, andere Beziehung zu den Eltern: All das kommt zusammen, wenn Menschen darüber entscheiden, wie viel Nähe zum eigenen Fleisch und Blut erlaubt ist. Niemand darf eine Generalentscheidung darüber fällen, was in dieser Debatte gut oder schlecht ist und somit für jedes einzelne Kind dieser Welt gelten sollte. Insgesamt halte ich es  für deutlich übertrieben, Eltern aufs Bitterste zu beleidigen oder ihnen gar sexuelle Intentionen zu unterstellen, wenn sie ihre Kinder öffentlich auf den Mund küssen. Für Victoria Beckham und ihre Tochter Harper gehört das Küsschen offensichtlich zur Routine – und man muss schon ein ganz schöner Schelm sein, um dabei Böses zu denken.

Was sagt ihr denn dazu? Küsst ihr eure Eltern? Findet ihr es schlimm, dass ihr geküsst wurdet? Habt ihr das Gefühl, deswegen im Erwachsenenalter irgendwie „gestört“ zu sein? Oder findet ihr die Debatte einfach nur lächerlich nach dem Motto: Lasst doch Eltern bitte einfach ihre Kids küssen? Please share your feelings!

 

Text: Anni #teamimgegenteil
Headerfoto: Knutschende Mama via Shutterstock