Der Mensch ist ein Entdecker. Und seit wir alle Weltmeere überquert und sämtliche Berge bestiegen haben, ist der Weltraum zum neuen Sehnsuchtsort geworden. In unzähligen Filmen und Büchern können wir in Gedanken ins All reisen und uns ein Leben in der Schwerelosigkeit ausmalen. Doch das Jahr 1969 scheint lange her, in dem ganze Familien gebannt vor dem Fernseher saßen, um die Mondlandung mit zu verfolgen. Viele haben sich damit abgefunden, dass sie niemals wirklich in den Weltraum fliegen werden. Aber stimmt das?

Seit einigen Jahren sind zahlreiche Unternehmen aus dem Boden geschossen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den Menschheitstraum von der Reise ins All zu erfüllen. Den Anfang machten wohlhabende Unternehmer und Visionäre wie Elon Musk (SpaceX), Richard Branson (Virgin Galactic) und Jeff Bezos (Blue Origin). Die Begeisterung war groß, die Versprechen vollmundig. Richard Branson wollte ursprünglich die ersten Flüge in den Weltraum mit Privatpersonen schon 2009 durchführen. Eingeladen waren alle, die das nötige Kleingeld aufbringen können.

Der Plan musste jedoch verschoben werden. Mehrere Zwischenfälle und technische Schwierigkeiten haben die Unternehmen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Im September 2016 explodierte eine SpaceX Rakete bei Vorbereitungsarbeiten im Weltraumhafen in Cape Canaveral. Derartige Unfälle sind verheerend für das Image der Weltraum-Branche. Sie vermitteln den Eindruck, als sei der Urlaub im Weltraum oder die Kolonie auf dem Mars nur eine Flause übereifriger Superreicher.

Was in der breiten Öffentlichkeit aber kaum ankommt: Inzwischen haben die Unternehmen bereits hunderte Testflüge durchgeführt und beachtliche Erfolge erzielt. Das erst im Oktober gegründete ChinaRocket zum Beispiel hat schon jetzt viel vor. In weniger als zehn Jahren will man Gruppen von bis zu 20 Personen auf 140 Kilometer Höhe befördern. Das ist ungefähr 10 bis 12-mal so hoch wie ein reguläres Flugzeug. Aus der sogenannten Thermosphäre könnten Passagiere dann bereits die Krümmung der Erde deutlich wahrnehmen.

Space Shuttle via Shutterstock
Space Shuttle via Shutterstock

2030 will man außerdem interkontinentale Raumflüge anbieten. Die Idee ist, dass Passagiere mit einer Art Flugrakete von einem Kontinent zum anderen fliegen. Die Flugrakete ist sowohl mit Flugzeugturbinen als auch mit einem Raketenantrieb ausgestattet. Damit soll die Rakete theoretisch auf einem gewöhnlichen Rollfeld starten und landen können. Der Raketenantrieb wird erst in der Luft gezündet. Dann steigt die Flugrakete in höhere Schichten der Atmosphäre auf, wo sie sich schneller fortbewegen kann. Auf diese Weise soll die Flugdauer deutlich verkürzt werden. Ein sogenannter suborbitaler Flug von Europa nach Nordamerika könnte ungefähr eine Stunde dauern.

Branson’s Virgin Galactic verfolgt Pläne, die ähnlich zu denen von ChinaRocket sind und sich ein bisschen nach StarWars anhören. Das Raumschiff mit dem Namen Unity wird von seinem Mutterschiff in die Luft gebracht und dort fallen gelassen. Im Flug startet es dann den Raketenantrieb und schießt mit dreifacher Schallgeschwindigkeit an den Rand des Weltraums. Dort können die bis zu sechs Passagiere einige Minuten Schwerelosigkeit erleben und durch große Fenster die Aussicht genießen. Anschließend sinkt das Raumschiff wieder und landet selbstständig am Weltraumhafen. Für ungefähr eine Viertelmillion Dollar ist man dabei.

Einen Schritt weiter ist man bereits bei Blue Origin. Zur Zeit werden Tests mit der Rakete New Shepard geflogen. Auch hier ist eine zentrale Idee, dass die Rakete nach ihrem Start wieder sicher am Abflugort landen soll. Das ist notwendig, damit Flüge ins All irgendwann auch für Normalsterbliche bezahlbar werden. Schon 2018 sollen die ersten Reisen angeboten werden. Wie das genau funktioniert, zeigt dieses Video. Auch bei SpaceX, dem ersten großen Weltraum-Unternehmen, ist die Landung von Raketen auf der Erde ein wichtiges Element. Dieses Jahr gelang es gleich mehrfach, eine Rakete ohne Fallschirm auf einem winzigen Raketenträger im Atlantik zu landen. Auf Video kann man den unglaublichen Landeprozess nachverfolgen.

Ein Testflug von zero2infinity's microbloon. Copyright: zero2infinity.
Ein Testflug von zero2infinity’s microbloon. Copyright: zero2infinity.

Einen gemächlicheren Flug verspricht das spanische Startup zero2infinity. Die Idee ist, Passagiere mithilfe eines riesigen Heliumballons bis auf 40 Kilometer Höhe aufsteigen zu lassen. Damit wäre man immerhin deutlich weiter von der Erde entfernt als die meisten Satelliten. Außerdem verspricht das Startup, dass der Flug sicherer sein soll als Flüge mit Raketenantrieb, da es an dem Ballon keine Treibstofftanks gibt, die explodieren können. Mit etwa 110.000 € ist die fünf- bis sechsstündige Reise nach oben zudem vergleichsweise günstig. Der Wettbewerb um Urlaubsgäste hat bereits begonnen, noch bevor der erste Reisende ins All befördert wurde.

So stellt sich SpaceX das interplanetare Raumschiff vor. Copyright: SpaceX
So stellt sich SpaceX das interplanetare Raumschiff vor. Copyright: SpaceX

SpaceX Gründer Elon Musk träumt indes schon von ganz anderen Zielen. Ihm schwebt nichts Geringeres als die Errichtung einer Mars-Kolonie vor. Kann man solche Pläne überhaupt ernst nehmen? Bis so weite Reisen durchs All möglich sein werden, muss sich zunächst die Technologie im Bereich der Raketenantriebe weiterentwickeln. SpaceX hat hierzu bereits Konzepte ausgearbeitet, die unter anderem das Beladen von Raumschiffen mit Treibstoff in der Erdumlaufbahn vorsehen. Glaubt man Elon Musk, dann soll man in einigen Jahrzehnten mit einer Reisezeit von etwa 115 Tagen zum Mars fliegen können. Eine solche Reise würde die Passagiere aber vor allem einem großen psychischen Stress aussetzen. In jedem Fall wird der gerade aufkeimende Weltraumtourismus ein wichtiger Baustein sein, um die Entwicklung in dieser Richtung voranzutreiben.

Bis es soweit ist, können wir die Wartezeit wohl weiterhin nur mit Weltraum-Phantasien überbrücken. Wie zum Beispiel mit diesem Musikvideo von OK Go.

Header: Shuttle Start via Shutterstock