Bei im gegenteil verbreiten wir Liebe für diejenigen, die noch ein wenig Platz im Herzen haben. Und sicherlich hätte ich an dieser Stelle mit den Top-Liebeskomödien fürs erste Date Milliarden Likes absahnen können. Stattdessen folgt eine eindringliche Warnung: Beziehungen können ganz schön hässlich sein. Ich bin Fachmann, ich hatte schon mal einen Freund.

Wenn ich mir meine Exfreunde zwischen Schule und heute so angucke, dann waren alle sehr unterschiedlich in Beruf, Körper, Frisur und Alter, hatten aber eine Gemeinsamkeit: Filme. Jeder einzelne war fanatischer Filmkonsument.

Ich selbst würde mich nicht unbedingt als begeisterten Cineast betiteln. Es gibt gute Filme und es gibt schlechte Filme, normal. Ich kann Serien und Dokus gucken, aber richtige Filme sind mir zu lang und oftmals zu kompliziert. Erst am Sonntag habe ich mal wieder 90 Minuten auf den Tatort gestarrt und die Story nur ansatzweise verstanden. Ich kann mir Namen und Gesichter nicht merken. Mit Verschwörungsfilmen muss man mir also nicht kommen. Ich bin die, die im Kino fragt: „Schatz, ist das der Schauspieler von vorhin oder ist der neu?“

Aber wie wir alle wissen, teilt man seine Passionen in einer gesunden Partnerschaft. Jahrelang guckte ich mit meinen Freunden auf viel zu große Bildschirme und ärgerte mich heimlich über die Zeitverschwendung. Oft schlief ich aus Protest einfach ein. An manche der Filme erinnere ich mich bis heute. Sie lassen mich nicht los. Weniger weil sie so spannend und witzig waren, sondern vielmehr, weil sie langfristig einen Teil meines Gehirns und Herzens zerstört haben. Lebenszeit, die ich nie wieder bekomme.

Hier meine persönliche Hitliste von filmischen Frechheiten, zu denen meine Freunde mich in der Vergangenheit zwangen. Falls Juristen unter euch sind, lasst mich gerne wissen, ob ich da irgendwen noch nachträglich wegen Körperverletzung einbuchten kann.

 

1. CITY OF GOD

Zwei Jungs wachsen im roughen Rio de Janeiro auf – einer wird Fotograf, der andere Drogendealer. 2002 schaute ich diesen Film mit meinem ersten Freund in einem West-Londoner Kino an. Ich war vehement dagegen gewesen, alleine schon wegen der 13 Pfund Eintritt, aber das interessierte nicht. Als circa in Minute 43 einem kleinen Jungen in den Fuß geschossen wurde, verließ ich den Saal, um mir ein sehr großes Eis zu kaufen. Mein Freund guckte den Film zu Ende. Ich muss nicht erwähnen, wie unhöflich ich das fand. Falls ihr dieses Trauerspiel mit eurem Partner nachstellen möchtet, findet ihr die entsprechende Szene hier. Achtung: Trennungspotenzial!

 

2. BUFFY THE VAMIRE SLAYER

vampire

Geschmäcker sind verschieden, das ist schon okay so, aber einer meiner Freunde war obsessed mit Buffy, der Vampirjägerin. Besonders verstörend war es, wenn er einmal im Quartal die Musical-Folge anschmiss und laut mitsang. Manchmal kam der Rest seiner Familie mit dazu und sang auch. An diesen Tagen war mir sehr kalt ums Herz. Wisst ihr, wie viele Folgen es gibt? Nein? Ich schon, denn ich habe alle 144 Stück à 44 Minuten gesehen. Zweimal.

Ich muss diesen Mann sehr geliebt haben, denn ich hätte in der Zeit zwei neue Sprachen lernen können. Oder einen Partner ohne Buffy-Crush finden – und im Nachhinein betrachtet, wäre das wahrscheinlich der beste Weg für alle gewesen.

