Jetzt mal Butter bei die Fische. Oder besser gesagt: Soße auf den veganen Weihnachtsbraten. Der heilige Abend mit der Familie kann ganz schön grausame Gefühle bei uns hervorrufen.

Und so sehr wir uns vornehmen, dass dieses Jahr alles anders wird, dass wir geduldiger mit unserer gestressten Mutter umgehen, erwachsener mit unserem kleinen Geschwister, nachsichtiger mit Onkel Klaus und seinen eindimensionalen politischen Ansichten und großzügiger in der allgemeinen Verteilung von Liebesbekundungen unseren Liebsten gegenüber, so gering ist auch die Hoffnung, dass sich wirklich etwas ändert in unserer Familie.

Das war zumindest in meinem bisherigen Leben der Fall. Bis ich selbst etwas Grundlegendes änderte: Ich beschloss, meine Familie als ultimative Challenge zu betrachten. Als erstklassiges Lernfeld, um meine blinden Liebesflecken zu erkennen und mit Licht zu durchfluten.

Mach es wie ich und folge meiner Instant-Weihnachtstherapie in drei einfachen Schritten, anstatt dich mit deiner Familie zu zoffen:

#1 Das Spiegel-Prinzip

Welcher deiner Verwandten raubt dir den letzten Nerv? Wer hat das Talent, dich schnell und eindrucksvoll in Rage zu bringen? Diese Person wird am Weihnachtsabend dein Trainings-Buddy sein. Dieses Sutra aus dem Kundalini-Yoga erklärt dir warum:

„Erkenne, dass die andere Person du bist.“

Soll heißen: Andere Menschen spiegeln dich wieder. Das Gefühl, dass sie in dir hervorrufen, reflektiert immer, wie du selbst über dich denkst. Ersetze „mein großer Bruder setzt mich herab“ mit „ich fühle mich herabgesetzt“. Tausche „Onkel Klaus hat mich beleidigt“ mit „ich fühle mich angegriffen“ und so weiter. Bleib immer auf deiner Straßenseite und frag dich, welche unangenehmen Gefühle bei dir gekitzelt werden. Oder wie Jesus passend zur Weihnachtszeit sagen würde:

„Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?“

Du bist erwachsen. Übernimm Verantwortung für deine Gefühle. Stell dir dafür folgende Frage:

Welches Gefühl löst bei mir das Verhalten der Person aus und warum trage ich es in mir? Vielleicht ist die Antwort, dass du wütend bist, weil deine Grenze überschritten wurde und du nicht für dich gesprochen hast. Dann schreib auf deine To-Do-List: Lernen, gesunde Grenzen zu setzen.

#2 Fühle deine Gefühle

Challenge Nummer Zwei: deine eigenen Gefühle wahrnehmen und aushalten! Oder, um es liebevoller auszudrücken, sie bejahend spüren. Das ist der Generalschlüssel zum Auflösen alter Verhaltensmuster.

Die US-amerikanische Live Coach Rha Goddess ist überzeugt, dass du ein Gefühl transformieren kannst, indem du es neunzig Sekunden einfach nur spürst.

Bevor du beim nächsten sich anbahnenden Familienstreit zurück feuerst, nimm mindestens drei Atemzüge, spüre in dich hinein und frage dich, welcher Krieg dort herrscht.

Kommuniziere, dass du mal frische Luft schnappen musst, bevor du das Thema ausdiskutierst und nimm dir deinen Raum, um zu fühlen.

#3 Erwecke den Jesus in dir

Christentum, Katholizismus und Kirche mal beiseite: Jesus, dieser langhaarige Hippie, der sich nicht scheute einen Lepra-Kranken zu berühren, der nicht müde wurde, den Menschen zu verklickern, dass Heilung bei ihnen selbst beginnt und dass Vergebung ein fantastisches Liebeselixier sei, der selbst am Kreuz mit blutigen Händen und Füßen noch versöhnliche Worte fand. Dieser Typ war ein echter Vorreiter in Sachen Vergebung, ähnlich wie Buddha, Martin Luther King, der Dalai Lama oder Nelson Mandela.

Egal, ob du Weihnachten oder Chanukka feierst, es lohnt sich diese innere Qualität in dir zu wecken – deinen Jesus, Buddha oder wer auch immer für dich die Gabe der Gnade symbolisiert.

Denn so lange du eine Plan dafür hast, wie sich andere Person zu verhalten haben, damit du sie lieben kannst, liebst du nicht, sondern stellst Bedingungen.

Liebe ist frei. Sie existiert unabhängig vom Verhalten deines Gegenübers – tief in deinem Inneren. Und Vergebung ist ein echter Booster für dieses schöne Gefühl.

Damit es funktioniert, sieh wieder zuerst auf deine Straßenseite. Welchen Anteil hast du an der Situation? Und wenn es nur 5 Prozent sind: Wie hast du das, was du vorfindest, miterschaffen? Sobald du deinen Teil erkannt hast, wird es dir wesentlich leichter fallen, deinem Gegenüber für den seinen zu vergeben. Probier’s mal aus!

SHINE BRIGHT

Deine Franziska