Du hast durch harte Arbeit deine Träume verwirklicht? Du fühlst dich nun befähigt, mehr zu leisten? Mehr für ANDERE? Ein Anfall des Altruismus? Du willst deine Erfolgsgeheimnisse in die Welt hinausposaunen? Instagram ist für dieses Anliegen die perfekte Plattform. Damit du weißt, mit wem du konkurrieren wirst, stelle ich dir die fünf typischsten Coach-Typen vor:

 

Die Do-it-yourself-Tante

 

Sie ist kreativ. Sie ist jung. Sie sind über 45: Die Do-it-yourself-Tante. Wenn sie nicht gerade dem hormonell bedingten Bastelfieber erliegt, hilft sie jungen Unternehmern, die Erscheinung ihres Start-ups auf Pinterest zu optimieren. Bekannter ist sie jedoch eher durch die Übertragung sämtlicher Internet-Symbolik auf Objekten aus Teig oder Wolle. Gehäkelte Instagram-Kissen? Twitter-Plätzchen? Emoji-Cupcakes? Diese Artikel sind nicht nur innovativ und lassen die Rentner am Tablet schmunzeln, sie sind auch in ihren vorstädtischen Boutiquen, die die Damen von ihrer Rente finanzieren, erhältlich. Die Message dieser DIY-Coaches ist: Kreativität verleiht Flügel! Egal ob Fenstermalereien, Serviettenhalter aus Pappmaché oder Herzchen auf dem Cappuccinoschaum. Befreie das kreative Biest in dir und überzeuge deine Kundschaft mit deiner Liebe für radikal-kreative Lösungen …beispielsweise für Cappuccinoschaum-Designs.

 

Der Messias

 

Er ist schon lange im Coaching-Business und kennt die antiken Regeln der Rhetorik wie seine rechte Hand. Er weiß: Eine gute Performance hat mehr Macht als tausend Worte. Deshalb bevorzugt er es, seinen Instagram-Account mit Videos zu füllen, in denen er zahlfreudigen Jungunternehmern mit lauter Stimme und taktvoll gesetzten Sprechpausen von der Bühne aus zusichert, dass nur der gewinnt, der auch wagt, dass nur der Erfolg hat der sich seinen Ängsten stellt … [viersekündige Pause] … dass nur der, der bereit ist, “aus seinen Augen zu bluten” seinem Traum auch verwirklichen kann. Er ist ein Urgestein des Unternehmertums, was ihn glauben lässt, er würde jeden und alles durchblicken. Seine Erkenntnisse preist er mit der Überzeugung eines Erleuchteten an, seine Business-Jünger, himmeln ihn als Start-up-Prophet an. Dieser mit einem Messias-Komplex gepaarte Größenwahn lässt ihn seine Relevanz auf einer Stufe mit Persönlichkeiten wie Martin Luther King und Nelson Mandela verorten, weshalb auch ihre Zitate einen Platz in seinem Feed finden. Sowie Selfies mit Politikern und Sportlern. Außerdem ist er ein Mann. Also wehe es verirrt sich auch nur ein Rotton auf der HDR-Aufnahme von seinem Privatjet. Wehe.

 

Die Entrepreneur-Barbie

 

In ihrem Leben gab es einen Tag, der alles veränderte, der sie bis ins tiefste ihres Wesens prägte und sie verstehen ließ: Nichts wird mehr so sein wie zuvor. SIE wird nicht mehr so sein wie zuvor – es war die Prom-Night. Die Erinnerungen sind verschwommen: Riemen-Sandaletten mit dünnem Absatz, Paillettenkleid und eine nach erbrochenem Champagner riechende Limousine. Sie ist hübsch, sie ist talentiert und beliebt. Und dafür kriegt sie an jenem Abend eine Krone, die sie nie wieder ablegen möchte. Denn sie ist sich sicher: Wenn ihr ihre Erscheinung bereits mit 18 eine Krone einbringen kann, wird es nicht mehr lange dauern, bis auch das Zepter hinterherkommt. Mit der Naivität einer Mittelstuflerin erklärt sie minderjährigen YouTubern, wie man Geld verdienen kann, dadurch, dass man einfach “man selbst ist.” Auch die Party hört niemals auf: Knapp bekleidet hüpft sie zwischen Palmen und weißen Ledersitzen durch ihren Instagram-Feed und versichert mit dem Lächeln einer Wahnsinnigen: “Get paid to be you!”

 

Der Success-Surfer

 

Das Leben dieses Success-Coach-Typen kann sich nur nach zwei Szenarien entwickelt haben. Ersteres und häufigstes Szenario: Er wird von Unternehmen wie RedBull oder Nike finanziert, um sein risikoreiches und Adrenalin-geladenes Leben auf der Piste oder dem Wellenkamm mit Hilfe einer an einen Selfie-Stick geklemmten GoPro (die Highend-Variante) festzuhalten. Captions oder Zitate sind unwichtig, denn die Message ist klar: Eier braucht der Mann. Mindestens Vier. Zwei in der Hose und zwei im allmorgendlichen Proteinshake (Sehr wichtig: alle vier roh). Das alternative Szenario: Er selbst besitzt Anteile an solchen Unternehmen und mit einer an einen Selfie-Stick geschnallten GoPro hält er sein abenteuerliches Leben auf der Piste und in den Wellen für neugierige Follower fest. Das Coaching funktioniert ausschließlich über die Nachahmung. Nacheifernde Entrepreneurs kaufen sich meistens einen Selfie-Stick und eine GoPro … naja, besser eine schlechte als gar keine Kopie.

 

Die Superheldin

 

Sie hat viel durchgemacht: Ein Leben auf Kosten des Staates, eine Vergangenheit als Managerin einer Dorfband und Ehefrau eines Beer-Pong-süchtigen Ehemanns. Entscheidend für ihr Dasein ist jedoch alles, was sie NICHT gemacht hat. Zum Beispiel eine Design-Ausbildung, die eine Farben- und Formenlehre mit einschließt. Eine normierende Mode-Erziehung an einer Privatschule. Oder die Liebe für das Minimalistische der Macintosh-Kultur. Diese Lücken und der Kontakt zu peripheren Gruppierungen wie der Punk- und Skater-Szene rechtfertigt den penetranten Kitsch und ihre ausnahmslose Blindheit bei der Farbwahl für ihre Instagram-Posts. Khaki-Schrift und pissgelber Hintergrund? Alles machbar – sofern es sich “authentisch” anfühlt. Ihre Idole entspringen ebenfalls nicht der in naturalistischen Tönen gehaltenen Menschenwelt, sondern der kunterbunten Superhelden Welt der Comic-Bücher. Ihr Feed erzählt die Geschichte einer Wonder Woman des Unternehmertums, die es vom Bordstein zur Skyline geschafft hat. Doch wie es sich für Superhelden gehört, sollen auch die in Not nicht vergessen werden; Frauen, Tiere, Punks. Deshalb geht der Erlös ihres grellen Merchandises an wohltätige Organisationen, deren CI mindestens ebenso farbenfroh ist wie die ihre.

 

Wer du sein möchtest, ob du gleich eine ganze neue Kategorie der Sucess-Coaches eröffnest, bleibt nur dir überlassen. Nur eines möchte ich dir noch mit auf den Weg geben: Bleib deiner Marke, ähm, dir treu!

Headerbild: Andy Kassier