Felix Fleer, Tizian alias Rythen und Jonas Landwehr sind DJs, Produzenten und Strippenzieher des noch jungen Labels RAW Imprint. Als loses Kollektiv, das Veranstaltungen organisiert und auf diesen auch gleich an den Decks steht, haben sie vor rund vier Jahren angefangen. Seit zwei Jahren verfolgen sie ihre musikalischen Träume und Ziele nicht nur passioniert, sondern auch ernsthaft. Letztes Jahr brachten sie die erste Schallplatte heraus, es trudelten die ersten internationalen Bookings ein. Letzten Januar waren sie unterwegs in Asien, um die Clubs in Taipeh und Tokio zu bespielen. Auch wenn sie schon ein paar Jahre tun, was sie tun, kommen sie quasi aus dem Nichts: aus Bielefeld nämlich. Das Filter-Redakteur Benedikt Bentler hat Felix und Tizian, die zusammen auch als Environ. Musik machen, zum Interview getroffen und mit ihnen über die erste Platte, internationale Auftritte, die eigene Radiosendung, und das nervige Facebook gesprochen. Und natürlich über Musik.

Wie lange macht ihr mittlerweile Musik?

Felix: 2012 haben wir die erste Techno-Party gemacht. Da waren auch noch andere Freunde dabei, Jonas Landwehr zum Beispiel. Ein halbes Jahr später ist Tizian dazugekommen. Wir haben dann angefangen, an Geräten herumzuspielen, an Loops gebastelt.

Tizian: Vor zwei Jahren ist das intensiver geworden. Wir haben Tracks nicht mehr nur angefangen, sondern auch fertiggestellt. (lacht)

RAW Imprint hieß damals ja noch RAW Bielefeld und war eher Kollektiv als Label oder?

Tizian: Ja, am Anfang waren wir ein Zusammenschluss von Leuten, die Partys veranstalten. 2015 gab es dann quasi einen kleinen Restart, aus RAW Bielefeld wurde RAW Imprint, vor allem weil wir ja auch endlich die erste Platte herausbringen wollten.

Was waren eure Erwartungen an die erste Platte, bevor sie letzten April erschienen war?

Felix: Erstmal war es nur aufregend. Die eigenen Tracks auf dem Lieblingsmedium. Wenn man sich entscheidet, eine Platte auf Vinyl herauszubringen, mit all der Wartezeit, den Kosten und so weiter, muss man sich der Sache auch irgendwie sicher sein. Ich glaube, wir haben das Maximum aus unseren damaligen Skills herausgeholt. (lacht) Ich bin immer noch damit zufrieden. Der beste Anspruch an die erste Platte ist doch der, dass man auch in zehn Jahren noch sagen kann: Doch, war schon cool.

Felix Fleer während der Asien-Tour im Januar 2017.
Felix Fleer während der Asien-Tour im Januar 2017.

Und nach dem Release wurden erstmal jeden Tag die DJ-Charts aktualisiert?

Tizian: In der ersten Woche: auf jeden Fall.

Felix: Klar haben wir auf die Resonanz geschaut und waren über das positive Feedback überrascht. Das kam auch von Künstlern, bei denen wir nicht damit gerechnet hatten. Dass Dave Clarke A1 von Environ spielt oder Laurent Garnier Inner Sanctum, damit hatten wir nicht gerechnet. Ich hab direkt Mutti angerufen: „Ey, Laurent Garnier fährt unseren Track, ich kann es nicht glauben.“ (lacht)

Ein paar Leute haben uns jetzt auf dem Schirm, das merkt man. Vorm Release waren wir davon überzeugt, dass die Platten locker weggehen werden. Aber einen Tag vorher dachten wir schon: Als ob 500 Leute eine Platte von uns haben und sogar kaufen wollen. Wer sollen diese Leute sein? Wir haben ja gerade mal zehn Freunde, die mit Sicherheit eine nehmen.

Tizian: Dieser Hype um das Release hält ja nur eine Woche. Dann geht der Absatz zurück und nur noch die Leute, die richtig hart auf decks.de oder deejay.de diggen, kriegen davon mit. Das Release steht nach ein paar Tagen ja wieder auf Seite fünfzig. Aber inzwischen sind nur noch wenige Pressungen übrig.

