Irgendeinen Sinn muss unsere Instagramsucht ja haben. Wenn wir statt E-Mails oder Texte zu schreiben, mal wieder endlos über unseren Newsfeed fegen, sind wir mitten in hochseriöser Recherche und stoßen alle paar Lademeter auf den nächsten irren Musikact, Designer, Essenstrend oder eben unser nächstes Covermodel.

Daily Bread Instagram Casting INDIE Magazine 1

Das Prinzip ist so praktisch wie bewährt. Nicht nur Magazine, auch große internationale Brands suchen regelmässig via Instagram nach dem nächsten Kampagnengesicht. Das rührt die Werbetrommel und lässt selbst die grausten Mäuse der digitalen Gefolgschaft von Ruhm über Nacht träumen. Denn so sehr die Modeindustrie in den Karteien der Modelagenturen auf Teenager nach Maß besteht, sie langweilt sich – wenn es gerade in den Strategie-Kram passt – auch schnell mit dem selbst verschuldeten Einheitsbrei. Und ruft das Unperfekte, den Individualismus als neuen Look der Stunde aus.

Natürlich agieren wir und die großen internationalen Brands nicht aus reinem Altruismus, der beste Instagrammer ist und bleibt der bekannte Instagrammer. Sich plötzlich im Feed gefragter Onlinepersönlichkeiten zu finden, boostet die eignen Followerzahlen und gerne auch mal unsere Aboverkäufe.

Doch nicht jedes fotogene Gesicht ist gleich eine ganz große Nummer mit eigenem Pressesprecher. Besonders unerfahrenen Neulinge kommen in diesem Geschäft schnell mal unter die Räder. Wer ohne Agenten ist, ist ohne Interessenvertreter. Und ob die großen Konzerne dem selbstgecasteten Newbie die selben Deals anbieten wie gewitzten Agenten, ist zu bezweifeln.

Da wir aber generell eher den interessanten Geschichten hinter den interessanten Gesichtern herjagen als irgendwelchen Deals, heisst es, sich weiter keine Sorgen zu machen, sollten wir euch mal ein anzügliches Anbahnungs-Kommentar posten. So wie wir es bereits mit folgenden Cover-Kids gemacht haben:

Model und Fotograf @marcel.castenmiller (siehe erstes Foto) folgten wir ob der wunderschönen Analogaufnahmen seines Alltages in New York samt Musiker- und IT-Freunde schon eine ganze Weile. Als er sich mit unserem liebsten außerirdisch schönen und wohlportioniert durchgeknalltem Modelmädchen @ali_michael dann auch noch zum bestaussehendsten Pärchen auf Erden zusammentat, gab es kein Insta-Stalking-Halten mehr. Wir baten die beiden Fans der beiläufigen Analogfotografie, sich für eine Strecke in INDIE gegenseitig zu fotografieren. Ein Selfie, auf dem die beiden nackt rumschmusen, gab’s dann als Cover. Alis Nippel wurde weggezoomt, weil wir unsere Hefte im USA-Vertrieb sonst nur in undurchsichtigem Zensurkuvert in den Handel bringen dürfen. #freethenipple im Übrigen.

Daily Bread Instagram Casting INDIE Magazine Rhi Blossom

Nach Ali, die170k auf die Fanswaage bringt, war Covermodel @rhiblossom ein wahres Social-Media-Leichtgewicht. Entdeckt haben wir den Teenager aus Kanada, wie es sich gehört, beim ziellosen Browsen. Rhi geht zur Schule, ist bei einer kleinen lokalen Agentur, die “Typen“ vertritt, unter Vertrag und träumt davon, nach dem Schulabschluss nach New York zu ziehen und Schauspielerin zu werden. Da war das Cover eines international vertriebenen Magazins ja schon mal ein ganz guter Start in die Karriere.

Dass wir die geilsten Dinge und Menschen ins Spotlight schubsen, kurz bevor der Mainstream sie entdeckt, hat unser Coup mit der spanischen Djane Sita Abellan untermauert. Als wir die an Natalie Portman in „Leon der Profi“ erinnernde Queen der freizügigen und irren Partyoutfits auf unser Cover hievten, hatte sie 40k Follower. Eine darunter war offensichtlich die Anführerin der Freizügige-every-day-Partyoutfit-Bewegung, Rihanna herself. Die castete Sita – via Instagram – als Co-Star ihres legendären BBHMM-Videos. Seitdem tanzt und legt die düstere Beauty auf jeder angesagten Fashion-Week-Party auf und ist eine von Jeremy Scotts neuen Musen.

Daily Bread Instagram Casting INDIE Magazine Sita Abellan

Ja, ein Stückchen Faulheit ist schon auch dabei, wenn wir statt Agenturen zu kontaktieren und Buchungsformulare auszufüllen, mal lieber ein flottes Comment unter jemandes neuestes Selfie setzen. Besonders auf Reisen hat sich dieses Prinzip bewährt: Als wir dieses Frühjahr auf Produktionsreise für unsere Road Trip Issue von Los Angeles über San Francisco nach New York fuhren, war Instagram unser bester Freund in Sachen frisches Blut. Ein bisschen auch, weil es gar nicht so einfach ist, an Orten wie Big Sur auch nur eine einzige Modelagentur zu finden, dafür aber immer und überall massenhaft coole Leute.

Was man immer einkalkulieren sollte, ist, dass die Menschen im echten Leben gerne mal komplett anders aussehen als auf ihren Selfies. Aber das ist ja auch bisschen der Thrill an dieser irren Sache namens „reale Menschen“.