Helen Fisher – nein, nicht diese Sängerin, sondern die amerikanische Anthropologin und Liebesexpertin – schob mit ihren Kollegen vor ein paar Jahren Menschen in einen Gehirnscanner (MRT), um mehr über die Auswirkungen von Liebe auf unser Hirn zu erfahren. Ihre Ergebnisse präsentiert sie in diesem TED-Talk.

Als Probanden dienten Fisher dabei ganz frisch Verliebte (die, die an nichts anderes als ihre/n Partner/in denken können), ganz frisch Getrennte (die, die an nichts anderes als ihre/n Ex-Partner/in denken können) und die, die nach 25 Jahren noch total verschossen waren (also die, die an nichts anderes als ihre/n Partner/in denken können). Kurz: die Hardcore-Lovers.

„Anthropologen haben Hinweise auf romantische Liebe in 170 von ihnen untersuchten Völkern gefunden. Sie haben kein Volk gefunden, in der es sie nicht gibt.“

Die Testpersonen sahen im Scanner erst ein Foto ihrer/ihres Geliebten und danach eins einer für sie neutralen Personen. Der Vergleich der Hirnscans brachte neue Erkenntnisse: Frisch Verliebte und frisch Verlassene weisen Aktivitäten in denselben Gehirnarealen auf – Areale, die Dopamin produzieren, die auch beim Orgasmus aktiv werden, die zum Belohnungssystem gehören und weit unterhalb von kognitiven Denkprozessen und Emotionen sitzen, nämlich in einem Teil dessen, was als „Reptilien-Kern“ des Gehirns bekannt und eng mit Motivation, Konzentration und Begehren verbunden ist. Es sind übrigens jene Hirnregionen, die auch während eines Koksrausches stimuliert werden.

Hitzige Energie, freudiges Herzrasen, schwitzige Hände, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Schmetterlinge im Bauch – all das sind Folgen eines großflächigen Hormonrausches, durchaus vergleichbar mit einem Rauschzustand. Romantische Liebe ist eine Sucht, eine absolut wundervolle Sucht, wenn es gut läuft, und eine absolut schreckliche, wenn es schiefgeht.

Befragt man College-Studenten, ob sie jemals jemanden zurückgewiesen haben, der sie liebte, oder ob sie jemals selbst von jemandem zurückgewiesen wurden, den sie liebten, antworten über 90 Prozent auf beide Fragen mit: Oh, ja!

„Wenn Sie verlassen wurden, ist das, was Sie jetzt am liebsten tun würden, diesen Menschen zu vergessen und dann Ihr Leben weiterzuleben. Aber nein, Sie lieben ihn nur stärker.“

Frisch Verlassene erleben ein Aufflammen derselben Hirnareale wie frisch Verliebte – sie spüren eine tiefe Bindung an den/die Ex, sind hoch konzentriert und willens, alles zu riskieren, um den Partner (wieder) für sich zu gewinnen. Je weniger die Sucht nach Liebe befriedigt wird, desto stärker wird das Verlangen danach. Kein Wunder, dass so viele Verbrechen aus Leidenschaft geschehen, denn der/die Ex wird nochmals zum Mittelpunkt allen Handelns, aber auch Leidens, und die entsprechenden Love-Areale im Gehirn laufen auf Hochtouren. Fazit: Die Liebe intensiviert sich. Uff.

Im Idealfall überspringt man diese Leidensphase, indem man einfach zusammenbleibt, und aus Verliebtsein wird irgendwann echte Liebe. Dann erzeugen Kuschelhormone wie Oxytocin Gefühle von Nähe, Gemeinsamkeit und Bindung. Sie unterdrücken wiederum die Produktion von Dopamin, aber auch von Testosteron.

„Liebe wird immer magisch sein. Liebe ist in uns. Sie ist tief in unserem Gehirn verankert. Unsere Herausforderung ist es, uns gegenseitig zu verstehen.“

Und richtig gute News gibt es auch noch: Die Paare, die nach 25 Jahren des Zusammenseins noch immer berichten, total verliebt zu sein, lügen nicht. Das MRT beweist es. Die Liebe bleibt also vielleicht eine Droge, aber im Gegensatz zu Kokain und Co ist in der Liebe tatsächlich das Happily Ever After möglich. Viel Erfolg auf dem Weg dorthin.

Und immer schön daran denken: It’s not you, it’s your brain!

Headerbild: Gehirn-Illustration via Shutterstock
Text: Jule #teamimgegenteil