Ich möchte euch einen Film zeigen, den ich erstmalig 2011 sah und der nicht nur damals mein Herz erwärmte, sondern mich bis heute inspiriert.

Was ich mit meinem Partner später mal machen möchte, wenn ich irgendwas zwischen motivierter Mutti und rüstiger Rentnerin bin? An den Strand ziehen und Müll sammeln. So wie das Ehepaar Judith Selby und Richard Lang.

„Müll? Igitt!“, werdet ihr jetzt vielleicht denken. Aber nee – es geht um Luftballon-Endringe, Flaschendeckel, Lockenwickler, Feuerzeuge, Seifenblasendurchpustestäbe, Minisoldaten, Haarspängchen, kurz: Plastik.

Das sind alles Dinge, die das Ehepaar seit 1999 auf einem genau eine Meile langen Strandabschnitt von Kehoe Beach in Kalifornien sammelt. An genau dem Strand, an dem sie damals ihr erstes Date hatten. Hach! Die Beute nehmen sie dann mit nach Hause, befreien es von Sand und Salz und sortieren es in eine der zahlreichen Boxen, um später Kunst draus zu machen.

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Fotos: Judith Selby und Richard Lang

 

Mit ihrem Projekt säubern sie zwar nicht den Strand (das wäre eine Aufgabe, die man zu zweit eh nicht wuppen könnte), aber indem sie den heimischen Strandabschnitt „kuratieren“, machen sie auf ein Problem aufmerksam: Auf den Plastikteppich, der sich durch die unterschiedlichen Strömungskreisläufe an fünf verschiedenen Orten in den Weltmeeren, unter anderem im Pazifik, sammelt. Größe: irgendwas zwischen einmal Texas und zweimal Brasilien. Das Ergebnis unseres Wegwerfkonsums. Selbst Dinge aus den vierziger Jahren sind noch einwandfrei in Schuss – das freut das Sammlerherz, zeigt aber auch, wie unfassbar langsam das Zeug verrottet.

„Plastic in itself is not evil, but single use plastic is.”

 

Es ist ein leidiges Thema, über das niemand so recht nachdenken möchte. Deswegen freue ich mich um so mehr über diese inspirierenden Menschen, die dem schwer erfassbaren Ist-Zustand in Form von Bildern begreifbar machen. Neben den Langs gibt es unter anderem den Fotografen Chris Jordan, der tote Seevögel und deren Mageninhalte fotografiert. Überraschend? Vielleicht nicht. Berührend? Auf jeden.

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Foto: Chris Jordan

 

Was mich wiederum zu einem jungen Mann bringt, dessen TED-Talk aus dem Sommer 2014 mich sehr berührt hat. Idee haben, Kritikern beweisen, dass sie funktioniert, und dann einfach machen. „Den Ozean von Plastik befreien? Hey ho, let’s go“, dachte sich der 19-jährige Niederländer Boyan Slat, als er Schritt für Schritt seine Idee für die größte Aufräumaktion der Erde, The Ocean Cleanup, ausbaute. Wer tiefer in die Materie eintauchen möchte, guckt mal auf die Webseite. Es ist wirklich ein wahnsinnig ambitioniertes und spannendes Projekt.

Und da ich euch nicht zu viel mit diesem Umweltkram belasten möchte, schließen wir ab, indem wir noch mal zu unserem Sammler-Ehepaar aus Kalifornien zurückkommen. Euch ist sicher aufgefallen, wie die zwei für ihre Sache und auch füreinander brennen. Habt ihr gesehen, wie verzückt sie ihn anguckt, als er von den kleinen roten Käsespachteln spricht? Ich finde, dieses Lebensprojekt ist das Romantischste seit Arielle und Prinz Eric.

Die zwei treffen mit ihrem Tun auch gleich mehrere meiner Passionen: Dinge nach Farben sortieren (!), am Strand abhängen, basteln, lieben und was Gutes für diese Welt tun. Win-win-win-win-win-Situation! Wer mit mir in zwanzig Jahren (oder auch jetzt) einen Kranz aus pastelligen Soldaten basteln möchte, darf sich gerne melden. Eventuell habe ich auch schon eine kleine Plastiksammlung zu Hause, aber nur eventuell.

Für mehr Liebe und weniger Plastik!

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Foto: Judith Selby und Richard Lang

 

Headercollage: Judith Selby und Richard Lang + The Ocean Cleanup (Karte)
Text: Jule Müller #teamimgegenteil