„Spiritualität“ ist per se ein ziemlich olles Wort. Wenn mir das S-Wort früher begegnete, dachte ich an Leinenhosen und Räucherstäbchen und nahm vorsorglich Reißaus.

Doch je älter ich wurde und je größer meine Sinnsuche in meinem hippen Online-PR-Job wurde, desto häufiger klopfte Frau „S“ an meine Tür, bis ich schließlich öffnete.

Sie verriet mir, dass ich mich gar nicht zwischen Spiritualität und Internet entscheiden muss.

Die Antwort war schließlich ein Yogablog – Fuck Lucky Go Happy. Seit zwei Jahren blogge ich nun gemeinsam mit Rebecca Randak über Yoga und Spiritualität. Dabei fiel mir auf, dass das Netz selbst hoch spirituell ist und wir Menschen uns über kurz oder lang alle in diese „höhere Dimension“ hinentwickeln werden.

Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, von welcher „Dimension“ ich um Himmelswillen spreche. Hinter all den Klischees des Räucherns, ums Feuer Tanzens und Hippie-Bänder-Tragens ist Spiritualität eigentlich ganz simpel und urmenschlich:

Es ist das Wissen darum, dass wir mehr sind als unsere menschliche Existenz und dass alles miteinander verbunden ist. Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sowie du und ich. Crazy, denkst du? Dann lies‘ mal, was das Internet mit dir macht.

Zurück in die Zukunft: Wissen versus Erfahrung

Im letzten Jahrhundert war Wissen die Währung Nummer eins. Wer den Wissensvorsprung hatte, der hatte die Macht. Das galt nicht nur in der Politik und in der Wirtschaft, sondern auch für uns als Einzelpersonen. Wenn der Arzt uns zum Beispiel sagte, dass wir Rheuma hatten, dann haben wir uns damit abgefunden und brav die verordneten Pillen geschluckt.

Heute stellen wir unsere Diagnose selbst mithilfe von Google. Wir durchsuchen verschiedene Foren und finden heraus, dass wir mit unserem Problem vielleicht besser beim Osteopathen oder bei der Akupunkteurin aufgehoben sind. Wenn beide nicht helfen können, ziehen wir weiter. Und irgendwann landen wir da, wo wir spüren, dass wir richtig sind. Wir finden unsere eigene Wahrheit.

Wissen, das von außen kommt, beeindruckt uns nicht mehr. Es steht uns schließlich im Überfluss zur Verfügung und vervielfacht sich schneller, als wir googlen können. Experten gehen sogar davon aus, dass es sich ab 2050 jährlich verdoppelt!

Innerhalb dieser Informationsflut erkennen wir, dass Wissen nicht gleich Wahrheit ist. Wir dürfen innerhalb des Überangebotes wieder lernen, unserem inneren Kompass zu folgen, auf unsere Intuition zu hören. Und die führt uns schneller zum schamanischen Heiler, Ayurveda-Therapeuten oder Klangschalen-Spezialisten als unserem Logik-Kopf lieb ist.

Matrix Reloaded

Im Umkehrschluss bedeutet diese Rückkehr zum Erfahrungswissen, dass es „die Realität“ als solche gar nicht gibt. Dass jeder Mensch seine eigene Illusion lebt. Dass der Mensch, der dir hilft, nicht der ist, der mich heilen kann, um bei dem Arzt-Beispiel zu bleiben.

In diesem Bewusstsein, dass die Dinge nicht so sind, wie sie scheinen, wird für uns auch Materie immer unbedeutender. Den höchsten Marktwert weltweit erzielen heute keine Automobil-Konzerne mehr, sondern Apple, Microsoft und Google – alles Unternehmen, die sich über die irdischen Bedingungen in dieser Welt hinwegsetzen. Sie schaffen ganz selbstverständlich eine immaterielle Welt, über die wir noch mit großen Augen staunten, als wir zum ersten Mal den Film Matrix sahen.

Währenddessen sitzen wir zu Hause am Laptop, bewegen maximal die Finger und wenige Stunden später steht unser Wocheneinkauf vor der Tür. Wir treffen uns bei Google-Hangout, um gemeinsam zu chillen und sind uns ganz nah, von Geist zu Geist.

Damit heben wir uns Stück für Stück aus unserer rein physischen, auf den ersten Blick voneinander getrennten, Existenz empor. Wir erweitern unsere Sinne auf das Unsichtbare. Wir verstehen uns immer mehr als Geist, der einen physischen Körper benutzt, um Ideen aus der geistigen Welt in der materiellen Welt zu manifestieren.

Bye bye Besitz

In diesem Bewusstsein, dass wir mehr als unser Körper sind, wird auch Besitz immer unwichtiger. Wir teilen unsere Wohnungen über Airbnb, mieten Musik auf Spotify und fahren mit dem Car-Sharing-Anbieter von A nach B. Als wäre uns allen völlig klar, dass wir eh nichts wirklich besitzen können, weil wir mehr sind, als der Teil, der gerade auf der Erde in fancy Adiletten durch Berlin-Mitte schlurft.

Zurück zur Community

Und nicht nur, dass wir uns nicht mehr an die materielle Welt klammern, wir nutzen die virtuelle Weite, um uns wieder stärker mit anderen zu verbinden. Und so zeigen wir ganz konkret und aktuell mit regenbogenfarbenen Profilbildern, dass wir alle eins sind.

Rainbow

Willkommen in der Welt der Spirits, in der wir alle miteinander verbunden sind!

Deine Franziska