Content Creator aus Leidenschaft
Content Creator aus Leidenschaft

Im Jahre 2007 hatte ich den Begriff Blogger eigentlich noch nie gehört oder wahrgenommen. In den USA und in Skandinavien waren Blogs schon ein ziemlich großes Ding, aber in Deutschland waren wir damals noch in der Internet-Steinzeit und es gab bis zu dem Zeitpunkt nur ein paar wenige Blogs. Ich weiß gar nicht, was die jungen Leute damals hier gelesen haben, wahrscheinlich die Bravo oder so.

Wenn ich mal ganz weit in mein Leben zurückblicke, war Publishing irgendwie schon immer eine Leidenschaft für mich. Im zarten Alter von neun brachte ich schon mein erstes „Zine“ heraus, selbst angefertigt (mit dem Kopierer von Papa) und in streng limitierter Auflage von vielleicht fünf Exemplaren vertrieb ich die „Funny“ gefüllt mit eigenen Zeichnungen und zusammengeklauten Comics von den Ducktales unter meinen Klassenkameraden. Als Teenager ging es dann etwas nerdig weiter mit einer Heftreihe von Fanfiction zu meiner Lieblingsserie Akte X. Als wir dann irgendwann unseren ersten PC und einen Internet-Anschluss bekamen, dauerte es nicht lange, bis ich mir autodidaktisch die Erstellung von Webseiten beigebracht hatte, um meine Geschichten auch online zu veröffentlichen. Das auf einmal meine literarisch hochwertigen Ergüsse auch Menschen außerhalb meines eigenen Dunstkreises lesen konnten, war für mich ein grandioses Gefühl. Als wäre das nicht schon genug, übernahm ich dann in der Oberstufe auch die Chefredaktion und „Art Direction“ unserer Schülerzeitung und des Abijahrbuchs. Ihr seht, eine Karriere als Medienmogul zeichnete sich schon damals klar ab.

Meine Akte X-Fanfiction Heftreihe
Meine Akte X-Fanfiction Heftreihe von 1996

Danach war dann allerdings erstmal für viele Jahre Sendepause aus dem Verlagshaus Schröder. Während des Studiums machte ich Webseiten eher nur für Uniprojekte. Nach dem Abschluss wurden Webseiten zu meinem Beruf und ich fing in einem Buchverlag an zu programmieren. Das Thema Publishing war so direkt vor meiner Nase, dass es eigentlich ein Wunder war, dass es so lange gedauert hat, bis es bei mir Gong gemacht hat und ich endlich wieder was eigenes machen wollte.

Auslöser war dann ein früherer Praktikant, der mir stolz seine neue WordPress-Seite präsentierte, auf der er dieses herzerweichende Viral-Video veröffentlichte, in dem ein animierter Kiwi sich auf kuriose und tragische Weise den Traum vom Fliegen verwirklichte. Ich fand das Prinzip von WordPress total praktisch und das Content-Management-System dahinter total gut gemacht (davon hatte ich natürlich aus beruflichen Gründen ziemlich Ahnung). Meine Neugier war geweckt und schwuppdiwupp hatte ich über Nacht das erste Design für iHeartBerlin aufgesetzt, ohne davor auch nur irgendeinen anderen Blog gesehen zu haben.

Schon damals Chef: Die Schülerzeitung unter meiner Leitung
Schon damals Chef: Die Schülerzeitung unter meiner Leitung 1999/2000

Am Anfang, wenn man noch so gar keine Ahnung von der „Blogosphäre“ (wow, wie lange habe ich diesen Begriff nicht mehr verwendet) und auch noch keinen Facebook-Account mit hunderten von Freunden hat, freut man sich noch über jeden Suchmaschinen-Bot, der sich auf seine Seite verirrt und einen Visit in der Server-Statistik auslöst.

Den ersten Durchbruch mit iHeartBerlin habe ich einem Partyfoto-Set zu verdanken, welches ich bei einem Besuch des damals noch ziemlich undergroundigen Clubs “Salon zur wilden Renate” gemacht hatte und was uns monatelang viele Leser brachte. Für die nächsten paar Jahre waren Partyfotos dann irgendwie mein Ding.

Der Blog bekam dadurch auf einmal viel Aufmerksamkeit und es bewarben sich zusätzliche Autoren und Freunde fingen an sich daran zu beteiligen. Wir waren auf einmal ein Team von vier Leuten: Diwa, Claudio, Suz und ich, und das erzeugte ganz neue Dynamiken, die mich sehr inspirierten und motivierten. Durch die Fotos und Partyempfehlungen hatte sich iHeartBerlin in die coole Szene der Stadt eingeschlichen und auf einmal wurde ich auf Partys oder auch in der Tram von jungen Leuten erkannt, die mir ihre Geschichten erzählten, wie ihnen der Blog geholfen habe, in der Stadt Fuß zu fassen und die richtigen Orte und Menschen kennenzulernen. Das hat mir eine Befriedigung und Erfüllung gegeben, die größer ist, als alles Geld und allen Ruhm, den ich jemals mit dem Blog erlangen könnte.

Klarer Fall: Medienmogul Frank weiß wie man Hefte zum Erfolg bringt
Klarer Fall: Medienmogul Frank weiß, wie man Hefte zum Erfolg bringt.

Ich hab mich zurückerinnert gefühlt an die Zeit, wo ich mit meinen ersten Publikationen in meiner Jugend Erfolge hatte, nur war jetzt alles in einer viel größeren Dimension. Es mit einer eigenen, mit Leidenschaft betriebenen Publikation auf einfache Weise zu schaffen, andere Menschen zu unterhalten oder ihnen gar zu helfen, gibt einem ein fantastisches Gefühl. Das macht für mich die Freiheit des Self-Publishings zu einer der großartigsten Revolutionen der letzten Jahrzehnte. Jeder, der etwas zu sagen hat, kann seine Meinung kundtun und so sein eigenes Publikum finden. Ich nenne es gerne die Demokratisierung des Contents.