 

3. DEAD MAN WALKING

„Mit traurigen Filmen bin ich nicht so gut.“ – „Super, dann lass uns Dead Man Walking gucken.“

Ich kann mich nicht erinnern, jemals bei einem Film so sehr geweint zu haben. Ich konnte mich auch Stunden danach nicht wirklich beruhigen. Mein Freund war schuld. Klarer Fall von Hausfriedensbruch. Und was mich bis heute absolut ärgert: Hat Sean Penn, den man so stilvoll sterben sieht, nun dieses Mädchen und ihren Freund erschossen? Hatte ich jahrelang völlig umsonst Mitleid? Ich erinnere mich zwar nicht, traue mich aber auch wirklich nicht, noch mal im Film selbst zu recherchieren. Lösungsvorschläge bitte an mich.

 

4. VERSCHWÖRUNGSDOKUS

Alien

Nicht wirklich als Film zu werten, aber sicher nicht zu verachten war ein Freund, der mich zwang, Verschwörungsdokus zu gucken. Chemtrails, Mondlandung, 9/11 – alles konnte, alles musste. Mit der Zeit merkte ich selbst, dass ich paranoid wurde. War der Kassierer im Supermarkt auch wirklich ein Kassierer? War der Supermarkt wirklich von Menschen gebaut worden? Und vor allem: Was hatten die Illuminati damit zu tun? Ich machte mit ihm Schluss, weil ich vermutete, er hätte was mit dem Tod von Lady Di zu tun.

 

5. PEARL HARBOR

Dieser Film hat mich so hart geärgert, dass ich fast mit meinem damaligen Freund Schluss gemacht hätte. Einfach nur, um es irgendwem heimzahlen zu können. Dieses dreistündige Monster der amerikanischen Filmgeschichte kann außer Pathos, Patriotismus, Pyro, Schmalz, Pengpeng und ein paar halbwegs attraktive Typen echt nichts. Ab der zweiten Hälfte des Films denkt man ständig: Jetzt ist es vorbei. Jetzt ist es vorbei. Fakt ist: Dieser Streifen geht immer und immer weiter. Bis alle weinen. So wie meine Beziehungen.
Dass mein damaliger Freund ihn trotzdem bis zum Ende sehen wollte, machte mich rasend. Eindeutig ein fristloser Trennungsgrund.

 

6. DER EXORZIST

Exorzist

Nie, nie, nie wollte ich den Exorzisten gucken. Diese Szene mit dem sich über ihrem Bett aufbäumenden Mädchen hatte ich aus Versehen mal als Säugling bei meiner Oma gesehen. Seitdem war klar, dass ich mit dem Genre Horror nicht warm werden würde.

„Jule, stell dich nicht so an. Ich bin doch bei dir.“
„Schwörst du, dass du mich danach nicht alleine lässt?“
„Natürlich.“

„Super Film, ich geh mal Kippen kaufen. Bis später.“

Ich schloss mich im Schrank ein und hätte dem Trottel bei seiner Rückkehr vor lauter Panik fast in die Kniescheibe geschossen. Mit einer rostigen Haarklammer.

 

7. APOCALYPSE NOW

Ich bleibe dabei: Kriegsfilme gehen nicht. Auch heute noch kriege ich beim entsprechenden Doors-Song Beklemmungen und muss mir vorstellen, wie Hubschrauberrotoren den Urwald zerpflügen. Auf diesen Film führe ich noch immer zurück, dass ich manchmal an Sonntagsdepressionen leide. Da hat mein Ex echt ganze Arbeit geleistet. Und um noch eine Schippe raufzulegen: Er hat mich auch dazu genötigt, Platoon zu gucken. Das werde ich ihm nie verzeihen.

 

8. HERR DER RINGE

Diese Episode ging zur Abwechslung mal gut aus – wir trennten uns, bevor ich die Trilogie gucken musste. Die DVD steht noch immer bei mir rum. Es ist besser so.

HerrDerRinge

 

Aus irgendeinem Grund findet Karl, der in der Redaktion neben mir sitzt, übrigens, dass alle Filme (inklusive Buffy) total super sind. Was uns vorher schon klar war, findet hier seinen ultimativen Beweis: Wir werden niemals ein Paar werden können. Angeblich trug er selbst tiefe Narben von Filmen davon, zu denen seine Ex-Freundinnen ihn in der Vergangenheit verdonnerten. Karl, ich freu mich schon auf deine Liste.

 

Text: Jule Müller #teamimgegenteil
Header: Ryan Merritt unter CC BY 2.0 
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