Kamen nach dem ersten Release mehr Bookinganfragen rein?

Felix: Ja, schon. Wir waren in vielen Städten in Deutschland unterwegs, wurden von Veranstaltern gebucht, die wir bis zur Anfrage auch noch gar nicht kannten. Highlight war der Gig im Moulin Rouge in Paris vor ein paar Wochen. Auf einmal spielt man in einem Club, dessen Namen man gefühlt schon kennt, seit man zehn ist.

Tizian: Das war schon das Highlight des Jahres. Dort sind auch nur Menschen, die tanzen. Es ein cooles Gefühl: Man sitzt zu Hause, macht das, was einem am meisten Spaß macht, also Musik, und wird genau deshalb in eine andere Stadt eingeladen. Dann kommt man dorthin, um genau das zu tun, was am meisten Bock macht. Weil die Leute das feiern. Und dann fährt man nach Hause und denkt: Voll das coole Wochenende.

Felix: Wenn man an den Punkt kommt, dass man jedes Wochenende drei Auftritte rund um den Globus hat – wo wir, glaube ich, niemals hinwollen –, dann ist das bestimmt nervig. Aber für uns ist das gerade einfach nur todesspannend.

Ihr wart dann auch in einer Sendung des Radiosenders Rinse France, oder?

Felix: Ja, und wir haben da jetzt sogar `ne eigene Sendung.

Die ihr hier aufnehmt?

Tizian: Ja, das läuft podcastmäßig. Die Gastkünstler schicken uns das Material zu, wir moderieren das dann.

Felix: Wir arbeiten jetzt auch an unseren englischen Ausspracheskills. Bei neunzig Prozent der Aufnahmen bekommen wir einen Lachflash, und aus den restlichen zehn Prozent besteht die Sendung. Ich glaube live wäre das besser. Aber es fühlt sich eben total pointless an, bei ihm oder bei mir im Wohnzimmer zu sitzen und dann auf Englisch über irgendwen zu labern.

Geht ihr mittlerweile anders an eure Arbeit als Musiker heran, als noch vor einem Jahr?

Felix: Ich glaube wir hatten schon relativ früh verstanden, was wichtig ist, wenn man ernsthaft Musik machen möchte. Das Wichtigste: Lieber zweimal nachdenken, als opportunistisch handeln. Wenn man verstanden hat, was das bedeutet, ist das schon mal nicht schlecht. Um viele Künstler finde ich es echt schade: Die machen geile Mucke, aber die Vermarktung stimmt einfach nicht.

Tizian: Du bist eben nicht nur Künstler, sondern nebenbei noch Marketingagent, Webdesigner und Social-Media-Manager. Am schlimmsten ist Facebook: Man hat kein Bock drauf, aber ist gezwungen mitzumachen. Dafür brauchts nicht mal ein Label, DJs sein reicht.

Jonas Landwehr während der Asien-Tour im Januar 2017.
Jonas Landwehr während der Asien-Tour im Januar 2017.

Aber genau dafür gibt es das doch auch, oder? Die Marke, die bestimmte Dinge vorgibt und den Künstler repräsentiert.

Tizian: Ja, das ist schon so eine Art Corporate Identity, aber da legen wir auch Wert drauf.

Diese Dinge werden mit wachsendem Erfolg ja nicht weniger. Und das gilt auch andersherum: Wenn du groß werden willst, hast du ein Interesse an Reichweite und nutzt Social-Media-Kanäle. Darauf verzichten nur ganz wenige.

Felix: Leute wie Rrose, die komplett nicht von dieser Welt sind und so krasse Musik machen, dass die sich automatisch im Universum verteilt.

Habt ihr ein konkretes Bild von euch in der Zukunft vor Augen? Ein bestimmter Club, eine bestimmte Crowd?

Felix: Die perfekte Crowd gibt es nicht. Aber wenn es ausschließlich um die Musik geht, und eben nicht um den DJ und sein Facebook-Profil, hat man quasi das perfekte Publikum.

Danke Jungs. Ich wünsch euch einen weiterhin erfolgreichen Weg nach ganz ganz oben.

Hört und seht RAW Imprint bei Soundcloud und Facebook.