Dass Max Kersting mit Filzstift und Papier Geniales vollbringen kann, ist mir klar seit ich das erste Mal einen Flyer zu Gesicht bekam, den er für das Yogastudio, in dem wir beide immer übten, designt hatte. Was es mit jenem Flyer genau auf sich hatte, erinnere ich nicht mehr. Die Lachkrämpfe, die mich regelmäßig heimsuchen, wenn ein neues Bild von Max in meinem Instagram-Feed oder in der Wochenend-SZ auftaucht, sind aber immer noch dieselben.

Der vermeintlich schüchterne Freizeit-Yogi ist mit dem Talent gesegnet, alten Fotos mit wenigen Strichen neues Leben einzuhauchen. Aktuell läuft seine Ausstellung „Nie wieder Internet“, die sich jeder, der noch am kommenden Wochenende in Berlin ist, ansehen sollte.

 

Deine Ausstellung trägt den Titel „Nie wieder Internet“. Wie kam’s und was ist so schlimm am Internet? 

Als Titelbild und Titel für die Ausstellung habe ich das plakativste der 20 ausgestellten Bilder gewählt. So kam das. Und am Internet finde ich gar nichts schlimm. Mit dem Bild möchte ich mich einfach an die Zeit erinnern, als es noch kein Internet gab, wie ich mich damals gefühlt habe, wie ich Dinge gemacht und erlebt habe.

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Jetzt mal ehrlich: Wie sieht dein eigenes Online-Verhalten aus?

Naja, ich bin ständig online. Außer wenn ich beim Yoga bin, da ist das iPhone aus. Und nachts natürlich auch. Immer wieder die gleichen Spaziergänge durchs Netz prägen aber meinen Tag. Auch wenn sie kürzer werden. Momentan lasse ich viele von ihnen ausfallen, weil ich lieber backe.

 

Was inspiriert dich? Wann kommen dir die besten Ideen für deine Illustrationen?

Gute Ideen habe ich oft beim Yoga oder beim Backen. Auch beim einfachen Rumsitzen auf der Bank in der Frankfurter Allee. Naja, also beim Yoga direkt ist mir eigentlich noch keine gute Idee gekommen, denke ich gerade, aber es ist schon eine gute Basis, um anschließend schöne Gedanken und Ideen zu haben. Früher sind mir viele gute Sachen auch beim Biertrinken eingefallen. Leider ist das seit circa zwei Jahren nicht mehr so. Beim Trinken heute habe ich natürlich immer noch Ideen, die ich für super halte. Die schreibe ich dann auch auf. Leider sind sie am nächsten Morgen oft beschämend. Ok, die Frage war ja, wann mir die besten Ideen kommen, und ich glaube die Antwort ist ganz einfach: anfangen.

 

Die deutsche Presse lobt dich in höchsten Tönen. Was, glaubst du, macht deinen Erfolg aus?

Ich bin nicht auf Erfolg angewiesen. Das macht mich momentan so höllisch beliebt und ultra erfolgreich.

 

Woran arbeitest du im Moment? Worauf dürfen wir uns freuen?

Gerade arbeite ich an nichts Konkretem. Mal antworte ich auf diese Frage mit „Buch“, mal mit „neues Fotoprojekt“ und mal mit „Fitness-DVD mit dem Titel Vom empfindlichen Vogel zum stolzen Adler – die Transformation des Max K.“. Es gibt aber bereits ein paar fertige Dinge, wo ich noch nicht weiß „wie, wann und wo“. Auf die darf sich sehr gerne gefreut werden.

 

Was willst du unseren Lesern und Leserinnen noch mit auf den Weg geben?  

Einen wirklich guten Tipp, den ich von Beate Uhse habe. Sie sagte einmal, ihr ganzes Imperium samt ihres ganzen Vermögens beruhe nur auf dieser einen selbst auferlegten Maxime, welche ich natürlich auch befolge: „Fasse niemals einen Brief ein zweites mal an!“

 

Ich lege euch Max Kerstings Buch „Drei unbeschwerte Tage“ ans Herz, welches die Süddeutsche mit gutem Grund als „den lustigsten Bildband des Jahres“ bezeichnet hat.

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Bilder: Max Kersting, 2015 / courtesy pavlov’s dog